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Amberg-Sulzbach: Landrat zieht nach Ende der Corona-Hochphase Bilanz

Mit dem Ende der ersten Corona-Welle endet auch die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz. - 23.06.2020 16:50 Uhr

Mit dem Ende des Katastrophenfalls endete auch die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt Amberg-Sulzbach.´

© Rainer Droese via www.imago-images.de, imago images/localpic


Die vorläufige Hochphase der Coronapandemie ist vorüber. Deshalb hatte Ministerpräsident Markus Söder vergangene Woche das Ende des K-Falls für ganz Bayern ausgerufen. Damit endete auch die Arbeit der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) am Landratsamt Amberg-Sulzbach. Landrat Richard Reisinger zog Bilanz.

Donnerstag, 5. März: An diesem Tag begann "eine neue Zeitrechnung" am Landratsamt Amberg-Sulzbach. Der erste Fall einer Infektion mit dem Coronavirus wurde im Landkreis bestätigt. Eine Frau hatte sich damals vermutlich beim Skifahren in Südtirol mit dem Virus angesteckt.

Ab diesem Tag sollten drei Monate folgen, in denen das Leben für Landrat Richard Reisinger, seine Mitarbeiter und die ganze Bevölkerung nahezu komplett auf den Kopf gestellt wurde.

"Relativ schnell nach der ersten Infektion im Landkreis war klar, dass es zum Teil schmerzliche Einschnitte in unserem Alltag geben wird", erinnert sich der Landkreischef. Erste spürbare Auswirkungen waren die Absagen der Sportlerehrung, die für 13. März geplant gewesen wäre, und des Seniorennachmittags, der planmäßig am 20. März über die Bühne hätte gehen sollen. Als "konsequent und absolut richtig" sieht Reisinger heute mit Abstand seine Entscheidungen. "Das wären Veranstaltungen mit mehreren hundert Menschen gewesen, zum Teil Risikogruppen." Der Landkreis wäre womöglich zu einem Hotspot geworden.

Auch so war der Katastrophenfall eine "echte Bewährungsprobe, die unsere FüGK mit Abteilungsleiterin Laura Hofmann an der Spitze ausgezeichnet gemeistert hat."

Die Telefone standen beim Gesundheitsamt an sieben Tagen in der Woche nicht mehr still. "Das war alles andere als Routinebetrieb." Um die Arbeit bewältigen zu können, wurde zusätzliches Personal vom Landratsamt abgestellt, später richtete das bayerische Gesundheitsministerium Contact Tracing Teams zur Rückverfolgung von Infektionsketten ein.

Auch externe Fachberater von Technischem Hilfswerk (THW), Bayerischem Roten Kreuz (BRK), Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Bundeswehr, Polizei und Feuerwehr oder der Ärztliche Leiter der FüGK Dr. Marc Bigalke und Versorgungsarzt Dr. Michael Scherer hätten viele Stunden am Landratsamt verbracht und einen großen Anteil an der guten Bewältigung dieser Herausforderung gehabt, so Reisinger.

Ein Bürgertelefon wurde zeitnah installiert. Bis Pfingsten war das Bürgertelefon in Betrieb, mehr als 1600 Anrufe gingen in diesem Zeitraum ein. Vor allem im Umfeld von Pressekonferenzen der bayerischen Staatsregierung hatte die Bevölkerung den Drang, das Bürgertelefon, das zum Teil mit drei Mitarbeitern des Landratsamtes besetzt war, zu kontaktieren. "Da haben die Menschen schon während der Pressekonferenz bei uns angerufen und wollten mehr wissen, obwohl wir selbst keinen Wissensvorsprung gegenüber der Bevölkerung hatten."

"Ich bin stolz auf mein Team und die externen Helfer. Das waren viele kleine Zahnrädchen, die ineinandergegriffen und die große Maschine zum Laufen gebracht haben." Insgesamt waren rund 80 Menschen in der FüGK und am Gesundheitsamt während des Katastrophenfalls beschäftigt, zum Teil rund um die Uhr. Einsatzzeit: weit mehr als 10 000 Stunden. "Meine Mitarbeiter und unsere externen Fachberater haben sich in den vergangenen drei Monaten für unsere Landkreisbevölkerung mächtig ins Zeug gelegt und sind zum Teil bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gegangen."

Hier schließt Reisinger ausdrücklich auch die Mitarbeiter der Krankenhäuser des Landkreises ein. "Unser St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg und die St. Johannes Klinik in Auerbach waren wichtige Mosaiksteine im großen Ganzen."

Aber auch die Bevölkerung habe ihren Teil zum Gelingen beigetragen. Da wurden Masken genäht, bildeten sich private Nachbarschaftshilfen. So habe sich gezeigt, dass das soziale Miteinander im Landkreis Amberg-Sulzbach funktioniere.

Seit Pfingstsonntag, 31. Mai, gab es im Landkreis keine Neuinfektionen mehr. Per Dienstag, 23. Juni, haben sich seit Anfang März 496 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 53 Menschen starben am oder mit dem Coronavirus.

Damit sich die Situation trotz der zahlreichen Lockerungen nicht wieder verschlechtert, ruft der Landrat die Bevölkerung weiter zur Vernunft auf. Auch nach weiteren Lockerungen von Seiten der bayerischen Staatsregierung heiße es in den kommenden Wochen und Monaten Abstand halten, Mund-Nasen-Masken tragen und auf die Hygiene zu achten.

Der Ministerpräsident rechnet dennoch mit einer zweiten Welle der Coronapandemie. In diesem Fall würde die Führungsgruppe Katastrophenschutz am Landratsamt wieder ihre Arbeit aufnehmen, jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter das Beste geben, sodass auch dann die vielen kleinen Zahnrädchen ineinandergreifen und den Landkreis am Laufen halten würden.

111 Coronafälle im Seniorenheim

Im Seniorenheim Hirschau erkrankten 111 Bewohner und Mitarbeiter, 21 Bewohner starben am oder mit dem Coronavirus. Die Firma Conrad Electronic spendete 10 000 Schutzmasken für Senioren- und Pflegeheime im Landkreis. CEO Werner Conrad übergab FFP2- und Mund-Nasen-Schutz-Masken an den Landkreischef. Die Masken waren für das Personal in Heimen bestimmt.

Die Regierung der Oberpfalz hat das Soforthilfeprogramm des bayerischen Wirtschaftsministeriums für Unternehmen abgewickelt. Mehr als 22 000 Anträge wurden bis Ende Mai entschieden.

 

nn

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