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Als Güterverkehr bei der Bahn noch groß geschrieben wurde

Von großen Plänen und Investitionen an den Bahnhöfen Pegnitz und Ranna ist nichts übrig geblieben - 01.01.2020 16:11 Uhr

Die Lagerhalle am Bahnhof Pegnitz sollte vor 50 Jahren zum Güter- und Stückgut-Knotenpunkt aufgewertet werden. Heute steht sie leer. © Joachim Hauck


Vor einem halben Jahrhundert wollte die Bundesbahn den Stückgutverkehr völlig neu organisieren. Im Zuge der Rationalisierung wurden die Güterbahnhöfe in Creußen, Auerbach und Behringersmühle aufgelöst. Ihre Funktion sollte in Zukunft der Bahnhof Pegnitz wahrnehmen. Mit dieser Änderung sollte auch der Umladeplatz Nürnberg wesentlich entlastet werden. Mussten vorher alle Güter von Pegnitz nach Nürnberg gesandt werden, weil sie erst dort in den Zug verladen werden konnten, der die Fracht an ihren Bestimmungsort brachte, sollten fortan am neuen Pegnitzer Stückgut-Knotenbahnhof selbst Waggons zusammengestellt werden.

Rationalisierung schon damals Zauberwort

Lastwagen sollten die Güter aus den weiter entfernten Ortschaften zum Bahnhof transportieren. Hierzu musste der Bundesbahnspediteur sogar seinen Fuhrpark vergrößern, um mit dem zu erwartenden Ansturm fertig zu werden. Das Versprechen der Bahn: Mit der neuen Regelung sparen der Kunde und die Bundesbahn viel Zeit und Geld. Rationalisierung hieß schon damals das Zauberwort.

Die mühsame Arbeit der Lagerarbeiter in Pegnitz sollte mit modernen Gerätschaften erleichtert werden. © Joachim Hauck


Der Leiter des Pegnitzer Güterbahnhofes, Betriebsinspektor Hiltel, erläuterte 1969 die Maßnahmen, die getroffen werden mussten, um den Bahnhof auf seine neue Aufgabe vorzubereiten. Etwa 20 Prozent mehr Lagerfläche konnte man aus dem Umbau der Halle gewinnen. Unerwartet bot sich sogar ein frostsicherer Raum, als beim Aufreißen des alten Holzfußbodens plötzlich ein bisher nicht bekannter Kellerraum zum Vorschein kam. Hiltel damals: Für wenig Geld hat die Bahn so weiteren Platz hinzugewonnen.

Bei laufendem Betrieb wurden am Bahnhof Ranna neue Weichen eingebaut, um Güterzüge direkt nach Auerbach durchleiten zu können. © Foto: Claus Volz


Die Stückguthalle erhielt einen neuen Betonboden, der noch mit einer Hartguß-Asphaltschicht bis zu zehn Zentimeter aufgegossen wurde. Auch die Verladerampe wurde erhöht, um ein einheitliches Niveau mit dem Boden der Lagerhalle zu erreichen.

Weil wesentlich mehr Fracht am Güterbahnhof Pegnitz umgeschlagen werden sollte, wurde die Verladerampe zudem verlängert, sodass nun anstelle von bisher zwei, künftig vier Güterwaggons gleichzeitig bedient werden konnten. Ein Gabelstapler sollte den Männern, die bislang jeden Wagen mit der Hand beladen mussten, Arbeit abnehmen. Die alten Holztüren, die sich in einem arg ramponierten Zustand befanden, wichen modernen Stahlschwingtüren.

Trauriger Rest

Was davon übrig geblieben ist, ist hinlänglich bekannt. Nichts. Einen Güterbahnhof gibt es in Pegnitz schon lange nicht mehr und auch der Stückguttransport, für den man im Bahnhof Koffer und Gepäck aufgeben konnte, wurde ebenfalls schon vor Jahrzehnten gänzlich eingestellt.

Die Stückgut-Lagerhalle steht leer und der Bahnhof wurde inzwischen an die Stadt verkauft, die dort ein Mobilitätszentrum schaffen will. Geblieben ist allein das Versprechen der DB, die Gleisanlagen in den nächsten fünf Jahren behindertengerecht auszubauen.

Ein ähnliches Schicksal hat der Bahnhof Ranna hinter sich. Bedingt durch den täglich stärker werdenden Güterumschlag wurden dort vor 50 Jahren Umbauarbeiten in Angriff genommen mit dem Ziel, "den Bahnhof Ranna zu einem der modernsten Umschlagplätze zu machen".

Vorher fertig montierte neue Weichen wurden vom Bundesbahn-Bautrupp der Bahnmeisterei Neuhaus/Pegnitz per Eisenbahnkran auf den Schotterkörper gelegt, um die Gleissperrung so kurz wie möglich zu halten. Dies waren Vorarbeiten für ein großes, vom Bahnhof in Neuhaus/Pegnitz ferngesteuertes DB-Stellwerk in Ranna, mit dem es möglich sein sollte, Züge ohne Aufenthalt nach Auerbach durchzuleiten.

Andere Richtung genommen

Mit den Baumaßnahmen sollte nicht nur der Bahnbetrieb vereinfacht, sondern auch der industriellen Aufwärtsentwicklung rund um das Bergwerk Auerbach und das Wellpappenwerk in Ranna Rechnung getragen werden. Auch hier hat die Entwicklung eine andere Richtung eingeschlagen.

Längst sind das Hartpappewerk abgerissen und die Auerbacher Grube geschlossen, die Bahnlinie dorthin wurde 1982 stillgelegt. Damit sind auch die Bahnhöfe Auerbach und Ranna Geschichte. Der Stückgut und Gütertransport findet in der Region längst ohne die Bahn statt.

vz/hk/rr/nn

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