Sonntag, 18.04.2021

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Amphibienretter ist wieder bei Ranna aktiv

Peter Muschler aus Mosenberg betreut seit 2010 mehrere Schutzzäune - 400 Tiere pro Saison - 18.03.2018 08:55 Uhr

Peter Muschler sammelt entlang der Amphibienzäune bei Ranna frühmorgens Frösche, Kröten und Molche und bringt die Tiere sicher über die Straße zu ihren Laichplätzen.

16.03.2018 © Brigitte Grüner


"Ich bin in diese Aufgabe hineingestolpert", sagt Muschler, der Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz ist. Peter Eckert, stellvertretender Kreisgruppenvorsitzender der LBV-Kreisgruppe Amberg-Sulzbach, habe ihn 2010 angesprochen, ob er das Einsammeln der Frösche, Kröten und Molche übernehmen könne. "Seitdem betreue ich die Zäune", sagt Muschler, der als Werkstattmeister in Eschenfelden tätig ist.

An drei Abschnitten entlang der Staatsstraße bei Ranna werden jedes Jahr zu Beginn der Amphibienwanderung die etwa 100 bis 150 Meter langen Zäune montiert — undurchsichtige Kunststoffbahnen. Der straff gespannte Folienzaun muss so aufgebaut werden, dass weder am Boden noch zwischen den einzelnen Zaunbahnen Lücken entstehen. Denn durch diese würden die Tiere schlüpfen und sich in Lebensgefahr begeben.

Der erste Zaun befindet sich in der Nähe der Magdalenenkapelle, der zweite bei den Fischweihern und der dritte am Ortsausgang von Ranna in Richtung Auerbach. Alle 20 Meter ist ein Eimer im Boden vergraben. Die Eimer haben Löcher, damit bei Regen das Wasser absickern kann. Außerdem ist der Boden mit Laub gepolstert, in dem sich die Amphibien verstecken können. Ein Stecken dient in die Eimer gefallenen Mäusen als "Leiter", um wieder ins Freie zu gelangen.

Amphibien, die auf den Zaun stoßen, kriechen an dem Hindernis entlang, bis sie in einen der 30 Eimer fallen. Muschler trägt sie bei seiner morgendlichen Tour, die um 6.30 Uhr beginnt, samt lebenden Inhalt auf die andere Straßenseite und entlässt die Tiere in die Freiheit. Dann streben sie gefahrlos zu ihren Laichplätzen, um sich fortzupflanzen und ihren Laich abzulegen. "Es ist ein relativ großes Feuchtgebiet mit Sümpfen und Weihern", berichtet der Mosenberger.

400 Tiere pro Saison

Rund 45 Minuten benötigt er für seine Sammeltour. Die Zahl der geretteten Tiere schwanke  "Im Durchschnitt sind es pro Saison 400 Amphibien. Es ist sehr unterschiedlich, es kommt auf die Witterung an", sagt Muschler. Zwei Drittel der Tiere, die in den Eimern landen, sind Frösche. Davon wiederum sind zwei Drittel Grün- und ein Drittel Braunfrösche. Ein Drittel sind Kröten. Nur vereinzelt finden sich Molche. "Maximal vier", so Muschler.

Ein Teil der Tiere erreicht trotz der vom Straßenbauamt Amberg-Sulzbach aufgestellten Zäune nicht ihr Ziel. "Sie gehen außen herum oder überwinden als klumpige Masse den Zaun. Ein paar kommen immer durch", sagt Muschler. Etwa zehn bis 50 tote Tiere zählt er pro Saison. Die Arbeit mache er "schon ganz gern", obwohl er in der Laichzeit immer da sein müsse. Dennoch wäre es seiner Ansicht nach nicht schlecht, wenn Rohre unter der Straße verlegt würden.

HANS–JOCHEN SCHAUER

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