Teurer Unterhalt

Nürnberg und Fürth wollen die Südwesttangente endlich an den Bund abgeben

3.8.2021, 06:00 Uhr
Die Südwesttangente ist keine Autobahn - und kostet die Städte Nürnberg und Fürth deshalb Millionen Euro.

Die Südwesttangente ist keine Autobahn - und kostet die Städte Nürnberg und Fürth deshalb Millionen Euro. © Wolfgang Händel, NN

Sie verbindet das Autobahnkreuz Nürnberg-Hafen mit dem Landkreis Fürth. Daher hat sie auch ihren Namen. Weil sie sich von Süden nach Westen durch den Großraum Nürnberg zieht, heißt die Schnellstraße Südwesttangente. Auf der Autos aktuell nicht überall schnell fahren, sondern durch zahlreiche Baustellen ausgebremst werden.

Städte bauen "Autobahn"

Auch für die Stadt Nürnberg ist die Südwesttangente eine Baustelle, seit Jahren schon. Denn obwohl Nürnberg zusammen mit der Stadt Fürth die Schnellstraße errichtet hat, als der Rhein-Main-Donau-Kanal gebaut wurde, gleicht sie doch einer Autobahn. Und trotzdem ist sie damals im Besitz der beiden Städte gewesen.

Dabei ist die Südwesttangente laut Routenkonzept als "Bundesautobahn BAB 752" konzipiert gewesen. Wieso die Strecke nach der Fertigstellung nie an den Bund übergeben worden ist, wissen auch Experten in der Stadtverwaltung nicht. "Das stammt jedenfalls aus einer Zeit, in der der Bund noch arm und die Stadt noch reich war", sagt Daniel Ulrich.

In Nürnberg Privatstraße

Doch dieses Verhältnis gelte schon länger nicht mehr, ergänzt der Baureferent. Trotzdem tragen seit jeher die Städte Nürnberg und Fürth die Unterhaltslast für die Strecke. In Nürnberg läuft die Strecke, die eigentlich eine Autobahn ist, aktuell unter Privatstraße. In Fürth dagegen ist die Südwesttangente eine Gemeindeverbindungstraße.

"Schon seit Mitte der 90er Jahre gibt es immer wieder Bemühungen der beiden Städte, die Strecke endlich in die Verantwortung des Bundes zu übergeben", sagt Daniel Ulrich. Den jüngsten Anlauf haben Fürth und Nürnberg 2017 gestartet, in dem sie ein externes Gutachten in Auftrag gegeben haben. Das soll die rechtlichen Definitionen abklären. Das Ergebnis der Überprüfung: Die Südwesttangente ist "eine Bundesfernstraße, die entweder als Bundesautobahn oder als anbaufreie Bundesstraße zu widmen ist".

Aktuell ist die Südwesttangente an vielen Stellen eine Baustelle.

Aktuell ist die Südwesttangente an vielen Stellen eine Baustelle. © Michael Müller, NN

Nachdem die beiden Nachbarstädte alles noch einmal genau geprüft haben und die Strecke keine kommunale Straße ist, die vorrangig lokalen Bedürfnissen dient, sind sich Nürnberg und Fürth einig: Sie wollen die Südwesttangente zur Autobahn umwidmen. Wohlwissend, dass das die Kommunen zunächst einmal etwas kosten wird. "Eine Ablöse wird nötig sein", sagt Daniel Ulrich im Verkehrsausschuss der Stadt Nürnberg. "Aber alles ist billiger, als sie selbst zu besitzen." Denn der Unterhalt würde in den nächsten Jahren Hunderte Millionen Euro verschlingen.

Abstände schon eingehalten

Ein Nachteil wiederum ist, dass entlang der Strecke bei Planungen nun die nach den gesetzlichen Regelungen vorgegebenen Abstände zu Autobahnen eingehalten werden müssen. "Die Abstände sind aber aufgrund der Geschichte der Strecke bereits heute berücksichtigt", sagt Daniel Ulrich. Und bei der bestehenden Bebauung gilt Bestandsschutz. Deshalb seien Einschränkungen für Anwohner oder Verkehrsteilnehmer laut Baureferat nach aktuellem Stand nicht zu erwarten.

Dass die Städte eine Umwidmung fordern, haben die Oberbürgermeister Marcus König und Thomas Jung, Bundeverkehrsminister Andreas Scheuer und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mitgeteilt. Als nächstes geht das Begehren nun an das zuständige Fernstraßen-Bundesamt in Leipzig. Dann soll die Südwesttangente endlich eine Bundesautobahn werden.

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