Sonntag, 22.09.2019

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Nürnberger Polizei erklärt: So prellen Spediteure die Maut

Mit nur einem Bauteil umgehen immer mehr Unternehmer die Gebühr - 22.03.2017 13:33 Uhr

Maut-Preller stören auch die Polizei - die will jetzt gehen den Betrug vorgehen. © dpa


Das Gerät, auch Adblue-Emulator genannt, ist im Motorraum eines osteuropäischen Lkw verbaut, den die Verkehrspolizei Nürnberg (VPI) gestoppt hatte. Der Fahrer gibt sich ahnungslos, die Polizisten nehmen ihm das aber nicht ab. Denn das Kästchen hat es in sich. Es steht für ein neues Phänomen, wie - laut Polizei vorrangig bei osteuropäischen Lastern - getrickst wird, um in Deutschland deutlich weniger Maut bezahlen zu müssen. Seit Mitte Februar gehört es zum Kontrollrepertoire der VPI, nach solchen Emulatoren zu gucken, wenn Einsatzkräfte Lkw unter die Lupe nehmen.

Darum geht es: Mit Hilfe des Harnstoffes Adblue werden Stickoxide aus den Abgasen gewaschen. Neuere Lastwagenmotoren sind mit dieser Technik ausgerüstet, die Fahrer befüllen die Zugmaschinen mit herkömmlichem Diesel, in einen separaten Tank lassen sie Adblue laufen - die Umwelt wird damit deutlich weniger belastet. Der Bund hat den Anreiz geschaffen, Nutzer von Adblue-Motoren zu belohnen: Sie zahlen für ihre Euro5- oder Euro6-Fahrzeuge 6,20 Euro pro 100 Kilometer weniger als Lkw ohne entsprechende Abgasanlage, erklärt Polizeisprecher Christian Daßler.

90 Euro für Emulator - mit Einbau

Und hier kommt nun der Emulator ins Spiel. Das im Nachhinein eingebaute schwarze Kästchen, das im Internet erhältlich ist, gaukelt dem Bordcomputer vor, dass Adblue in die Abgasanlage eingespritzt wird. Tatsächlich ist der Adblue-Tank aber leer, der Motor verbrennt ausschließlich Diesel, aus dem Auspuff qualmt das bis zu Fünffache an Stickoxiden. "Der gestoppte Lkw-Fahrer hat für den Emulator 90 Euro inklusive Einbau bezahlt. Der Mann hat uns sogar die Rechnung vorgelegt", so Polizeihauptkommissar Klaus Meier gegenüber der Lokalredaktion. Der Leiter der Abteilung Überwachung Schwerlastverkehr in der VPI sagt auch, dass diese Art von Maut-Betrug bisher nur wenig bekannt war.

Seit Februar hat die VPI Nürnberg bei Routinekontrollen sechs Fahrzeuge mit manipulierter Adblue-Abgasanlage aus dem Verkehr gezogen. "In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth wird gegen den Fahrer wegen des Verdachts des Computerbetrugs und des Verdachts der Luftverunreinigung ermittelt, sagt Polizeisprecher Daßler. 

Alexander Brock

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