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Andreas von Heßberg zum Grünen Landratskandidaten gekürt

Weitgereist und ganzheitlich denkend: Andreas von Heßberg einstimmig zum Landratskandidaten gekürt. - 03.12.2019 14:55 Uhr

Der Kreisverband der Grünen nominierte im Sportheim des TSV Bindlach Andreas von Heßberg einstimmig: Er will nächstes Jahr erster Landrat für seine Partei werden. © Foto: Roland Seiler


"Ich denke ganzheitlich", sagt er. Das hat mit seiner wissenschaftlichen Ausbildung zu tun. Der Mann, der im Landkreis Kronach aufwuchs, kam 1987 nach Bayreuth, studierte Geoökologie, "da lernt man, global zu denken". Es schloss sich die Promotion an, er blieb hier hängen – "weil es mir gefiel". Politisch engagierte er sich schon früh. "Ich bin seit 39 Jahren bei den Grünen".

Er war auch bei den großen Demonstrationen dabei. Gegen den Nato-Doppelbeschluss etwa. Und, klar, auch in Wackersdorf. Beruflich war von Heßberg lange Zeit selbstständig. Als Gutachter. Das bot ihm die Chance, sich seine Zeit frei einzuteilen und so seiner großen Leidenschaft zu frönen – dem Reisen.

Es zog ihn dorthin, wo Touristen selten bis gar nicht hinkommen. Vor allem nach Zentralasien, nach Bhutan, nach Tibet. Oder auch in den Norden Sibiriens, nach Kamtschatka. Daraus entwickelte sich auch ein zweites berufliches Standbein: "Ich war immer auch journalistisch tätig, schrieb Reiseführer." Weil es über diese Regionen im deutschsprachigen Raum keine Literatur gab, "das waren quasi weiße Flecken". Für die er durch seine Bücher später auch als Reiseleiter gebucht wurde.

Als Autor ist er immer noch aktiv, seine Reiselust musste er jedoch einschränken vor einigen Jahren. Da erhielt er einen Anruf von jenem Lehrstuhl der Uni, an dem er einst studierte. Er arbeitet seitdem als Störungsökologe und Vegetationskundler. "Wir setzen Wiesen dem Klimawandel in beschleunigter Form aus, schauen, wie sich das auf die Artenvielfalt auswirkt."

Ja, das wirke sich schon auch auf sein politisches Denken aus. Der Klimawandel sei eben nicht zu leugnen, seit vier Jahrzehnten werde er von Wissenschaftlern vorausgesagt. "Spätestens nach dem Klimagipfel in Rio 1992 hätten wir reagieren müssen."

Dass sich jetzt auch andere Parteien ein "grünes Mäntelchen umhängen", helfe nur bedingt weiter. Denn es gehe nun mal um ein Umdenken im großen Stil, das müsse "von unten kommen". Im Gegensatz zur Agenda 21 – "die ich nicht schlechtreden will" –, die sei längst eingeschlafen, weil sie von oben aufgestülpt worden sei.

Prozess könnte Jahrzehnte dauern

Es gelte die zahlreichen Aktionen zu nutzen, die gerade aus der Bevölkerung wachsen, "das ist ja viel mehr als Fridays for Future". Der Prozess des Umdenkens könne Jahre, ja Jahrzehnte dauern. Aber ein Anfang müsse gemacht werden. Das könne im Kreis, das könne in jeder Kommune sein.

"Wir sind jetzt mehrfach im Bereich Fair Trade und Klima-Check unterwegs, das ist ja schon mal was." Aber das genüge eben nicht. Die Städte und Gemeinden müssten vom Kreis Hilfe bekommen, gerade bei der Klimaberatung. Dazu müssten halt auch noch "ein, zwei Leute mehr eingestellt werden" neben Bernd Rothammel, mit dieser Position zum Thema Klimaschutz und Energieberatung "sind wir immerhin schon Vorreiter".

Diese Denke gelte auch für das Thema Mobilität, sagt der Mann, der einst den ADFC-Ortsclub Bayreuth mitgründete, 25 Jahre im Radrennsport aktiv war und bei vielen seiner Reisen sein Rad dabeihatte. Jetzt wohnt er mit seiner Lebenspartnerin und der fünfjährigen Tochter in einer beschaulichen Ecke bei Forkendorf. "Sieben Häuser, von Wald umgeben, da führt keine geteerte Straße hin."

"Wir müssen ökologischer denken und handeln"

Warum nicht Sharing-Modelle konsequent ausbauen und auf E-Bikes und Lastenfahrräder ausweiten? Warum nicht einen Busunternehmer finden, der einen Triebwagen zwischen Bayreuth und Pegnitz betreibt im Halb-Stunden-Takt? Warum nicht überhaupt in den Nahverkehr massiv investieren? "Vor allem in kleinere Busse mit zwölf bis 20 Sitzplätzen, die auch Wohnsiedlungen problemlos anfahren und Räder und Kinderwagen transportieren können." Und da müsse auch der Preis stimmen, "sonst nutzen doch wieder alle das Auto". E-Mobilität sei nicht alles, sei nur ein Teilaspekt.

"Wir müssen ökologischer denken und handeln, auch im Sinne der regionalen Kreisläufe." Was auch bedeute, die regionalen Produkte mehr zu schätzen. Dafür müsse die öffentliche Hand Vorreiter sein. "Das kann im Landratsamt losgehen."

STEFAN BRAND

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