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150 Gramm Marihuana in der Wohnung: Pegnitzer Kiffer vor Bayreuther Schöffengericht

Bei einem 24-jährigen Pegnitzer wurden 150 Gramm Marihuana gefunden - 15.04.2021 07:55 Uhr

Weil bei einem jungen Pegnitzer Cannabis in großen Mengen gefunden wurde, muss er sich vor Gericht verantworten. 

19.03.2013 © dpa


Der 24-Jährige ist ein freundlicher, kluger und offener Mensch. Er würde gerne in einem sozialen Beruf arbeiten ("Kinderpfleger, Erzieher – das ist immer noch mein Traumberuf"). Doch den Traum hat er zumindest vorerst begraben müssen. Denn: Er raucht Marihuana und das ist nicht mit seinem Berufswunsch kompatibel. Mit Minijobs schlägt er sich durch. "Ich bin kein Dealer", sagte er als Angeklagter zum Schöffengerichtsvorsitzenden Daniel Götz. Aber wieso kam er unter einem Verbrechensvorwurf auf die Anklagebank?

Im August 2019 kam zur Polizei ein Gerücht darüber, was hinter einem verklebten Fenster in Pegnitz vorgehen könnte. "Unerlaubter Anbau von Cannabis" hieß der Verdacht, auf den hin eine Durchsuchung der Wohnung des Beklagten erfolgte. Die Durchsuchung erbrachte 150 Gramm Marihuana. 

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Die weiteren Ermittlungen, Sichtungen von Handy-Chats und Befragungen von Zeugen ergaben diese Anklage: Der 24-Jährige soll mit einem Bekannten die 150 Gramm in Bayreuth gekauft haben und in seiner Wohnung in zwei Fällen eine Konsumeinheit des Marihuana an ein 14-jähriges Mädchen weitergegeben haben. Beides sind rechtlich Verbrechenstatbestände: Handel und Besitz von Drogen in nicht geringer Menge und Abgabe durch einen Erwachsenen an Minderjährige. Mindeststrafe ein Jahr.

Zu Prozessbeginn gab es zunächst eine Rüge von Verteidiger Martin Böhmer für die Justiz: Die Wohnungsdurchsuchung aufgrund eines Gerüchts sei aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt gewesen. Dann gab Böhmer eine sogenannte "geständige Einlassung" für seinen Mandanten ab, mit Einschränkungen: Die 150 Gramm in der Wohnung gehörten demnach einem guten Bekannten des Angeklagten, der sein Marihuana in Bayreuth besorgte und im Fall der 150 Gramm per Zug zurückkehrte.


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Weil der Bekannte nicht mit dem Marihuana durch Pegnitz laufen wollte und schon gleich gar nicht bei sich zu Hause um die Ecke der Polizeiinspektion, brachte er den Drogenvorrat zu seinem in Bahnhofsnähe wohnenden Bekannten. Der sagte als Angeklagter: "Ich durfte mitrauchen." Auch die zweimalige Abgabe an das 14-jährige Mädchen gestand der Angeklagte: "Ich habe eingesehen, dass das nicht richtig war und es tut mir leid." Sein Verteidiger betonte, dass die Abgaben an die 14-Jährige nicht der vom Gesetz vorgesehene "Klassiker" seien, also kein "aktives Dealen" oder Anfixen von Kindern auf dem Schulhof. Im vorliegenden Fall sei die 14-Jährige von selbst gekommen, weil sie in der Szene gehört habe, dass es beim Angeklagten Drogen gebe.

Dass das Mädchen nicht vom Angeklagten zum Marihuana verführt worden war, sondern schon süchtig gewesen war, ergab sich indirekt. Der Verbrechensvorwurf der Abgabe an Minderjährige wurde abgemildert: Staatsanwalt und Verteidiger werteten es als minder schwere Fälle. Das Gericht verhängte zehn Monate. Als Bewährungsauflage muss der 24-Jährige seine begonnene Drogenberatung fortsetzen und 100 gemeinnützige Stunden abarbeiten.

 

MANFRED SCHERER

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