An den alten Tanzlinden soll wieder Leben blühen

9.8.2013, 12:21 Uhr
Sie strotzt förmlich vor Kraft: Die Spieser Tanzlinde. Das Bild zeigt das jährliche Lindenfest.

Sie strotzt förmlich vor Kraft: Die Spieser Tanzlinde. Das Bild zeigt das jährliche Lindenfest. © Gesa Janssen-Schauer

Sie ist der Methusalem der Bäume. Gerade in Deutschland blickt die Linde kulturhistorisch auf eine lange Geschichte zurück. Sie wird bezeichnet als Baum der Liebenden, als Baum des Volkes, als Baum der Christen oder als Baum der Drachen.

Die Menschen schätzen sie seit jeher als Heil- oder Nutzpflanze – wenig verwunderlich also, dass dem Baum in den Siedlungen ein besonderer Status zuteil wurde. Früher wurden Tanzlinden als Orte der Gerichtsbarkeit und auch als Versammlungsstätten genutzt. Selbst eine mythologische Bedeutung schrieben die Dorfbewohner den alten Bäumen zu, weil in ihnen etwa die Göttin Freya leben soll.

Gerüst muss sein

Genau genommen ist aber nicht jede alte, große Linde inmitten eines Dorfplatzes auch eine Tanzlinde: Eine Tanzlinde im engeren Sinne zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ein Gerüst mit Geländer und Plattform vorhanden ist, die Äste scheinbar das Gerüst tragen und auf der Plattform getanzt wird, informiert die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz in einer Pressemitteilung.

Bewusstsein schaffen

Um wieder ein Bewusstsein für die überlieferte Tanz- und Kirchweihtradition rund um die Linde zu schaffen, wurde ein vielseitiges Konzept erarbeitet. Ein etwa 31 Kilometer langer Radrundweg verbindet die drei Tanzlinden in Franken, auf denen immer noch zur Kirchweih getanzt wird. Die gut ausgebaute Strecke führt durch die landschaftlich reizvolle und abwechslungsreiche Gegend am Fuß des Görauer Angers bis in das Rotmaintal.

Wer nicht nur gerne radelt, sondern auch etwas über Geschichte und Kultur der Tanzlinden erfahren möchte, für den lohnt sich ein Besuch im Deutsche Tanzlindenmuseum, das sich in Limmersdorf bei Thurnau befindet. Dort steht auch die mit über 300 Jahren älteste Tanzlinde Oberfrankens. Seit 1729 wird hier ununterbrochen zur Lindenkirchweih Ende August auf ihr getanzt. Folgt man dem Radweg weiter, kommt man zur Peestener Tanzlinde bei Kasendorf. Sie wurde zwar erst 1951 gepflanzt, aber natürlich existieren auch noch Überreste ihrer Vorgängerin.

Deren Herkunft reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute zeugen zwölf Sandsteinsäulen und eine steinerne Wendeltreppe, über die man in den 87 Quadratmeter großen Baumsaal gelangt, von dieser längst vergangenen Zeit.

Die dritte Tanzlinde in Langenstadt bei Neudrossenfeld steht inmitten eines Rondells aus acht Sandsteinsäulen, die am Boden durch eine Steinbank verbunden sind. Die große Linde, die früher in der Mitte der Säulen stand, fiel einem Sturm zum Opfer und wurde deswegen durch eine neue ersetzt.

Nachdem die Äste der jungen Linde zur Seite gezogen und mit einem Balkenkreuz versehen wurden, wird seit 2010 wieder zur Kirchweih in ihr getanzt.

Auch im Herzen der Fränkischen Schweiz sind fünf Linden bekannt, die als Tanzlinden im weiteren Sinne bezeichnet werden: „Die Tanzlinden in Spies, Wichsenstein, Hetzles, Kersbach und Effeltrich werden zwar wegen ihrer Form so genannt, auf ihnen finden jedoch keine Tanzfeste mehr statt“, so Sandra Schneider, die Leiterin der Tourismuszentrale.

„Ein Besuch lohnt sich trotzdem allemal. Vielleicht zeigt die ein oder andere Linde ihre geheimen Kräfte und unterstützt das Liebesglück oder die Gesundheit.“

1 Kommentar