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Donnerstag, 04.03.2021

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Ältestes Denkmal im Veldensteiner Forst kommt ins Museum

Bislang kannten es nur Einheimische: Nun kommt das Weiße Kreuz vom Veldensteiner Forst. - 23.08.2020 16:30 Uhr

Das Flurdenkmal wird mittels Flaschenzug von Mitarbeitern einer Fachfirma aus der Erde gehoben, genau beobachtet vom Direktor des Fränkische-Schweiz-Museums Jens Kraus (3. von links) und dem Initiator der Denkmalversetzung, Kreisheimatpfleger Heinz Stark (links).

23.08.2020 © Foto: Klaus Trenz


)Es war eine ganz besondere Rettungsaktion mitten im Veldensteiner Forst: Das Weiße Kreuz – das älteste noch erhaltene Flurdenkmal in dem großem Waldgebiet wurde von einer Fachfirma ausgegraben und abtransportiert. Unter anderem unter ganz genauer Beobachtung beziehungsweise archäologischer Begleitung vom Leiter des Fränkischen-Schweiz-Musems, Jens Kraus. Denn dort soll der schwere Sandstein mit den Kreuzen künftig stehen. An seine Stelle kommt eine Nachbildung. Translozierung nennt man den Vorgang in Fachkreisen; spricht: Gebäudeversetzung.

Das Weiße Kreuz ist für gewöhnlich kaum von einem Wanderer zu finden. Dicht an einem Forstweg, aber doch kaum zu sehen, stand es von einem nach Westen führenden Forstweg mitten im Wald. Nur wenige Einheimische kennen seinen Standort. Daneben verläuft eine tiefe Mulde, der sich als Hohlweg entpuppt. Dort verlief früher eine "hochmittelalterliche Autobahn" wie Kreisheimatpfleger Heinz Stark die Verbindungsstraße nennt, die früher das 1119 gegründete Michelfelder Kloster mit Bamberg verband (siehe Infokasten). Der Stein "bezeugt bis heute den einstigen Rang dieser bedeutenden Straße" und den prägenden Einfluss auf die Entwicklung der Region. Vermutlich habe ihn Kaiser Karl IV. (1316 -1378) aufstellen zu lassen.

Beunruhigt durch Vandalismus an Flurdenkmälern - vor allem im Raum Gunzenhausen und im Landkreis Ansbach - und der Möglichkeit, den Stein genau zu lokalisieren, fürchtete Stark um das Denkmal. "Vom Vorhandensein dieses Kreuzsteins, wussten bisher nur die Einheimischen", sagt Anja Heininger, Vorsitzende des Heimatvereins Plech: "Das hat sich seit der Aufnahme in den Bayerischen Denkmal-Atlas gründlich geändert, der sogar die genauen Koordinaten angibt". Und nun wisse jeder über den Standort Bescheid. Mit anderen Worten: Jeder könne das mutterseelenallein und schutzlos mitten im Wald stehende Baudenkmal finden und abtransportieren.

((Platzhalter)Übertriebene Vorsicht? Für Heisinger und Stark nicht. Ein Naturdenkmal, der Sattelstein – ein Felsen, der an die Form eines Sattels erinnerte - wurde aus dem Veldensteiner Forst bereits gestohlen. "Wir bringen ihn jetzt in Sicherheit", sagt Stark. "Und wollen ihn erhalten", ergänzt Heisinger. Und man wolle ihn letztendlich auch der Öffentlichkeit zeigen und ihn wissenschaftlich präsentieren.

Man kann sich kaum vorstellen, dass Museumsdirektor Jens Kraus dazu "Nein" gesagt hätte, zumal das Flurdenkmal eine Schenkung der Bayerischen Staatsforsten an das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld ist.

Stark, der auch der Beauftragte für Heimatpflege im Plecher Heimatverein ist, fand in seinem Verein den Projektträger und fand finanzielle Unterstützer in der Leader-Arbeitsgemeinschaft Bayreuther Land, der Sparkassenstiftung, dem Förderkreis des Fränkischen-Schweiz-Museums und der Oberfrankenstiftung. Damit war die "Rettungsaktion" finanziert, deren Kosten sich auf rund 7200 Euro belaufen.

Die Firma Muth aus Ebensberg, die sich auf Steinrestaurierung spezialisiert hat, wird den Stein zunächst auf Schäden untersuchen und eventuelle Risse schließen. Dann wird mittels Silikon und Gips ein originalgetreuer Abdruck gefertigt, wobei ein Natursteinergänzungsmittel nach eigener Rezeptur zur Anwendung kommt. Die Kopie des Weißen Kreuzes kommt dann wieder an die ursprüngliche, geschichtsträchtige Stelle. Im FränkischeSchweiz-Museum wird der Stein dann fachmännisch konserviert und bekommt vermutlich einen Platz im Innenhof des Museums.

Zu gegebener Zeit will der Heimatverein Plech an der Forststraße eine Tafel aufstellen lassen, der über den Stein und die ehemalige Straße von Bamberg nach Böhmen informiert. Dann darf ja jeder wissen, wo der Standort des Weißen Kreuzes ist.

KLAUS TRENZ

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