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Paradies in der Natur: Schloss Dennenlohe bei Ansbach

Besitzer Robert Freiherr von Süsskind liebt die Gartenarbeit - 12.06.2019 05:48 Uhr

"Das Wichtigste beim Garteln ist nicht gegen die Natur zu arbeiten, sondern mit der Natur", sagt Robert Freiherr von Süsskind. © Eduard Weigert


Eiligen Schrittes kommt Robert Freiherr von Süsskind, der "grüne Baron" genannt, in den prachtvoll bemalten Speisesaal geeilt. Gut gebräunt und gut gelaunt schaut er aus dem grünen Pullover und sprudelt los über das Barockschloss, das 1734 erbaut wurde. Und über den Garten, mittlerweile ein riesiges Areal von 26 Hektar, den er selbst wesentlich ausgebaut und gestaltet hat. Dass die Anlage seit 2007 aufgrund seiner Pflanzenvielfalt als Botanischer Garten anerkannt ist, ist dem 63-jährigen Adeligen zu verdanken.

Leidenschaft, Chaos und Idylle

Und der verliert keine Zeit, weder bei der Führung durch die – beim Pressebesuch noch nicht ganz so blühenden – Landschaften, noch beim Sprechen darüber. Wenn Gartenarbeit angeblich ruhig macht, möchte man sich nicht vorstellen, auf welcher Betriebstemperatur der Baron ohne seinen Park laufen würde.

"Leidenschaft, Chaos und Idylle" geben er und seine Frau Sabine Freifrau von Süsskind, die sich um Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit kümmert, im Flyer zur Anlage als Motto an.

Möglichst naturbelassen soll der Garten sein. Ein Garten, der nur als dekoratives Grün für steinerne Bauwerke fungiert, das wäre dem Freiherrn ein Grauen. "Das Wichtigste beim Garteln ist nicht gegen die Natur zu arbeiten, sondern mit der Natur", betont er. Der lässige englische Stil im Privatgarten des Schlosses, der nur an seltenen Tagen für Besucher geöffnet ist, gefällt ihm besser.

Lustgarten hinter dem Schloss

300 Jahre alt sind die Linden, die im einstigen Lustgarten hinter dem Schloss stehen, 150 Jahre alt die Blutbuchen. Ein sechseinhalb Hektar großer Weiher schließt daran an. "Im Sommer sieht man das Wasser gar nicht mehr", sagt von Süsskind und deutet über den See. Denn dann blühen hier 3000 Seerosen, in Weiß und Rosa. Nur eine der vielen Attraktionen, die die Besucher in Scharen anlocken.

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Im schnellen Lauf führt der 63-Jährige über das Areal, das er in der achten Generation seiner Familie bewohnt. Zusammen mit seiner Frau hat er zwei Kinder, Emilie und Leopold, beide 21 Jahre alt, Zwillinge.

"Auf der 15 liegt ein toter Wasservogel", ruft er einem Angestellten zu und klaubt im Vorbeigehen immer wieder Äste und Zweige auf. Vom Hundegarten mit steinernen Vierbeinern (ihre Airedale Terrier sind die Augäpfel von Baron und Baronin) geht es über den griechisch anmutenden Vasenweg zum versunkenen persischen Garten, den der Baron selbst geschaffen hat. Vier Wasserkanäle laufen auf ein Zentrum zu, aus dem sich ein Turm zu Babylon erhebt.

Selbst ist der Baron

Der Lieblingsplatz des Barons liegt hier, auf einem Stuhl aus verschnörkeltem Eisen unter einer Schwarzkiefer. "Hier bin ich weit genug weg, um das Unkraut nicht zu sehen." Wobei es Unkraut aus seiner Sicht gar nicht gibt. "Es gibt nur Beikräuter oder Wildkräuter", sagt er. Eigentlich, räumt er ein, wechselt sein Lieblingsplatz immer wieder. "Er ist da, wo das funktioniert, was ich angepflanzt habe."

