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Ohne Moos nix los: Bayern steckt 200 Millionen Euro in ein Moor

Projekt soll viel CO2 einsparen - Söder: "Wichtiger Beitrag für den Klimaschutz" - 04.05.2021 18:12 Uhr

Für Ministerpräsident Markus Söder ist es ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz, viel Geld in die Wiedervernässung von trockengelegten Mooren zu stecken. Hier ist er beim Ortstermin im Donaumoos zu sehen, Bayerns größtem zusammenhängenden Niedermoor.

04.05.2021 © Peter Kneffel, dpa


Fünf Millionen Tonnen CO2 entweichen Jahr für Jahr aus den entwässerten bayerischen Mooren. Eine gewaltige Zahl, und kein Wunder angesichts der gigantischen Mengen, die sich in den 220.000 Hektar großen bayerischen Moorflächen angesammelt haben - und nun vielerorts entweichen können, wenn die Flächen entwässert wurden, zum Beispiel um sie landwirtschaftlich nutzen zu können.

"Moore sind CO2-Tresore. Werden Moore entwässert, werden Treibhausgase freigesetzt. Diesen Prozess müssen wir bremsen und möglichst stoppen", sagt Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler). Sein Ministerium arbeitet gerade das Klimapaket II für den Freistaat aus. Eines der anvisierten Ziele: Die Renaturierung von 10.000 Hektar staatlichen Mooren.

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"Der Klimawandel ist nach Corona die nächste pandemische Herausforderung. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Verbesserung der natürlicher CO2-Speicherung. Moore sind die besten natürlichen CO2- und Wasserspeicher. Mit ihrer Stärkung können wir in Bayern einen wuchtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten", sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nun bei einem Ortstermin im Donaumoos südlich von Neuburg an der Donau.

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Das Donaumoos als größtes zusammenhängendes Niedermoorgebiet in Bayern mit bis zu vier Meter dicken Torfschichten ist allein für 400.000 Tonnen Treibhausgas-Emissionen im Jahr verantwortlich. Hier startet deshalb ein gewaltiges Projekt. Im Verlauf von zehn Jahren will Bayern hier insgesamt 200 Millionen Euro investieren, um den Wasserstand wieder anzuheben, das Moor zu renaturieren und eben diese 400.000 Tonnen CO2 im Jahr einzusparen.


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„Wir sind begeistert von diesen spektakulären Plänen, denn die Wiedervernässung einer so großen ehemaligen Moorfläche ist ein erster wichtiger Schritt im Kampf gegen die drohenden Auswirkungen des Klimawandels und des Artensterbens“, schwärmte sogar Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Durch das größte bayerische Wiedervernässungsprojekt könne man nicht nur dauerhaft eine für die gesamtbayerische Klimaschutzbilanz bedeutende Kohlenstoffquelle schließen, man schaffe auch noch ein Modellprojekt mit Strahlkraft weit über die Grenzen des Freistaats hinaus.

Moore wichtig für Artenvielfalt und als Wasserspeicher

Dem LBV ist es allerdings wichtig, dass das Projekt mit zusätzlichen Geldern durchgeführt wird, nicht nur durch die Umschichtung aus schon bestehenden Töpfen für Natur- und Klima-Projekte. "Moore sind wahre Alleskönner. Sie sind Schatzkammern der Artenvielfalt und sie helfen uns, Wasser in der Landschaft zu speichern", betonte Umweltminister Glauber.

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"Mit dem heute vorgestellten neuen Konzept zur Zukunft des Donaumooses 2030 soll die Region dabei unterstützt werden, neue Wege zu gehen, um die Klimaschutzpotentiale auszuschöpfen, die mit einer moorschonenden Bewirtschaftung einhergehen", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Entscheidend für den Erfolg des Projektes wird deshalb sein, wie gut es gelingt, die Landwirte vor Ort einzubinden.


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Mit dabei war denn auch Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, der ein paar mahnende Worte im Gepäck hatte. "Das Donaumoos ist nicht nur das größte Niedermoor in Süddeutschland, sondern auch Grundlage der Landwirtschaft in der Region. Bevor es in die Umsetzung geht, braucht es die für praxistaugliche Konzepte nötige wissenschaftliche Begleitung und vor allem einen Dialogprozess mit den Menschen vor Ort, insbesondere mit den betroffenen Eigentümern und Bewirtschaftern", forderte er.

Bauern wehren sich gegen pauschale Verbote

Es brauche nachhaltige Zukunftsperspektiven für die Bauernfamilien. Das Prinzip der Freiwilligkeit solle gelten, es dürfe keine pauschalen Verbote für die ackerbauliche Nutzung geben und das Land müsse in Bauernhand bleiben. "Nur gemeinsam kommen wir voran und nur so ist der Spagat zu schaffen", betonte er. Ob alle Beteiligten flexibel genug sind für diesen Spagat oder ob es das ambitionierte Projekt am Ende zerreißt, werden nun die nächsten zehn Jahre zeigen.

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