13°

Freitag, 05.06.2020

|

Altpapiersammler müssen nicht auf Einnahmen verzichten

Altpapiersammlungen sind unter Beachtung der Vorschriften auch in Zeiten von Coronabeschränkungen möglich. - 22.05.2020 17:40 Uhr

Vergangenes Wochenende waren die Sammler des FC Betzenstein wieder unterwegs, um das Altpapier von den Privathaushalten abzuholen. Das Bild allerdings stammt von einer früheren Aktion. © Foto: privat


Seit Jahrzehnten bietet sich den Bewohnern rund um Pegnitz in regelmäßigen Abständen ein vertrautes Bild: Fleißige Hände sammeln schwere Altpapierbündel vom Straßenrand auf, dann ziehen sie weiter. Andere wiederum warten an Sammelplätzen darauf, dass der Abfall bei ihnen abgeladen wird. Altpapiersammler gehören mittlerweile zum gewohnten Bild. Landauf, landab sind Freiwillige von Vereinen, Pfarreien und anderen Organisationen unterwegs, um ihre Kassen etwas aufzubessern. Solche Sammlungen sind auch in Coronazeiten wieder möglich — mit den vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen. Allerdings lohnen sich diese bei weitem nicht mehr wie früher. Daran ist eine Großmacht schuld.

Vergangenes Wochenende waren die Sammler des FC Betzenstein wieder unterwegs, um das Altpapier von den Privathaushalten abzuholen. Vier Container seien zusammengekommen, berichtet FC-Vorsitzender Roman Horvath. Wegen Corona habe man die Sammlung verschieben müssen, doch jetzt habe man vom Landratsamt grünes Licht bekommen. "Die Leute waren schon ganz kribbelig und entsprechend viel Papier lag bereit", weiß Horvath. Am Ende sei in etwa so viel zusammengekommen wie früher. Für den Verein sei der Erlös aus diesen Sammlungen gerade in der jetzigen Zeit fast überlebenswichtig. "Wir haben wegen der Zwangspause und der Schließung des Sportheims keine Einnahmen, aber die Ausgaben für Heizung, Wasser und Strom sowie andere Abgaben laufen ja weiter."

So viel wie früher gibt es für Altpapier lange nicht mehr. Wenn die Vereine künftig knapper bei Kasse sind, hängt das auch mit den Launen einer fernen Wirtschaftsmacht zusammen. Chinas Handelspolitik hat ein Geschäftsmodell zerstört, von dem viele Gruppen und Vereine in der Region profitiert haben. Das "Reich der Mitte" hat bis vor einigen Jahren sehr viel Altpapier importiert, zuletzt circa 30 Millionen Tonnen im Jahr. Doch dann hat sich die Regierung entschieden, mehr eigenes Papier wiederzuverwerten und den Import zu beschränken. China erteilt inzwischen nur noch Einfuhrlizenzen für fünf bis zehn Millionen Tonnen im Jahr. Die Folge ist eine Altpapierschwemme in Nordamerika und Europa. Bis zu 100 Euro pro Tonne zahlten Papierfabriken früher für Altpapier. Doch inzwischen sind die Preise im Keller. Für viele Vereine lohnt sich das Sammeln daher nicht mehr.

Ein ganz anderer Grund war dafür verantwortlich, dass der katholische Seelsorgebereich Auerbach-Pegnitz seine für vergangenes Wochenende geplante Altpapiersammlung abgesagt hat. "Früher haben wir immer Altpapier und Altkleider zusammen gesammelt", erklärt Dekanatsrats-Vorsitzende Sonja Schwemmer. "Aber das rentiert sich nicht mehr. Altkleider nimmt uns keiner mehr ab. Deshalb war heuer nur eine reine Papiersammlung geplant."

Weil man aber befürchte, dass viele vor allem ältere Mitbürger neben Papier trotzdem auch Altkleider bereitgelegt hätten, die Sammler aber das nicht mitgenommen hätten, wäre der Ärger vorprogrammiert gewesen. "Und wenn wir die Kleidung trotzdem eingesammelt hätten, wären wir auf den Entsorgungskosten sitzen geblieben."

Zuletzt sei ohnehin viel mehr Altkleidung als Altpapier rausgestellt worden. Das Dekanat wolle künftig schon wieder Altpapier sammeln, doch müsse man das genaue Prozedere laut Sonja Schwemmer zuerst besprechen.

Trotz der gesunkenen Altpapierpreise auf dem Weltmarkt müssen die Sammler im Landkreis Bayreuth nicht auf ihre Einnahmen verzichten. Das Abfallwirtschaftsunternehmen Bayreuth-Land (AWB), ein Kommunalunternehmen des Landkreises Bayreuth, fördert seit Jahren die Sammlungen der örtlichen Vereine und karitativen Organisationen unabhängig vom jeweiligen Marktpreis des Altpapiers mit einer stabilen Sammelprämie. Auch in "schlechten Zeiten", in denen Zuzahlungen für die Verwertung des Altpapiers nötig sind, erhalten die Altpapiersammler diese Prämie. Darüber hinaus übernimmt das AWB auch alle mit der Sammlung verbundenen Infrastrukturkosten wie Bereitstellung und Abfuhr der Sammelcontainer, Sortierung und Transport des Altpapiers zur Papierfabrik.

 

UDO FÜRST

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Pegnitz, Auerbach, Betzenstein