Altar in Pfaffenberg ist ein fränkisches Unikat

9.2.2021, 17:25 Uhr
Der Vorbeter Hans Thiem (links) und Ortssprecher Peter Thiem aus Pfaffenberg (rechts) sind stolz auf ihre über 200 Jahre alte Kapelle in der Mitte des kleinen Ortes.

Der Vorbeter Hans Thiem (links) und Ortssprecher Peter Thiem aus Pfaffenberg (rechts) sind stolz auf ihre über 200 Jahre alte Kapelle in der Mitte des kleinen Ortes. © Foto: Rosi Thiem

Zur 200 Jahrfeier im Jahr 2017 machte er sich auf den Weg nach Bamberg zum Kirchenarchiv. "Hier gab es allerdings keine Hinweise auf die Errichtung und Baugeschichte unserer Kapelle", fährt er fort. "Für die Pfarrakten der Pfarrei Oberailsfeld gab es lediglich ein Schriftstück, welches die Anschaffung und Weihe einer Glocke für die Kapelle im Sommer 1878 belegt. Die Kapelle hatte zu diesem Zeitpunkt scheinbar schon länger bestanden. Auf Anraten machten wir noch eine Anfrage beim Staatsarchiv Bamberg und wurden fündig", freut sich Thiem.

"Wir haben die Akten in Bamberg selbst eingesehen und erfuhren, dass im Grundsteuerkataster des früheren Rentamts Pottenstein – also Finanzamt – Unterlagen aufbewahrt wurden. Im Grundsteuerkataster für die Steuergemeinde Oberailsfeld aus dem Jahr 1853 sind die Gemeindebesitzungen für Pfaffenberg eingetragen. Dort fand sich die Plan-Nummer 395 mit dem Vermerk Kapelle im Dorf und 1817 erbaut." Mehr, bedauert Thiem, kann er nicht über die Entstehung nach so langer Zeit sagen.

Schmuckstück ist ein auffallendes dreiteiliges Altarbild in der Marienkapelle Pfaffenberg, das 1979 die Malerin und Sportlehrerin Elisabeth Winkel aus Nürnberg geschaffen hat.

Schmuckstück ist ein auffallendes dreiteiliges Altarbild in der Marienkapelle Pfaffenberg, das 1979 die Malerin und Sportlehrerin Elisabeth Winkel aus Nürnberg geschaffen hat. © Foto: Rosi Thiem

Aber in jedem Jahr schreibt sich ja die Geschichte fort. Peter Thiem muss nicht lange überlegen: "Die Kapelle erhielt schon einige größere Renovierungen", erinnert er und zeigt auf die sauber herausgeputzte Ortskapelle, die keinerlei Baumängel und Renovierungsnotwendigkeiten vorweist. 2002 musste die nebenstehende Linde entfernt werden. "Diese war hohl und nicht mehr standfest", erinnert sich Peter Thiem. Lindenbäume wurden oft in der Nähe von Kapellen und Ortsmitten gepflanzt. Ihnen sagte man Gerechtigkeit, Gemeinschaft und einen weisen Ratgeber nach. Die Lindenblüten galten von alters her für Fruchtbarkeit und Geborgenheit.

Dachstuhl erneuert

2003 wurde der Dachstuhl erneuert. Das alte Gebälk war morsch. Auch der Außenputz wurde vollständig neu. Es war eine umfassende Renovierung. "Das geschah alles durch Eigenleistung. Ich bin froh, dass wir Handwerker und handwerklich begabte Leute im Dorf haben", zeigt er sich dankbar. Durch Spenden der Bevölkerung und Eigenleistungen konnte der kleine malerische Juraort mit 120 Einwohnern dies immer wieder stemmen. Der laufende Unterhalt für die Kapelle stammt aus der Ortskasse. Rita Wittmann, so Thiem, putzt fleißig die Kapelle und sorgt für den immer frischen Blumenschmuck.

