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Öffnen Bayerns Schulen nach den Osternferien? So plant die Regierung

Videokonferenz mit Merkel und Ministerpräsidenten am Mittwoch - 14.04.2020 14:01 Uhr

Ob nach den Osterferien weiter nur digitaler Fernunterricht - wie hier eine Szene aus einer Erlanger Mittelschule - möglich ist, wird vermutlich erst in der zweiten Ferienwoche entschieden.

03.04.2020 © Harald Sippel, NN


Am Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus beraten. Für den folgenden Tag ist eine Sitzung des bayerischen Kabinetts geplant, um konkrete weiteren Schritte für den Freistaat formal zu beschließen.

Damit sollte bald Klarheit darüber herrschen, wie es in den Schulen und Kindergärten nach dem 19. April weitergeht. Bis zu diesem Datum sieht die aktuell gültige Allgemeinverfügung des Gesundheitsministeriums die Einstellung des Unterrichtsbetriebs vor.

Die nationale Wissenschafts-Akademie Leopoldina hatte am Montag für einen "realistischen" Zeitplan zurück zur Normalität plädiert. Die Wissenschaftler empfahlen, Schulen "sobald wie möglich" wieder zu öffnen - angefangen bei Grundschulen sowie Unter- und Mittelstufen. Hierbei sollten die Kinder einen Schutz über Mund und Nase tragen und in kleinen Gruppen unterrichtet werden, bei einer Beschränkung auf Grundfächer wie Deutsch und Mathematik.

Für die weiterführenden Schulen empfiehlt die Leopoldina, mit den Stufen zu beginnen, die vor einem Wechsel in die Oberstufe oder das Berufsleben stehen. Die Oberstufe im Gymnasium solle dabei eher "auf das selbstorganisierte Lernen auf Basis digitaler Medien" setzen. Die Studie der Wissenschafts-Akademie hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel als "sehr wichtig" für das weitere Vorgehen bezeichnet.

Zur Vorsicht warnte derweil CSU-Chef Markus Söder auf Twitter: "Unsere Maßnahmen wirken, aber wir dürfen keinen Rückschlag riskieren." Erleichterungen könne es nur mit zusätzlichem Schutz geben.



Schulen wieder öffnen: Das sagen Lehrer

"Wir brauchen jetzt vor allem Ruhe und Gelassenheit", betont Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. "Wir müssen einfach jetzt auf Sicht fahren." Kultusminister Michael Piazolo (FW) verspricht, dass die Schulfamilie rechtzeitig auf der Internetseite des Kultusministeriums (www.km.bayern.de) darüber informiert wird, wie es nach dem 19. April 2020 weitergeht. "Alles auf einmal wieder hochzufahren, ist sehr anspruchsvoll", so Piazolo gegenüber dem Münchner Merkur.

Den Unterricht erst einmal nur teilweise wieder aufzunehmen, schlug auch Walter Baier, Landesvorsitzender der Vereinigung der Direktoren der Bayerischen Gymnasien, vor. In einem Brief an seine Kollegen, der unserer Redaktion vorliegt, schrieb er: "Wenn sich die Situation bis Ende April insgesamt nicht entspannt, sollte man in Erwägung ziehen, unter verschärften Hygienebedingungen ausschließlich die Schülerinnen und Schüler der Q12 in der Schule zu unterrichten", also die Abiturienten. Deren Prüfungen sind bekanntlich bereits nach hinten verschoben worden.

Probezeit für Wackelkandidaten

Folgen haben die Entwicklungen auch Folgen für all jene Grundschüler in Bayern, die nächstes Schuljahr auf eine weiterführende Schule wechseln. Statt des üblichen Probeunterrichts am Gymnasium für Wackelkandidaten müsse man im Fall der Fälle "für diesen Jahrgang ausnahmsweise über eine Probezeit nachdenken", rät Landesvorsitzender Baier. Derzeit ist der angedachte Zeitraum für den Probeunterricht der 26. bis 28. Mai, also eine Woche später als ursprünglich geplant.


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Grundlage für das Übertrittszeugnis, dessen Schnitt für die Schulwahl relevant ist, sind laut Kultusministerium die bis 13. März 2020 erzielten Noten, also die Leistungsnachweise, die bis zum letzten Schultag vor der bayernweiten Einstellung des Unterrichtsbetriebs erbracht wurden.

Freiwillige Proben für Viertklässler

Sollte der Unterricht nach den Osterferien wieder stattfinden, können Viertklässler bis 11. Mai noch freiwillig an bis zu drei Proben teilnehmen, je eine in Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht. Ob die jeweilige Note für das Übertrittszeugnis angerechnet wird oder nicht, entscheiden die Eltern. "Auf diese Weise ist eine Verbesserung des bisherigen Notenbildes, aber keine Verschlechterung möglich", erläutert Ministeriumssprecher Zoran Gojic.

Unsicherheit herrscht nicht nur an den Schulen, sondern nach wie vor auch bei den Lehramtsreferendaren. Nach aktuellem Stand werden deren Prüfungen nach den Osterferien neu terminiert. "Die Betroffenen werden rechtzeitig informiert", so Gojic.


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