Pakete verschwunden? Post ändert Zustellungsverfahren - Verbraucherschützer warnen

10.6.2021, 18:04 Uhr
 Ein DHL-Paketzusteller geht mit einer Sackkarre voll Pakete zu einem Haus

 Ein DHL-Paketzusteller geht mit einer Sackkarre voll Pakete zu einem Haus © Jan Woitas, dpa

"Für alle ohne Ablagevertrag wird sich nichts ändern", erklärt Postsprecherin Sonja Radojicic auf Nachfrage und ergänzt: "Hintergrund ist, dass wir den Zustellprozess so bequem wie möglich machen möchten." Die Kunden würden schnell und einfach in der Post & DHL App, per E-Mail beziehungsweise per Benachrichtigungskarte im Hausbriefkasten über die erfolgreiche Zustellung informiert. Die Umstellung beginnt laut Post Mitte Juli, werde jedoch aus technischen Gründen bis Mitte August dauern. Betroffene werden aktuell angeschrieben. Einen Ablageort zum Zustellen seiner Sendung habe bisher ungefähr jeder Zehnte, der in Deutschland wohnt, angegeben.

Wer davon weiterhin möchte, dass der Postbote die Pakete nicht einfach ablegt, kann widersprechen. Alle, die per Post angeschrieben werden, hätten laut Angaben des Konzerns dafür vier Wochen Zeit. Registrierte Kunden könnten ihre Einstellungen (Klingeln – ja oder nein) jederzeit im Kundenkonto vornehmen.

Immer wieder verschwinden Pakete

Die Verbraucherzentrale Bayern rät, zu widersprechen. Laut Simone Bueb, Referentin für Verbraucherrecht, sollte der Widerspruch bis Mitte Juni geschehen.

Schon seit einigen Jahren hätten Verbraucher die Möglichkeit, einen Ablageort festzulegen, doch dabei laufe nicht immer alles rund: Nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern kommt es immer wieder vor, dass Pakete verschwinden. Bueb rät, nur dann einen Ablageort zu wählen, wenn dieser auch sicher ist. Denn das Risiko sei hoch: "Wenn das Paket verschwindet, ist zu beachten, dass mit der Ablage am vereinbarten Ort die Haftung für das Paket auf die Kunden übergeht", erklärt die Verbraucherschützerin.

Wegen verlorener Pakete oder falsch eingeworfener Briefe wenden sich auch deutlich mehr Bürger an die Bundesnetzagentur. Bis Mitte Mai sind 1512 Anträge auf Schlichtungsverfahren zwischen Verbrauchern und Dienstleistern eingegangen, teilte die Bonner Behörde auf Anfrage mit. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es nur 680 Anträge und im ganzen Jahr 2020 nur 1861. Die häufigsten Gründe für eine Beschwerde waren im vergangenen Jahr mangelhafte Zustellung und der Verlust von Paketen.

Ob der Unmut der Verbraucher über die Post zugenommen hat, dies lasse sich jedoch anhand der Zahlen nicht feststellen: Hauptgrund für die zunehmenden Beschwerden ist laut Bundesnetzagentur, dass seit Mitte März alle Post- und Paketdienstleister an dem Schlichtungsverfahren teilnehmen müssen. Vorher war dies freiwillig, die meisten Firmen lehnten die Teilnahme
ab. Daher sei die Motivation von Verbrauchern gering gewesen, es bei der Behörde überhaupt zu versuchen.

Post will unnötige Kontakte vermeiden

Laut Post würde die Anzahl der Beschwerden aber nicht steigen. Der Konzern wirbt für die Änderungen: "Durch die Umstellung des Prozesses werden in Hinblick auf die Corona-Pandemie unnötige Kontakte zum Schutz unserer Kunden und Zusteller vermieden." Ein weiterer Grund für das neue Verfahren ist laut Post jedoch auch die Möglichkeit einer zügigen Zustellung. Die ist notwendig, weil der Konzern stark wächst: 2020 wurden über 1,6 Milliarden Paketen (2019: 1,4 Milliarden Pakete) befördert. "Der langfristige Trend steigender Paketmengen hat sich mit einem Mengenwachstum von 15,3 Prozent 2020 signifikant beschleunigt und wird sich ausgehend von dieser höheren Basis in Zukunft normalisieren", erklärt die Post.

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