Montag, 01.06.2020

|

Ahorntal: Langgediente Politikerin tritt ab

30 Jahre lang vertrat Monika Grüner-Schürer die Freien Wähler im Gemeinderat von Ahorntal. - 06.03.2020 17:49 Uhr

Nach 30 Jahren als Gemeinderätin tritt Monika Grüner-Schürer bei der Kommunalwahl am 15. März nicht mehr an. Jetzt lebt sie für sich. © Foto: Klaus Trenz


Ihr Vater war Bürgermeister in Poppendorf bis 1978, dann kam dieser Ort zur Großgemeinde Ahorntal hinzu. "Er hat mich in seiner Amtszeit immer mitgenommen, wenn er bei regionalen Politikern Termine hatte", sagt sie. Sie hat für ihren Vater geschwärmt, er war für sie eher eine Großvaterfigur, weil er schon älter war. "Wir Kinder haben schnell gelernt, selbstständig zu sein."

Nach dem Abitur 1973 am musischen Gymnasium in Bamberg absolvierte sie in Nürnberg ein Studium der Wirtschaftspädagogik, Schwerpunkt Wirtschaftspolitik und Steuerrecht, die Diplomarbeit setzte sich mit der Bilanzanalyse der Unternehmen auseinander.

Es folgten Berufspraktika unter anderem in einer Steuerkanzlei und bei der Stadtverwaltung Bayreuth. Sie entschied sich dann fürs Lehramt, war zuletzt Oberstudienrätin, hat Verwaltungsrecht, Personalwesen und Sozialkunde unterrichtet. "Ich war mit Leidenschaft Lehrerin, gerne mit jungen Leuten zusammen, da habe ich immer was Neues gelernt." In der Wirtschaft und Politik ändere sich so schnell etwas. 2007 ist sie in den Ruhestand gegangen.

1990 hat Monika Grüner-Schürer für die Freien Wähler das erste Mal als Gemeinderätin kandidiert, drei von der Liste sind damals in den Rat gekommen. Von der CWU war neben ihr noch Emmi Haas als Frau dabei.

Seit 2002 ist Monika Grüner-Schürer die einzige Frau im Ahorntaler Gemeinderat. 1996 und 2002 hat sie gegen Herbert Dannhäußer als Bürgermeisterin kandidiert und beide Male knapp verloren. "Der Hauptgrund für meine Kandidatur war, dass ich eine Alternative bei der Wahl wollte", sagt sie.

2002 hat sie dann eine neue Liste gegründet, die Freien Bürger Ahorntal (FBA). Zusammen mit den Freien Wählern haben sie eine Listengemeinschaft gebildet. "Wir wollten mehr Stimmen bekommen." Drei Kandidaten von jeder Liste schafften den Einzug in den Gemeinderat damals. Wie war es so lange als einzige Frau im Gremium? "Ich habe da kein Problem mit gehabt", sagt Grüner-Schürer. Schon im Studium und später im Beruf seien die Männer immer im Überschuss gewesen. "Ich liebe die Herausforderung und wollte klarstellen, dass Frauen eine andere Sichtweise haben."

So habe sie sich schon 1980 für eine Krippe eingesetzt, als ihre drei Kinder selbst noch klein waren. Jetzt ist ein Krippenbau wieder im Gespräch. "In der Politik braucht vieles lange Zeit", weiß die 67-Jährige.

Wichtig in ihrer Zeit im Gemeinderat waren ihr "eigentlich immer alle Themen, die anstanden", sagt sie. Unter anderem habe sie sich dafür eingesetzt, dass Gewerbetreibende nicht doppelt veranlagt werden. "Ich wollte etwas für die Gemeinde tun", sagt sie. In der Schule hatte sie die Theorie, im Gemeinderat die Praxis.

Das Menschliche, Recht und Gerechtigkeit waren ihr schon immer wichtig. Es sei nicht immer leicht gewesen, aber frustriert war sie nicht, habe die Herausforderung geliebt. Ihr Lebensmotto sei "Es gibt kein Entrinnen, es gibt nur ein Hindurch". Dieser Spruch habe mal an der Tafel der Klosterschule gestanden, an der sie war.

 

Telefonische Trauerbegleitung

Grüner-Schürer ist eine durch und durch aktive Frau. Die Liste ihrer weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang. 2000 hat sie in Bayreuth die Trauergruppe mit gegründet und bietet heute noch telefonische Trauerbegleitung an. Sie ist unter anderem Schöffin, Wanderwartin, Gemeindegottesdienstleiterin, Lektorin, Mitglied in der Jagdgenossenschaft Poppendorf, im Sportverein Kirchahorn und im Obst- und Gartenbauverein Adlitz sowie bei der Frauenunion im Landkreis, Vorsitzende des VdK Ahorntal.

Sie war Personalratsvorsitzende und Beratungslehrerin, ist Lachyogatrainerin und hat eine Ausbildung als Waldmediatorin, gehört der Leader-Steuerungsgruppe an. Außerdem reist sie gerne und viel, war schon in China, Japan, Marokko, USA, Skandinavien und in vielen anderen Ländern. "Ich habe immer meine Tasche halb gepackt, bin flexibel und kann sofort los." Und wenn man viel weg sei, komme man auch gerne heim, wisse die Heimat zu schätzen.

Und wo findet sie Ruhe und Entspannung? In der Natur, sagt Grüner-Schürer, und beim Lesen und Malen, bei Konzerten. Dafür hat sie jetzt Zeit, die Kinder sind erwachsen. Und die drei Enkelkinder liegen ihr am Herzen. Jetzt lebt sie für sich.

FRAUKE ENGELBRECHT

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Kirchahorn