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Mittwoch, 18.09.2019

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Als die Pegnitzer BayWa in Flammen stand

Im August 1969 geriet der Dachstuhl des markanten Lagerhauses in Brand - 19.08.2019 12:57 Uhr

Meterhoch schlugen am 13. August 1969 Flammen und Rauch aus dem brennenden Lagerhaus der BayWa. Das Lagergut blieb aber erstaunlich unversehrt. © Claus Volz


"Des derhalten die nimmer." Dieser Ausspruch eines Zuschauers kennzeichnete die Lage haargenau, die sich den Feuerwehren vor 50 Jahren am 13. August zwischen 6 und 7 Uhr in der Frühe bot. An einigen Stellen des Pegnitzer BayWa-Daches schlugen Flammen in die Höhe, die das ganze, vornehmlich aus Holz erbaute Lagerhaus an der Bahnhofstraße zu erfassen drohten.

Irgendwo an der Spitze des riesigen Dachstuhls war ein Brand ausgebrochen, der sich schon stark ausgeweitet hatte, ehe er bemerkt wurde. Die sofort alarmierte Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, um zu versuchen, das Feuer einzudämmen Dass dies gelang, grenzte an ein kleines Wunder, denn 8000 Zentner Getreide lagerten damals in den Speichern der BayWa.

Während die städtische Feuerwehr von Pegnitz an den umliegenden Hydranten ihre Schläuche anschloss und die Polizei die Staatsstraße für den gesamten Verkehr sperrte, begann die später eintreffende Feuerwehr Neudorf, eine Schlauchleitung von der Fichtenohe zum Brandplatz zu legen. Auch die KSB-Werksfeuerwehr beteiligte sich an der Brandbekämpfung. Sie war vornehmlich damit beschäftigt, von der Eisenbahnbrücke aus das Feuer zu bekämpfen.

Mit schweren Atemschutzgeräten drang ein Feuerwehrtrupp in den Dachstuhl vor. um von innen gegen die Flammen anzugehen. Eine weitere Gruppe machte sich an der sehr spät eintreffenden Feuerwehrleiter des Zivilen Bevölkerungsschutzes zu schaffen. Anscheinend waren die Aktiven mit dieser Leiter nicht vertraut, denn es dauerte sehr lange, bis sie aufgestellt werden konnte.

Dem tatkräftigen Einsatz der Wehrmänner und der Tatsache, dass auf dem letzten Dachboden lediglich maschinelle Anlagen und kein Getreide untergebracht waren, war es zu verdanken, dass das Feuer schließlich lokalisiert und zum Erlöschen gebracht werden konnte.

Landrat und Senator Heinrich Dittrich und Bürgermeister Christian Sammet waren ebenfalls zur Brandstelle geeilt. Die genaue Brandursache war ungeklärt, doch wurde vermutet, dass ein Defekt an den Lüftungsanlagen zu dem Brand geführt hat.

In der Folge hatten die Mitarbeiter des BayWa-Lagerhauses alle Hände voll in tun, um die beträchtlichen Folgen des schweren Brandunglücks in Griff zu bekommen. Lagerhausverwalter Michael Hofmann leitete den Einsatz der Helfer.

Mit der kompliziert zu bedienenden Feuerwehrleiter des Zivilen Bevölkerungsschutzes hatten die Aktiven eine Zeitlang zu tun, ehe sie aufgestellt war. © Claus Volz


Um die riesigen Getreidemengen, die in den Silos gelagert waren, vor dem Verderb zu bewahren, kommandierte Major Hirschmann vom 103. Panzergrenadierbataillon in Bayreuth auf Ersuchen des Landrats 14 schwere Lastwagen zum Bergen der Gerste ab.

Soldaten mussten schuften

So waren bald Soldaten unermüdlich im Einsatz, um die Gerste nach Bayreuth zu transportieren, wo das Getreide getrocknet und erneut eingelagert wurde. Weil auch die Förder- und Ladeeinrichtung des Lagerhauses in Mitleidenschaft gezogen war, mussten die Soldaten ordentlich schuften, warteten doch ständig vier bis fünf Bundeswehrfahrzeuge vor der Laderampe auf Abfertigung.

Trotzdem machte der Zivileinsatz der Truppe durchaus Spaß. Ein Gefreiter brachte es auf den Punkt: "Endlich haben wir einen ernsten Einsatz, bei dem wir zeigen können, dass wir nützlich sein können." Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zur Brandursache gestalteten sich schwierig. Brandstiftung konnte aber schnell ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich rührte das Feuer von einem der ständig im Einsatz befindlichen Elevatoren oder einem ähnlichen elektrischen Gerät her, hieß es. Zu dieser Ansicht ist die Leitung des Lagerhauses gekommen, weil der Brand sich vom Maschinenraum aus über das Gebäude ausgedehnt hat.

Glücklicherweise ist kein Korn der gesamten Gerstenernte von über 400 Tonnen, die in den Räumen des mächtigen Lagerhauses gelagert war, auch nur angesengt worden. Nichtsdestoweniger belief sich der Sachschaden nach Schätzungen der Polizei auf rund 100 000 Mark.

Auch wenn das Getreide nicht direkt vom Brand betroffen war, musste doch ein Großteil der hochwertigen, aber angeräucherten Braugerste wegen der hohen Qualitätsansprüche für die Bierherstellung ausgesondert werden. Der Rest des Lagergutes war so stark vom Löschwasser durchtränkt , dass es nur noch als Futtergerste an die Abnehmer ausgeliefert werden konnte.

Inzwischen ist das Lagerhaus längst Geschichte. Heute steht dort ein großes Geschäftshaus mit dem diska-Einkaufsmarkt, Büros und Wohnungen. 

CLAUS VOLZ UND RICHARD REINL

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