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Montag, 21.10.2019

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17,5 Millionen-Projekt: Bahnausbau im Nürnberger Land

Umweltschutz- und Rodungsarbeiten laufen - Mitte April beginnt Bauphase zwei - 25.02.2019 07:55 Uhr

Die DB-Brücke Güntersthal geht südlich unmittelbar in Sonnenburg-Tunnel über. © Siegfried Fuchs


Konkret geht es um die Überführungen bei Bahn-km 40,910 in Unterartelshofen, bei km 42,991 in Enzendorf links der Pegnitz, bei km 43,489 nahe Harnbachmühle (Ausfahrt Dolomitwerk) sowie bei km 46,665 in Güntersthal. Die Baukosten belaufen sich für die vier Brücken auf insgesamt zirka 17,5 Millionen Euro.

Kurzer Rückblick: Nach einem von der DB Netz AG Regionalbereich Süd in Auftrag gegebenen Gutachten hatte Professor Martin Mensinger, Inhaber des Lehrstuhls für Metallbau an der TU München, festgestellt, dass aufgrund von Tragsicherheitsdefiziten die Erneuerung der genannten Bauwerke bis 2020 zwingend erforderlich sei ("Ende der Lebensdauer").

Diese Zustands-Beurteilung war bereits am 28. November 2014 in Nürnberg bei einer Infoveranstaltung vorgestellt worden. In der Folge wurden die, auch in den Kommunen öffentlich ausgelegten, Planfeststellungsverfahren eingeleitet – einzeln für jede Brücke. Zur Vollständigkeit sei noch die Bahnbrücke bei km 60,119 nahe Michelfeld erwähnt, die ebenfalls in dem Gutachten als zu erneuernd angeführt wird und für die das Planfeststellungsverfahren eingeleitet ist; ihr Neubau erfolgt voraussichtlich 2021/22.

Bereits Rodungen

"Das Baurecht liegt zwischenzeitlich für alle vier Objekte vor und es läuft bereits Bauphase 1 mit den vorbereitenden Umweltschutz- und Rodungsarbeiten", berichtete Projektleiter Stefan Kaim von der DB Netz AG vor weit über 100 Besuchern aus den betroffenen Pegnitztalgemeinden. Unter ihnen waren deren Bürgermeister und weitere Kommunalpolitiker.

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Man habe also einen Sack voller Arbeit, wenn ab Mitte April die Bauphase 2 beginne: mit Kabelumverlegungen (unter anderem der DB-Kabel im Gleisbereich), Beweissicherungen (Erschütterungsüberwachung bei angrenzenden Bauten), Kampfmitteluntersuchung (bekannt seien Sprengungen der Brücke bei Güntersthal in den letzten Kriegstagen 1945) sowie die Herstellung von Baustraßen und Zufahrtsrampen.

In der Bauphase 3 ab August beginne dann die eigentliche Konstruktion der (Hilfs-)Bauwerke — unter dem Stichwort "Bauen unter dem rollenden Rad". Totalsperrungen der betroffenen Bahnstrecke seien heuer wegen Kabelarbeiten im Gleisbereich und Kampfmittelsondierung vom 17. bis 22. April (6 Tage) und beim Einbau der Hilfsbrücken vom 24. August bis 9. September (16 Tage) vorgesehen sowie 2020 beim Ausbau der Hilfsbrücken und der Inbetriebnahme vom 23. August bis 7. September (16 Tage). Für diese Zeiten sei ein Schienenersatzverkehr geplant. Die jeweiligen Widerlader (mit Natursteinverblendung) würden unterhalb der Hilfsbrücken bei Aufrechterhaltung des zweigleisigen Betriebs ("LA 90 km/h") erneuert.

Keine lauten Nachtarbeiten

In Bauphase 4 werden die Hilfsbrücken ausgebaut und die Überbauten eingeschoben. Die Inbetriebnahme der Strecke ist für 7. September 2020 terminiert. In Bauphase 5 folgen Restarbeiten, die bis April 2021 abgeschlossen sein sollen. Um die Beeinträchtigungen durch die vier gleichzeitig laufenden Baustellen zu minimieren, so Projektleiter Kaim, werde sonntags nicht gearbeitet, gebe es keine lärmintensiven Nachtarbeiten, kämen mobile Lärmschutzwände zum Einsatz ebenso wie lärmarme Baumaschinen, gebe es baubegleitende Schallmessungen durch einen unabhängigen Gutachter und eine möglichst gleisgebundene Logistik. Zudem werde die Bahn einen zentralen Ansprechpartner für Betroffene stellen.