Und das tut der Hausherr tatsächlich höchstpersönlich. Zusammen mit drei Angestellten arbeitet er in der Anlage, im Sommer gerne auch bis zum Anbruch der Dunkelheit. Selbst ist der Baron. "Machen lassen, kann ja jeder, wenn das Diridari stimmt", findet er. Fit hält die Arbeit außerdem: "Ich brauch keine Muckibude", sagt Süsskind. Seine Schulzeit hat er in einem Internat in Oberbayern verbracht, daher die bayerische Klangfärbung seiner Sprache. Später studierte er in St. Gallen Betriebswirtschaft und übernahm nach dem Tod seines Vaters 1980 Schloss und Garten. Mit 54 Jahren legte er offiziell die Prüfung zum Garten- und Landschaftsbauer ab.

Er ist hier aufgewachsen, schon seine Großmutter wachte mit strengem Auge über ihre Rosenbeete. Der grüne Daumen wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Oder wie er es beschreibt: "Aus Hobby wurde Beruf. Und aus Berufung Heimsuchung."

Größter Rhododendronpark Süddeutschlands

Um den heutigen Rhododendronpark anzulegen, den größten Süddeutschlands und das Herzstück der Anlage, schob er eigenhändig schubkarrenweise den Torf über den gefrorenen Schlossweiher. Passion grenzt bei dem adeligen Paar an Obsession: Als Verlobungsgeschenk legte der Freiherr seiner Liebsten einst die Herzinsel an, mit Samthortensien, Mähnenzypressen und einem Urwelt-Mammutbaum am Ufer. So weit, so romantisch – allerdings zog sich die Baronin, die freilich auch selbst Hand anlegte, beim Pflanzenschleppen einen wenig romantischen Leistenbruch zu.

Ihrer Liebe zum Gärtnern hat das keinen Abbruch getan. Zusammen vergibt das Paar seitdem den Deutschen und Europäischen Gartenbuchpreis. Über 9000 Bücher haben sich mittlerweile im Archiv, das auf dem ehemaligen Gutshof liegt und früher eine Gefängniszelle war, angesammelt. Weiß ein Gartenexperte wie der Baron nicht schon alles? "Ach Schmarrn", ruft er aus. "Man weiß immer zu wenig!"

Am liebsten auf dem Rasenmäher

Die Freiheit liebt er an seiner Arbeit vor allem. Auch dann, wenn besonders viel zu tun ist, wie im Frühjahr oder im Herbst. Er versucht beim Gärtnern abzuwechseln, nicht vier Stunden am Stück mit der Motorsäge zu hantieren. Sie ist sein zweitliebstes Arbeitsgerät, neben dem Aufsitzer-Rasenmäher.

Abends bei einem Glas Wein dann über den Garten zu schauen, über das, was an diesem Tag wieder geschafft wurde, gibt ihm eine gutes Gefühl. Die Baronin lässt den Tag am liebsten im "Fanny’s Place" im Park ausklingen. Wenn schon der Abendschatten auf dem Schlosspark liegt, kann man hier im Sommer noch sitzen und die letzten Sonnenstrahlen genießen.

1711 kaufte Paul Martin Eichler, Freiherr von Auritz, das Rittergut Dennenlohe mit seinem verfallenen Wasserschloss. Er ließ den Schlosskomplex, wie man ihn heute sieht, 1734 von Leopold Retti bauen. Der Hofbauer erschuf auch den Privatgarten und den Gutshofkomplex.

Garten für Filmkulisse

Rund 100 Jahre und einige Besitzer später, kaufte 1823 Johann Gottlieb Freiherr von Süsskind, Bankier und Kaufmann aus Augsburg das Schlossgut. Der heutige Baron erweiterte den Park dann ab 1980 um viele Gartenattraktionen, die ihn so berühmt machten, allem voran den größten Rhododendronpark Süddeutschlands.

Prachtvoll wie der Garten ist, diente er schon oft als Filmkulisse. Ruth Maria Kubitschek und Mathieu Carrière standen hier einst für "Schloss Hohenstein" vor der Kamera.

Im Sommer 2016 wurde für den Kinofilm "Euphoria" hier gedreht, mit den Schauspielerinnen Charlotte Rampling, Alicia Vikander und Eva Green. Mehrere Wochen residierten sie beim Dreh im Schloss. Und genossen laut Baron Süsskind die Ruhe des Parks sehr.

Der Schlosspark ist bis 1. November tägl. geöffnet: Mo. bis Fr. 9–17 Uhr, Sa./So. 10–17 Uhr, Eintritt: 11 Euro.

Anette Röckl

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