Vereinssterben

Sängervereinigung Hersbruck verstummt für immer

Dieter Striegler

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21.11.2022, 06:00 Uhr
Lockerte den von viel Melancholie geprägten Abend mit seinen Gesangseinlagen auf: der noch erstaunlich stabile Chor mit Chorleiterin Christine Grieshammer (Mitte).
 

© Dieter Striegler Lockerte den von viel Melancholie geprägten Abend mit seinen Gesangseinlagen auf: der noch erstaunlich stabile Chor mit Chorleiterin Christine Grieshammer (Mitte).  

„Singen in der Krise“ war bereits 2017 ein in der HZ erschienener Artikel über den Chorgesang im Hersbrucker Land überschrieben. „Warum bleibt die Jugend aus“ war schon damals die Frage, auf die es sicher viele Antworten gibt. Während im ländlichen Raum Nachwuchsprobleme häufig unbekannt sind, besteht im städtischen Umfeld gerade bei Männerchören ein eklatanter Mangel an jüngeren Sängern.

Und so stellt nun auch die Sängervereinigung Hersbruck als letzter Männerchor im Stadtgebiet das Singen ein. Die Geschichte der Hersbrucker Chöre geht weit zurück. 1857, also vor 165 Jahren, schlossen sich 38 Hersbrucker Bürger zum „Männergesangverein Bürgergesellschaft Hersbruck“ zusammen. Damals stand nicht allein die Musik im Vordergrund, sondern Gesangvereine waren auch Horte der – 1848 gescheiterten – Demokratiebewegung.

Der Spruch „Turner, Sänger, Schützen sind des Reiches Stützen“ nennt die Männerbünde, die ein Ende der deutschen Kleinstaaterei und die Einführung der Demokratie nach französischem Vorbild forderten. „Wir grüßen euch mit Herz und Hand“ sang der noch erstaunlich stabile Chor zum Auftakt.

Zahlreiche Höhepunkte

Hermann Hopfengärtner erinnerte im Bildrückblick, immer wieder unterbrochen von Liedbeiträgen des Chores, an viele Höhepunkte aus dem Vereinsleben. Ob große klassische Konzerte in den Kirchen, die weihnachtliche Waldlermesse, die Serenade am Marktplatz oder die Auftritte im Hirtenmuseum, immer wurden die Darbietungen von der Bevölkerung mit Begeisterung aufgenommen.

Besonders ausgeprägt war die Geselligkeit im Verein. An viele gemeinsame Fahrten und Wanderungen erinnerte man sich genauso gerne wie an Faschingsveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Grillfeste.

Bei den Ehrungen für verdiente Mitglieder standen natürlich zwei Personen im Mittelpunkt des Abends: Chorleiterin Christine Grieshammer, die 29 Jahre lang im wahrsten Sinne des Wortes den Takt vorgab, und Hermann Hopfengärtner, der 50 Jahre als Vorsitzender der Sängervereinigung wirkte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass 1973 aus den Chören der Bürgergesellschaft, des Gehilfenvereins und des Männergesangvereins Ostbahn die Sängervereinigung Hersbruck entstanden ist.

Die Leistungen von Christine Grieshammer und Hermann Hopfengärtner wurden entsprechend gewürdigt und mit einem kleinen Abschiedsgeschenk belohnt.
Von der Geschäftsführerin des Sängerkreises Hersbruck, Elisabeth Hensel, wurden Fritz und Hans Reif für 60 Jahre und Konrad Loos für 40 Jahre Zugehörigkeit zum Verein ausgezeichnet, sowie Fritz Leikauf für seine jahrzehntelange Tätigkeit als Notenwart.

Zuverlässige Vertreter

Ein besonderer Dank ging an Kirchenmusikdirektor Karl Schmidt und an Werner Müller, die im Vertretungsfall stets als Chorleiter zur Verfügung standen. Viele Vereinsmitglieder regten an, die gesellschaftlichen Veranstaltungen in loser Form weiterhin stattfinden zu lassen und so mischte sich in die leise Wehmut beim Abschied die Gewissheit, auch weiterhin einander verbunden zu bleiben.

Mit dem fröhlichen Lied „Lachende Gesichter“ endete der Abschlussabend ganz bewusst mit einer heiteren Note.

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