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An jedem zweiten Tag gibt ein Milchbauer auf

Rinderzuchtverband zog Bilanz für Oberfranken — Tierbestand und Leistung sind nicht eingebrochen - 21.02.2013

Kühe produzieren jede Menge Methangas. Daher ist offenes Feuer im Stall immer riskant. © Kappes


Den Zahlen von Zuchtleiter Frank Oertel zufolge konnte der Nettoumsatz um über 1,5 Millionen Euro auf 16,7 Millionen Euro gesteigert werden. Erzielt worden sei der Umsatz mit über 29500 Rindern, fast 700 mehr als im Vorjahr. Nach den Zahlen von Zuchtleiter Oertel hat der Rinderzuchtverband aktuell 1600 Mitglieder mit zusammen knapp 71000 Herdbuchkühen. Pro Betrieb werden in Oberfranken 43 Kühe gehalten, vor fünf Jahren habe die Durchschnittszahl noch bei 35 gelegen.

Die Mitgliederzahl sei trotz des Strukturwandels stabil, die Milchleistungen seien stärker als erwartet angestiegen und die züchterische Bilanz sei ermutigend, so der Vorsitzende. Die Vermarktung über den Verband habe nach den Rekordzahlen des vergangenen Jahres nochmals deutlich zum Nutzen der Mitglieder und ohne Einbeziehung weiterer Organisationen gesteigert werden können.

Weniger geworden seien dagegen die Milch liefernden Betriebe in Oberfranken. Für 2012 kam Zuchtleiter Oertel auf 2700 Betriebe, die Milch abliefern. Dies seien gut 160 weniger als noch im Vorjahr. „Damit geben immerhin drei Betriebe pro Woche im Regierungsbezirk auf oder anders gesagt, jeden zweiten Tag gibt es einen Milchlieferanten in Oberfranken weniger“, sagte Oertel.

Damit habe sich der Ausstieg aus der Milchproduktion 2012 etwas beschleunigt. Hauptgrund dürfte dabei der unterdurchschnittliche Milchpreis sein. Auf den Kuhbestand insgesamt hatte das wenig Einfluss, denn der Schwund in aufgelösten Betrieben wurde durch Wachstum in anderen ausgeglichen. Den Milchviehbestand bezifferte Oertel daher auf gut 93000, was einen nur unwesentlichen Rückgang gegenüber 2011 bedeutet. Vor dem Hintergrund der deutlichen Zunahme an Biogasanlagen sei die Zahl aber umso bemerkenswerter.

Die stärksten Rückgänge hätten die Landkreise Kronach und Forchheim hinnehmen müssen. In den Landkreisen Hof, Kulmbach und Bayreuth seien dagegen wieder mehr Kühe gehalten worden. Einen noch stärkeren Strukturwandel sehen die Rinderzüchter mit dem Wegfall der Milchquote zum 1. April 2015 auf sich zukommen. Die unterschiedliche Höhe der Pachtpreise, die Entwicklung alternativer Einkommen mit der Energieerzeugung aus Biomasse, der außerlandwirtschaftliche Arbeitsmarkt und die demografische Entwicklung würden verstärkt dazu beitragen, dass Landwirte aufgeben.

Mit seiner beeindruckenden Bilanz sei der Rinderzuchtverband Oberfranken bundes- und europaweit führend, sagte Thomas Ebersberger, Zweiter Bürgermeister von Bayreuth, wo sich die Vermarktungseinrichtungen des Verbandes befinden. Mit diesen Einrichtungen, die neuesten EU-Richtlinien entsprechen, sei der Verband bestens für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.

Oberfranken sei in Sachen Eigeninitiative führend, bestätigte auch BBV-Kreisobmann Karl Lappe. Er schwor seine Berufskollegen darauf ein, dass in Zukunft mehr Geld aus dem Erlös der Produkte kommen müsse und der EU-Finanzrahmen eine geringere Rolle spielen werde. Dabei sei der Export gerade für Bayern wichtig, da jede zweite Einheit, egal ob Milch oder Fleisch, ins Ausland gehe.

Die Transparenz in den Vordergrund zu rücken und dem Verbraucher authentische Einblicke in die moderne Nutztierhaltung zu geben, das sei das Gebot der Stunde, so Josef Goos, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter. „Bleiben Sie ständig im Dialog und setzen Sie auf Ihr Fachwissen“, so Goos vor dem Hintergrund der sich wandelnden Einstellungen bei den Verbrauchern und in der Gesellschaft.

Eine Vielzahl der geforderten Regelungen und Kontrollen sei sachlich völlig unbegründet, trotzdem sollten Landwirte immer wieder das Gespräch mit den Kritikern suchen und sie ernst nehmen. „Nur wenn wir mitgestalten, haben wir auf Dauer die Chance, dass sich nicht wieder eine völlig sachfremde Regelung durchsetzt.“ Als vorbildlich bezeichnete der Geschäftsführer Projekte wie „Gläserne Ställe“, Tage des offenen Hofes oder der Besuch von Schulkindern auf den Bauernhöfen. 

shf

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