Jahrgang 1980/81

40 Jahre nach Abschluss: Schreinermeister treffen sich noch heute

18.10.2021, 15:00 Uhr
Der Adlitzer Hans Hümmer (rechts sitzend) organisierte das Schreinermeistertreffen des Jahrgangs 1980/81. Der Hobel und das Logo sind jedes Jahr dabei.

Der Adlitzer Hans Hümmer (rechts sitzend) organisierte das Schreinermeistertreffen des Jahrgangs 1980/81. Der Hobel und das Logo sind jedes Jahr dabei. © Foto: Rosi Thiem

"Kaum hatte ich das diesjährige Zwei-Tages-Programm mit Besuch der Burg Rabenstein und Falknerei in die Gruppe gestellt, waren schon die ersten Zimmer gebucht", freut sich Schreinermeister Hümmer. Das Besondere ist: Die Meisterabgänger treffen sich alljährlich und das seit 40 Jahren. "Ich kenne das in keinem anderen Handwerk und Jahrgang, das man das so beibehalten hat, sich wirklich so intensiv über Jahrzehnte in jedem Jahr treu zu treffen", berichtet Hümmer.

Bis zu seiner Rente war er Werkstattleiter bei Möbel Hertel in Gesees. Eine Ausnahme gab es nur 2020 wegen Corona. "Heuer hatten wir schon wieder Entzug", feixten die Schreinermeister. "Damals beim Meisterkurs waren wir 28, aber nur drei aus der Stadt und dem Landkreis Bayreuth, die anderen kamen von weiter weg, wie aus Kronach, Hof, der Oberpfalz, Adelsdorf, Bamberg und Unterfranken", berichtet Hümmer. "Wir waren schon immer ein homogener Haufen, feierten schon zu Schulzeiten und nach der Meisterprüfung heirateten viele und wir trafen uns zu den Polterabenden. Da kamen dann auch unsere Frauen hinzu, die sich alle verstanden und natürlich immer dabei sind."

Mit Bienenstöcken ins Internat

Beim damaligen Vollzeitkurs mit zwei Semestern haben alle Teilnehmer bestanden. "Viele Unternehmersöhne absolvierten den Kurs, fünf von uns hatten keinen eigenen Betrieb", erinnert sich Hümmer. "Übernachtet hatten alle direkt bei der Handwerkskammer oder im Posthotel am Bahnhofsplatz. Einer brachte von zu Hause sogar seine Bienenstöcke mit ins Internat. Zum Feiern ging es damals regelmäßig mit den Lehrern in die Gaststätte Maisel, gleich hinter der Handwerkskammer", erzählen die so nach und nach eintreffenden Schreinermeister.

Das Schreinerlied von einst in Begleitung von Gitarre und Flügelhorn wird gesungen. "Das Lied mussten wir damals beim Obermeister Andreas Oetter vor jedem Unterricht singen. Das singen wir jetzt heute noch: Ich bin ein Schreiner, hoble glatt. . .", stimmt Hümmer als Vorankündigung für den späteren Abend kurz an. Ein Kollege ist heuer verstorben, dem gedacht wird. Die Jahre vergingen, die Meistergruppe mitsamt den Frauen schweißte sich zusammen. Im Abendverlauf gibt es dann noch einen getrennten Männer- und Frauenstammtisch. Dazu erklärt Ehefrau Annemarie Hümmer: "Es passt einfach, wir kennen uns jetzt schon 40 Jahre und freuen uns auf die jährliche Zusammenkunft."

Natürlich hat sich bei den Schreinern in den vier Jahrzehnten auch viel geändert. "Damals gab es keinen Computer. Es erfolgte per Hand ein 1:1 Aufriss auf Spanplatten mit Lineal, Meterstab und Schmiege. Heute gibt es das CAD-Programm", erklärt Hümmer. "Die Schreiner sind nicht beim Hobel stehengeblieben." Fenster, die früher selbst vom Schreiner gefertigt wurden, werden heute fertig bestellt und montiert.

"Früher gab es massive Holzwand- und Deckenverkleidungen", verdeutlicht Hümmer einen weiteren Unterschied. "Heute arbeitet der Schreiner mit vielseitigeren Materialien, wie Mineralsteinen und Kunststoffen." Er vermisse etwas die Vielfalt der Hölzer bei Möbeln: "Früher gab es Kirschbaum, Fichte neben Eiche und Erle. Heute wird der Trend oft vorgegeben. Wenn Eiche Trend ist, wird nur diese gefertigt."

Der Ex-Bayreuther Bernd Michel, der im niederbayerischen Bad Abbach wohnt, hat 37 Jahre bei Leitz Werkzeuge gearbeitet und bilanziert: "Die Schneidengeometrie hat sich geändert. Neue und geänderte Werkstoffe erforderten neue Werkzeuge." Die von damals – Tischkreissäge, Dicktenhobel- und Fräsmaschinen, die jeder Schreiner als Grundausstattung hatte – reichten heute nicht mehr aus. "Einst hat jeder Schreiner selbst furniert. Heute gibt es Fertigprodukte mit sämtlichen Oberflächenstrukturen, die der Markt wünscht", nennt er ein Beispiel.

Bau- und Möbelschreiner Erwin Mönius aus Adelsdorf ist noch den Weg des Bestatters gegangen: "Särge lieferten wir sowieso schon. Mein Vater stellte sie noch selbst her. Als Bedarf in der Gemeinde war und der Bürgermeister fragte, entschlossen wir uns, 1995 Bestattungen zu übernehmen." Das Bestattungsunternehmen läuft weiter, mit den Schreinerarbeiten, vor allem dem Treppenbau, hat Mönius aufgehört, da er im Rentenalter ist.

Hartmut Zeitler aus Oberkotzau, der ehemalige Innungsmeister Hof–Wunsiedel, berichtet: "Heute gute Leute zu finden, ist schwierig. Als ich 1973 mit der Lehre anfing, wurde auch von den Eltern mehr auf das Handwerk geschaut." Zeitler wird, 64-jährig, 2022 mangels Nachfolger, seinen Treppen- und Ladenbau herunterfahren. Konkurrenz zwischen den Jahrgangsfreunden habe es nie gegeben: "Wir haben uns stets gegenseitig zugearbeitet und bei Terminengpässen geholfen."

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