Montag, 21.10.2019

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Am Gründonnerstag wurde das Brauhaus versteigert

Wie die Auferstehung im Jahr 1919 trotz großer Not auch in Pegnitz gefeiert wurde - 20.04.2019 12:50 Uhr

Zum 1. Mai, als sich auf dem Marktplatz viele Vereine zur traditionellen Maifeier versammelten, gab es einen Aufruf der „Freiwilligenbrigade Danner“ zum bewaffneten Widerstand gegen die Räte und Spartakisten in München.


Das Kaiserreich war mit Ende des Ersten Weltkrieges untergegangen und das junge Pflänzchen Demokratie wollte noch nicht so recht wachsen. Nach den Landtagswahlen im Januar hatte die SPD im Lande (wie auch in Pegnitz) die Mehrheit im neuen Landtag und Kurt Eisner wurde zum ersten Ministerpräsidenten gewählt. Doch am 21. Februar wurde er auf dem Weg zum Landtag erschossen. Nun brach das Chaos in Bayern aus, es kam zum Generalstreik und zur Ausrufung einer Räterepublik. Die Regierung Hoffmann floh aus München nach Bamberg.

Ein versuchter Rechtsputsch am 13. April scheiterte und eine zweite Räterepublik wurde ausgerufen. Reichswehr und Rechte rüsteten nun zur Gegenwehr.

Auch in Pegnitz gab es Anhänger der kommunistischen Räteregierung in München. Am 13. März fand die Vollsitzung des Arbeiter- und Bauernrates statt.


Was passierte in Pegnitz? Noch kam es nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, obwohl sich am Sonntag, 2. März, ein Arbeiter- und Bauernrat in Pegnitz konstituierte. Das Treffen fand im Gasthaus zum Anker in Pottenstein statt. In Pegnitz selbst gab es am gleichen Tag ein Konzert des Nürnberger Komikers Hans Scheuernstuhl mit einem "urkomischen Programm". Tags zuvor hatte auch der Radfahrerclub in Pegnitz ein Konzert mit Tanzunterhaltung im Kolbsaal am Marktplatz. Ablenkung von den Sorgen des Alltags?

Landwirte und Gewerbetreibende wurden aufgerufen, sich am Sonntag, den 13. März an der Versteigerung der Armeepferde des aufgelösten Bayreuther Regimentes zu beteiligen. Am gleichen Tag fand im "Grünthaler´schen Speisesaal" (Gasthof Weißes Ross, bis vor kurzem Sitz der Zeitungsredaktionen) die Vollsitzung des Arbeiter- und Bauernrates in Pegnitz statt. Ein Zeichen dafür, dass es auch hier Anhänger der kommunistischen Räteregierung in München gab.

Gleichzeitig wurden dringend Familien auf dem Lande gesucht, die bereit waren, in Not geratene Stadtkinder aufzunehmen. Doch auch auf dem Lande selbst war die Not noch lange nicht überwunden. Immer neue Verordnungen regelten die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Kleidern, Schuhen und vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs. Selbst Rinderfüße sollten zur Öl- und Fettgewinnung abgeliefert werden und der Absatz von Runkelrüben wurde behördlich geregelt.

Mitten in diese Probleme hinein meldete sich am 7. April in einem Aufruf, der im Amtsblatt veröffentlicht und ausgehängt wurde, die Regierung Hoffmann aus Bamberg. Wiederholt wurde das Schreckgespenst des Verhungerns, wie es zur gleichen Zeit im von Räten beherrschten Russland stattfand, vor Augen geführt. "Bayern! Lasst euch nicht zu Versuchen missbrauchen, die eueren Untergang bedeuten!", hieß es am Ende des Aufrufs. Sollte nun auch in Pegnitz Gewalt auf der Straße einkehren?

Lichtspiele zeigen zwei Filme

Doch es blieb ruhig in Pegnitz. Am Gründonnerstag wurde das Brauhaus mit Dörrhaus versteigert und zu Ostern gab es Kino im Ort. Die "Lichtspiele Pegnitz" zeigten im Gasthof Weißes Lamm am Ostersonntag und Ostermontag zwei Filme. Dafür hatte man bereits Ende März einen "tüchtigen Klavierspieler" als Begleitung gesucht, denn es war damals ja noch Stummfilmzeit.

Doch unterschwellig mag es nicht ganz so friedlich zugegangen sein, denn schon eine Woche später forderte der Stadtmagistrat auf, sich an die Ablieferungsbestimmungen für Lebensmittel zu halten und dass den Anordnungen der Regierung Hoffmann unbedingt Folge zu leisten ist.

Und zum 1. Mai, als sich auf dem Marktplatz viele Vereine zur traditionellen Maifeier versammelten – eine alte Postkarte aus der Sammlung von Peter Spätling zeigt die Szene der Maifeier - , gab es einen Aufruf der "Freiwilligenbrigade Danner", die auch in Pegnitz per Anschlag zu bewaffnetem Widerstand gegen die Räte und Spartakisten in München aufrief. Freiwillige Kämpfer im Alter von 22 bis 45 Jahren sollten sich in Bayreuth melden, um dann zusammen mit anderen Reichswehrverbänden von Ingolstadt nach München zu ziehen.

Es war also eine unruhige Osterzeit mit Not und Elend und einer völlig ungewissen Zukunft, welche die Pegnitzer vor 100 Jahren beschäftigte.

VON PETER SPÄTLING

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