Ein elektrisches Läutwerk wurde im Jahr 1984 eingebaut. Dieses lässt dreimal täglich zum Gebet die historische Glocke erklingen. "Wenn jemand stirbt, wird auch geläutet. Bei der Überführung läutet die Glocke solange, bis der Verstorbene den Ort Richtung Friedhof in Oberailsfeld verlässt", erklärt Thiem. Diesen Brauch zur Ehrerweisung des Verstorbenen gibt es in Franken und der Oberpfalz in vielen kleinen Dörfern auch heute noch.

Am Glockenturm wurde ein neues lateinisches Kreuz angebracht. Obwohl es draußen regnerisch ist, zeigt sich der kleine Innenraum der lieblichen Kapelle warm und einladend. An den Seiten warten rechts eine Madonnenstatue und links der Heilige Antonius von Padua. Auffallend ist in der Mitte der dreiteilige Marienaltar, den 1979 die Malerin und Sportlehrerin Elisabeth Winkel aus Nürnberg geschaffen hat. Die Malerin schenkte der Ortschaft das mit echter Goldauflage versehene Bildensemble. Links zeigt es die Darstellung Maria Verkündigung, rechts die 13. Station des Kreuzweges – Jesus wird in den Schoß seiner Mutter gelegt.

Rabenstein im Hintergrund

In der Mitte des Altarbildes zeigt sich die Muttergottes mit dem Jesuskind. Im Hintergrund ist die zu Fuß 2,5 Kilometer entfernte Burg Rabenstein zu sehen. Die besondere Holzeinfassung des über 40-jährigen Marienaltares übernahm damals der aus Pfaffenberg stammende Schreiner Christoph Forster. Der gebürtige Pfaffenberger Geistliche Rat Pfarrer Johann Böhmer vollzog 1980 die Altarweihe. Böhmers Geburtshaus steht heute noch gleich links neben der äußerst gepflegten Kapelle. Der Seelsorger ist inzwischen verstorben. Unter dem Altarunikat steht in gestickter Schrift der Mariengruß: "Gegrüßet seist du Maria."

"Unsere Tür steht immer offen", sagt der Ortssprecher Peter Thiem. Ein besonderes Heimatgefühl entsteht beim Zuhören. "Bei uns halten viele Wanderer und Ausflügler", freut sich Peter Thiem und der inzwischen dazugestoßene Hans Thiem fügt hinzu: "Darunter sind auch sehr viele junge Menschen." Hans Thiem ist seit über 20 Jahren der Vorbeter. "Im Sommer lassen wir die Türen komplett offen." Im September 2020 gab es einmalig eine Hochzeit vor der lieblichen Kapelle. Corona-bedingt wurde mit Abstand bestuhlt und das Wetter spielte wunderbar mit.

Maiandachten im Halbkreis

Immer wenn Maiandachten sind, versammelt sich das Dorf im Halbkreis um die alte Kapelle direkt auf der Dorfstraße. "Vorbeifahrende Autos halten hier immer bedächtig an, die Fahrer entschuldigen sich fast", erzählt Peter Thiem.

Hans Thiem freut sich, wenn der Frühling wieder Einzug hält und hofft, dass es Pandemie-bedingt möglich ist, wieder Andachten zu halten. "Im Mai kommt sogar an einem Sonntagabend immer die Blasmusik aus Oberailsfeld. Das ist sehr feierlich", lässt er die Stimmung aus vergangenen Jahren erahnen.

Was fühlt er selbst als Vorbeter? "Es ist einfach nur schön. Ich selbst gehe leichter und lockerer nach Hause", bekennt er. Und welches Lied wird in Pfaffenberg am liebsten gesungen? "Das ist `Reinste Jungfrau, o betrachte wie es dir der Engel sagte` – dieses Lied ist immer dabei. Das können unsere Pfaffenberger schon auswendig", schmunzelt Hans Thiem und schaut geschwind, ob im Außenbereich der Kapelle alles in Ordnung ist.

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