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7,3 Hektar Wald weichen Lkw-Parkplatz bei Weiglathal

Prognose sagt Stellplatz-Not an der Autobahn 9 voraus - Rund 50 Prozent mehr Lastwagenverkehr - 08.09.2019 13:57 Uhr

An der Autobahn nahe Weiglathal soll die neue Park- und WC-Anlage beiderseits der A 9 entstehen. Genau 152 neue Stellplätze für Lastwagen sind geplant. Hinzu kommen 79 Parkplätze für Autos und zwölf für Busse. Das Projekt kostet rund 17 Millionen Euro. Die Aufnahme entstand in Fahrtrichtung Trockau. © Foto: Peter Engelbrecht


Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für das Vorhaben. Die Autobahndirektion Nordbayern, Dienststelle Bayreuth, rechnet nach einem erfolgreichen Abschluss mit dem Baubeginn 2021. Das Projekt soll rund 17 Millionen Euro kosten, bilanziert Thomas Pfeifer, Dienststellenleiter in Bayreuth.

Einzelheiten zu der "PWC-Anlage Trockauer Höhe Ostseite und Westseite" sind im Erläuterungsbericht zum Verfahren nachzulesen. Demnach sind neue Stellplätze für Lastwagen im Bereich Autobahndreieck Bayreuth/Kulmbach und Autobahnkreuz Nürnberg dringend notwendig. Denn Lastwagenfahrer stellen immer wieder ihre Fahrzeuge nachts in die Einfahrten zu den Parkplätzen, weil sie dort keinen Platz finden. Das ist lebensgefährlich.

Laut einer Verkehrszählung im Jahr 2008 waren auf den 352 Lkw-Stellplätzen in diesem Bereich bis zu 597 Lastwagen abgestellt. Und: Laut Prognose sollen 12 400 Lastwagen pro Tag im Jahr 2030 in dem Bereich unterwegs sein. Im Vergleich zu 2000 mit durchschnittlich 8452 Lastwagen pro Tag auf der A 9, bedeutet das ein Plus von knapp 50 Prozent. Kein Wunder, dass dann 411 Stellplätze fehlen sollen.

Platz auch für zwölf Busse

Die neue Anlage befindet sich zwischen Spänfleck im Norden und Weiglathal im Süden, wobei Weiglathal rund einen Kilometer entfernt ist. Auch insgesamt 79 Parkplätze für Autos und zwölf für Busse sollen auf beiden Anlagen entstehen. Durch das Vorhaben gehen insgesamt 7,3 Hektar Wald verloren, es soll Ausgleichsflächen geben.

Doch warum wächst der Lastwagenverkehr so massiv?

Der Fahrgastverband: Das Transportaufkommen im Bereich Bayreuth mit der Bahn "hält sich sehr in Grenzen", betont Lukas Iffländer, stellvertretender Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Regelmäßig verkehre nur der Müllzug von Bayreuth nach Schwandorf.

Güter von Nürnberg Richtung Berlin laufen laut Iffländer in kleinerem Volumen über den Frankenwald (via Lichtenfels/Kronach). Dort sei aber aufgrund der Steigungen nur der Verkehr mit geringem Zuggewicht möglich oder mit Schiebelokomotiven, was die Kosten erhöhe. Auch die ICE-Neubaustrecke zwischen Bamberg und Erfurt könne nur leichte Güterzüge aufnehmen.

Von der Kapazität her könnten deutlich mehr Güter auf die Bahn, sie sei aber in dieser Region nicht wettbewerbsfähig. Grund dafür sei die fehlende Elektrifizierung Nürnberg-Hof und Regensburg-Hof.

Elektrifizierung fehlt

"Ohne Elektrifizierung kann die Bahn gegen den Lastwagen nicht glänzen, da die Kosten oft zu hoch sind", erläutert Iffländer. Und: Der Lastwagen produziere im Durchschnitt pro Tonnenkilometer 103 Gramm CO2, der Güterzug nur 19.

Die Deutsche Bahn: "Die Schiene ist und bleibt der umweltfreundlichste Verkehrsträger", sagt eine Bahnsprecherin in Frankfurt. In Anbetracht der aktuellen Diskussionen um CO2 und Klimaschutz sei es "in unser aller Sinne", mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu holen. Die Deutsche Bahn setze auf Wachstum im Schienengüterverkehr. Die Bahntochter DB Cargo investiere massiv in die Flotte, insbesondere in die Beschaffung von 100 Mehrsystemlokomotiven und 6000 Güterwagen.

Der Spediteur: "Die geplanten 152 neuen Stellplätze sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Mitgeschäftsführer Wolfgang Maisel von der gleichnamigen Spedition in Ottmannsreuth bei Creußen. Die Spediteure bemängeln, dass es deutschlandweit zu wenige Stellplätze gibt. Deutschland sei ein starkes Transitland, auf der A 9 seien überwiegend ausländische Lastwagen unterwegs.

"Die Bahn schafft das nicht, was die Lastwagen transportieren. Sie hat sich bereits vor Jahren aus der Fläche zurückgezogen", betont Maisel. Und zum Thema Klimaschutz sagt er: Die meisten Lastwagen auf der Autobahn erfüllten die sauberste Abgasnorm Euro 6. Es gebe auch gasbetriebene Fahrzeuge, aber keine mit Batteriebetrieb. 

PETER ENGELBRECHT

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