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Am Podium: Gemeinsamkeiten überwiegen Unterschiede

Wenn es um die Zukunft von Pegnitz geht, treten parteipolitische Programme klar in den Hintergrund - 12.02.2020 11:35 Uhr

Die Kandidaten der Pegnitzer Bürgermeisterwahl stellen sich den Fragen der Moderatoren und des Publikums: von Links Werner Lappat (CSU), Sandra Huber (Grüne), Thomas Schmidt (FWG), der amtierende Bürgermeister Uwe Raab (SPD) und sein Stellvertreter Wolfgang Nierhoff (PEG). © Hans von Draminski


Wenn beispielsweise Günther Scholz von den Anwärtern auf das Bürgermeisteramt wissen will, wie sie das Mittelzentrum Pegnitz in seiner Attraktivität vor allem für junge Menschen steigern wollen und was sie als Alleinstellungsmerkmal erachten, ist ein deutliches Qualitäts- und Wissensgefälle spürbar.

Werner Lappats (CSU) Antwort klingt wie aus dem Touristiker-Handbuch, wenn er Gemeinplätze wie „Leben wie Gott in Franken“ zitiert und den Ausbau familienfreundlicher Wanderwege vorschlägt – hier wird (zu) deutlich spürbar, dass Lappat Quereinsteiger ist, dem die ausgedehnte kommunalpolitische Expertise (noch) fehlt. Sandra Huber (Grüne) gibt hier die Bodenständige, die empfiehlt, realistisch zu bleiben und die Pegnitzer Stärken einfach besser als bisher „zu verkaufen“. Thomas Schmidt (FWG) erinnert daran, dass Pegnitz einst als „Tor zur Fränkischen Schweiz“ für sich warb – diesen Stellenwert müsse man sich im regionalen Vergleich zurückholen und Habenposten wie die Historie als Bergwerksstadt deutlicher in den Vordergrund rücken. Um junge Familien anzuziehen, gelte es, mehr Bauplätze auszuweisen.

Der amtierende Bürgermeister Uwe Raab (SPD) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Einwohnerzahl in seiner Amtszeit um 160 Personen gestiegen sei. Raab will Wohnbaugebiete „dosiert“ aufbauen und setzt auf Nachverdichtung und strukturelle Optimierung statt auf Wachstum „in die Breite“. Als Alleinstellungsmerkmal sieht Raab die „weltoffene, tolerante Stadtgesellschaft“.

Wolfgang Nierhoff (PEG), als stellvertretender Bürgermeister in viele Entscheidungsprozesse direkt eingebunden, bringt das Dilemma auf den Punkt: „Wir haben von allem ein Bisschen was – aber wir machen zu wenig daraus.“ Es fehlt aus Nierhoffs Sicht die Aufbruchstimmung und das Selbstbewusstsein, das der größten Stadt des Landkreises an sich zustehen würde.

Konkrete Kritik Konkrete Kritik übt Rüdiger Krieg an Bausünden beim Alten Rathaus wie der nicht elektrisch zu bewegenden Tür der barrierefreien Toilette. Eine Lösung sei „technisch schwierig“, räumt Uwe Raab ein. Thomas Schmidt sieht bei der Nachbesserung den Architekten in der Pflicht: „Der muss für gravierende Mängel haften und nicht der städtische Haushalt.“ Wolfgang Nierhoff schreibt seinen Mitbürgern ins Stammbuch, Behinderten bei der Toilettenbenutzung zu helfen und nicht nur zuzuschauen und Werner Lappat will das Thema Barrierefreiheit allgemein vertiefen.

Auf die Nachfrage Tobias Börners zur Zukunft von Cabriosol und Eisstadion betonen die Kandidaten beinahe unisono, dass sie den Eissport auf jeden Fall in Pegnitz halten wollen. Thomas Schmidt könnte sich eine „mobile Eissportfläche“ anstelle eines Hallenneubaus vorstellen. Eine Fläche, die dann auch der EVP nutzen soll. Sandra Huber bezweifelt, ob die Stadt eine neue Eissporthalle stemmen kann, Werner Lappat will schon auf Sponsorensuche gegangen sein, es habe sich auf die Schnelle aber niemand gefunden, der ins Pegnitzer Eishockey investieren will. Uwe Raab empfiehlt, auf neue Förderprogramme zu warten: „Bei 90 Prozent Zuschuss kann sich die Stadt das leisten.“ Wolfgang Nierhoff erinnert daran, wie wichtig der Breitensport für Jugendliche ist.

Schwierig wird es für das Fünfgespann, als Unternehmerin Alexandra Wolf-Preuschl wissen will, wie man mehr Kunden in die Innenstadt ziehen kann. Werner Lappat will an der Brauhausgasse ein neues Parkhaus bauen, das Teil eines Gesamtkonzepts werden soll. Uwe Raab unterstützt die Idee, weil sie den Trend zu „mehr Wohnen“ in der City unterstütze. Sandra Huber will die Autos dagegen aus der Stadt verbannen, während Thomas Schmidt dafür sorgen will, dass der Verkehr besser fließt und damit der Zugang zur Innenstadt einfacher wird. Wolfgang Nierhoff favorisiert die Wiederbelebung des K&P/PEP-Geländes als zentrales Instrument, um auch die Innenstadt wieder zu beleben. Die relative Verödung sei auf die derzeit fehlenden Synergie-Effekte zurück zu führen.

HANS VON DRAMINSKI

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