Montag, 21.10.2019

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Abschied von Hans Bettermann herber Verlust für Pegnitz

Bergwerksdirektor des "Kleinen Johannes" verließ die Stadt vor genau 50 Jahren - 07.12.2018 18:02 Uhr

Der kaufmännische Direktor des Pegnitzer Bergwerks, Hans Bettermann, an seinem Schreibtisch. © Paul Schikora


Bürgermeister Heinrich Lindner aus Buchau dankte dem Scheidenden im Anschluss an eine Gemeinderatssitzung in der Gastwirtschaft Maier in Rosenhof für seine Verdienste um die Gemeinde Buchau und überreichte ihm_als Abschiedsgeschenk ein Jagdbuch. Direktor Bettermann dankte für die Ehrung.

Der Buchauer Bürgermeister Heinrich Lindner (l.) verabschiedete Bergwerksdirektor Hans Bettermann. Als Geschenk gab es ein Jagdbuch. © Foto: Putschky


Der Abschied von Rosenhof und Pegnitz sei ihm recht schwer geworden, denn hier habe er seine zweite Heimat gefunden. "Ich kann es leider nicht ändern, dass das Bergwerk verloren ging und damit auch mein Arbeitsplatz", betonte er. "Ich habe zwar einen neuen Arbeitsplatz, aber meine Gedanken sind bei den Bergleuten und ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie alle gute Arbeit finden."

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Vor 50 Jahren kam das "Aus" für den "Kleinen Johannes"

Mit der Schließung der Eisenerzzeche "Kleiner Johannes" ging 1967 eine rund 100-jährige Bergbautradition in Pegnitz zu Ende. Unser Rückblick zeigt zahlreiche, bisher meist unveröffentlichte Fotos aus den privaten Sammlungen des Steigers Paul Schikora und des Schießhauers Georg Reinl.


Hans Bettermann kam erstmals 1952 und dann 1953 für einige Monate nach Pegnitz. Er hatte den Auftrag, die Voraussetzungen für den Weiterbetrieb des Bergwerkes zu prüfen. Ein Jahr später wurde er dann nach Pegnitz und bereits 1955 in den Grubenvorstand der Gewerkschaft Eisenerzzeche "Kleiner Johannes" versetzt.

Unerwarteter Aufschwung

Die großen Verdienste von Hans Bettermann lagen darin, dass es ihm gelang, die Geschäftsbeziehungen mit der VOEST in Linz zu festigen und langfristige Erzlieferungsverträge abzuschließen. Dies ermöglichte einen unerwarteten Aufschwung des Bergwerks und so konnten in der Blütezeit bis zu 500 Arbeitskräfte beschäftigt werden. Durch einen rapiden Preisverfall auf dem internationalen Erzmarkt musste aber das Pegnitzer Bergwerk am 31. Dezember 1967 trotzdem seine Pforten schließen.

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Zechenhaus fiel vor 25 Jahren Abrissbirne zum Opfer

Das Zechenhaus des ehemaligen Bergwerks „Kleiner Johannes“, eines der letzten Relikte der Pegnitzer Bergbautradition, fiel vor genau 25 Jahren der Abrissbirne zum Opfer. Bereits im Herbst 1991 hatte die Folienfirma Neuschnell das historische Gebäude geräumt, so dass die KSB als Besitzer bei der Stadt einen Abbruchantrag stellen konnte. Der stattliche Bau musste Planungen für eine neue Werkszufahrt weichen, mit der der Lieferverkehr über die neu gebaute Guyancourtbrücke direkt auf das Firmengelände gelangen konnte, ohne erst durch die Stadt fahren zu müssen. Damit das Kapitel Bergbau nicht ganz in Vergessenheit gerät, hat sich die Stadt damals verzierte Balken, die jetzt ein Denkmal in der Lohesiedlung prägen, die Wetterfahne und die Turmuhr gesichert. Ein Erhalt des Gebäudes sei wirtschaftlich nicht zuvertreten gewesen, hieß es.


Ohr immer offen

Die Salzgitter AG wollte aber auf einen wertvollen Mitarbeiter wie Hans Bettermann nicht verzichten und bestellte ihn mit Wirkung vom l. Mai l968 zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Steine und Erden GmbH Goslar, dem vielseitigsten Baustoffhersteller Deutschlands. Er blieb aber nach wie vor im Grubenvorstand des "Kleinen Johannes". Auch in seiner neuen Position in Goslar sorgte sich Direktor Bettermann um das Wohl seiner Bergleute und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Kunststoff-Firma "Neuschnell" mit der Produktion im ehemaligen Zechenhaus des Bergwerkes beginnen konnte.

Der Wegzug von Direktor Bettermann war für Pegnitz und die Gemeinde Buchau ein großer Verlust, denn er hatte immer ein offenes Ohr für die gemeindlichen Belange und die Vereine. Bettermann gehörte der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer_in Bayreuth an und war Vorsitzender des Pegnitzer Industrie- und Handelsgremiums. Außerdem war er viele Jahre Vorsitzender des Elternbeirats am Gymnasium.

Bettermann versprach, Pegnitz nicht ganz den Rücken zu kehren. So wollte er auf jeden Fall sein Jagdrevier in Buchau behalten und nach seiner Pensionierung eventuell nach Rosenhof zurückkehren.

rr/pu

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