Nutella-Alternative: Fränkischer Aufstrich kommt gut an

5.2.2019, 10:42 Uhr
Martin Stiegler hat schon Ideen, was er mit den Haselnüssen noch so anstellen könnte – wenn die Ernte nächstes Jahr wieder mehr hergibt.

Martin Stiegler hat schon Ideen, was er mit den Haselnüssen noch so anstellen könnte – wenn die Ernte nächstes Jahr wieder mehr hergibt. © Foto: Philipp Ledényi/dlz agrarmagazin

Seit Anfang September wurden auf dem Hof der Familie Stiegler im Cadolzburger Ortsteil Gonnersdorf wieder Nüsse geknackt. Die Ernte fiel allerdings ganz und gar nicht so aus wie erhofft; der heiße, trockene Sommer hat den Haselnussbäumen zugesetzt. "Es ist ein schwieriges Nussjahr für uns", sagte Martin Stiegler im Herbst.

Seine Familie hat bei der eigenen Ernte Einbußen von bis zu 75 Prozent, erzählte der 26-Jährige. Vor zwölf Jahren haben sich seine Eltern, Fritz und Sieglinde Stiegler, zusammen mit sieben weiteren Landwirten an den Haselnussanbau gewagt, als Pioniere in Mittelfranken. 2017 stellten die Stieglers auf biologischen Anbau um. Bis heute teilt sich die Gruppe die Maschinen für die Ernte und Verarbeitung.

Um Letztere kümmert sich inzwischen Martin Stiegler mit seiner Firma Frankengenuss, er kauft auch einen Teil der Ernte der anderen Landwirte auf. Diejenigen, die nicht bewässern konnten, liefern heuer weniger Masse: Die Kerne sind kleiner als sonst. Um das zu kompensieren, kaufte Stiegler diesmal auch Haselnüsse aus Südbayern ein.

Der junge Landwirt ist immer auf der Suche nach Ideen für die Verarbeitung. Das Sortiment reicht mittlerweile von gerösteten Nüssen über Cantuccini, Haselnuss-Toffees, -Mus, -Salz, -Öl bis zu Haselnuss-Dinkel-Nudeln – und eben dem Aufstrich, den er im vergangenen Jahr entwickelt hat.

Wie wäre es mit "Haselicious"?

Als damals in der Zeitung zu lesen war, dass Stiegler noch auf der Suche nach einem passenden Namen ist, überhäuften ihn die Leser mit Vorschlägen – von "Haselicious" bis "Nusserla". Er selbst schloss ein Konstrukt mit "Nu" lieber aus, um keinen Rechtsstreit mit den Herstellern von Nutella, Nutoka, Nusspli und Co. zu riskieren. Am Ende entschied er sich für eine schlichte Lösung: "Nuss-Nougat-Aufstrich".

Das passt dazu, dass bei seiner Creme der Nussgeschmack im Vordergrund stehen soll, nicht der Zucker. Der Nussanteil liegt in Stieglers Rezept bei 55 Prozent. Zum Vergleich: Bei Nutella sind es 13 Prozent.

Noch wichtiger war ihm, dass der Brotaufstrich nachhaltig produziert wird – also unbedingt ohne das "so verrufene" Palmöl, wie er sagt. Das Öl steckt in Biokraftstoffen, aber auch in jedem zweiten Supermarktprodukt: in Margarine, Pommes Frites, Schokoriegeln, Fertiggerichten, Seifen, Lippenstiften, Putzmitteln . . . Die hohe Nachfrage trägt dazu bei, dass für die Plantagen Regenwälder gerodet werden und Lebensraum für Orang-Utans und Tiger verloren geht. "Für mich war klar, ich mache es nur, wenn es ohne Palmöl geht", sagte Stiegler. Dank des hohen Nussanteils kann er auf Öl verzichten.

Bald auch Lebkuchen und Riegel?

Die Nuss-Creme hat die Verbraucher in der Region schnell neugierig gemacht und Fans gefunden. Und nachdem auch TV-Koch Alexander Herrmann im BR ein Nougat-Soufflé mit Stieglers Produkten kreierte, gingen Bestellungen aus ganz Bayern ein.

Den Aufstrich hat Martin Stiegler nun das ganze Jahr über produziert und angeboten. Man kann die Gläser (180 Gramm kosten 6,90 Euro) im Online-Shop von Frankengenuss ordern oder aus dem Automaten ziehen, der auf dem Hof der Familie steht. An neuen Ideen tüftelt er auch schon – doch wegen der schlechten Ernte muss Franken auf Lebkuchen und Nuss-Nougat-Riegel aus Gonnersdorf noch bis zum Herbst 2019 warten.

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