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Die vierte zu erneuernde Brücke in Enzendorf hat eine "Sonderstellung" und wird von der Firma Markgraf aus Bayreuth in einer kürzeren Bauzeit von April bis September 2019 erstellt.

Abschließend wies Diplomingenieur Kaim darauf hin, dass man bereits künftige verkehrliche Anforderungen, etwa das Lärmsanierungsprogramm des Bundes, berücksichtige. Zudem betonte er, dass die Elektrifizierung der Strecke als separates Projekt im Rahmen des Bahnausbaus Nordostbayern geplant werde. Entsprechende Maßnahmen seien aber Gegenstand eines eigenständigen Planfeststellungsverfahrens.

Bauleiter Sebastian Arbeiter dessen Firma Implenia Construction GmbH mit ihrer Nürnberger Niederlassung den Auftrag für die Erneuerung der restlichen drei Eisenbahnüberführungen (km 40,910, 43,489 und 46,655) erhalten hat, erläuterte ebenfalls die einzelnen Bauphasen, beginnend mit dem Einbau temporärer Behelfsbrücken in Enzendorf und Güntersthal.

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Der Teamleiter Infrastrukturplanung und "Bauherr der Brücken" – wie er sich vorstellte – Matthias Trykowski von DB Netze leitete souverän, kompetent und fachlich unterstützt von Kaim und Arbeiter eine rund 60-minütige Frage- und Diskussionsrunde. Darin ging es nochmal im Detail um die geplanten Bahn- und Straßensperrungen (siehe gelber Kasten), um unvermeidliche Umleitungen und den Schienen-Ersatzverkehr.

Bus-Shuttle für Schüler

Wegen der monatelangen Totalsperre der Ortsdurchfahrt von Enzendorf wird die Einbahnstraßenregelung Richtung Artelshofen aufgehoben, die Einmündung in die Staatsstraße erweitert und dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h eingeführt. Zudem wird ein provisorischer Fußweg an der Pegnitz für die Bewohner rechts der Pegnitz angelegt und, falls erforderlich, für die Schulkinder ein Bus-Shuttle zur Verfügung gestellt.

Mehrere Wortmeldungen kritisierten laut, dass in Unterartelshofen die derzeitige Durchfahrthöhe von 3,10 Meter nicht durch Absenkung der Straße verbessert würde. Kaim wies zum einen auf die technischen Schwierigkeiten bei einer Absenkung des dort querenden Rumpelbachs (und anderer Leitungen) hin, zum anderen auf die Beschlüsse des Vorraer Gemeinderates.

Letztlich sollen alle vorhersehbaren Beeinträchtigungen rechtzeitig durch Wurfsendungen und Veröffentlichungen in der örtlichen Presse bekannt gegeben werden. Auf Nachfrage wiesen die Verantwortlichen zudem darauf hin, dass es für Kanufahrer aufgrund der Behelfszufahrten über die Pegnitz zu Beeinträchtigungen kommen werde. In Abstimmung mit dem Landratsamt Nürnberger Land würden dort aber provisorische Umtragestellen errichtet, sodass der Kanubetrieb während der Bauzeit weiterlaufen könne.

Keine Durchfahrt möglich

Im Zuge der Erneuerung der Bahnbrücken wird in diesem Sommer in Artelshofen vom 24. August bis 9. September die Straße voll gesperrt. In Güntersthal ist die Staatsstraße vom 23. August bis 7. September 2020 unpassierbar. Bereits von diesem September an bis zum August 2020 wird der Verkehr dort einspurig mit einer Ampelanlage geregelt. Zudem würden vorher angekündigte vereinzelte Sperrungen für die Trägermontagen im Frühjahr 2020 notwendig, teilt die Bahn mit.

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2. Die Facebook-Gruppe für Bahnfahrer von und in Richtung Würzburg plus alle Nebenstrecken findet sich unter diesem Link.

3. Wer die Strecke Richtung Ansbach Schwabach, Roth und Treuchtlingen nutzt, ist hier genau richtig. Unter diesem Link können Sie der Gruppe beitreten. 

4. Alle, die in Richtung Neumarkt, Regensburg, Allersberg oder München unterwegs sind, sollten sich in dieser Facebook-Gruppe beteiligen.

5. Zu guter Letzt gibt es noch eine Seite für die Reisenden in Richtung Pegnitz und Bayreuth und die Nutzer der Gräfenbergbahn. Hier können Sie der Gruppe beitreten. Die fünf Facebook-Gruppen werden von unserer Redaktion betreut und moderiert. 

SIEGFRIED FUCHS

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