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Dienstag, 22.10.2019

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Artenschutz: "Jetzt sind die Verbraucher gefragt"

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nimmt bei Besuch in Betzenstein die Bauern in Schutz - 07.10.2019 06:55 Uhr

Eine Mini-Milchkanne sowie ein Glas Honig aus dem Landkreis Bayreuth überreichten JU-Vorsitzender Matthias Straub (rechts) und sein Stellvertreter Friedrich Ziegler der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. © Stephan Herbert Fuchs


Die Politikerin verteidigte in erster Linie die Annahme des Volksbegehrens zum Artenschutz durch die Staatsregierung. "Andernfalls hätten wir den Gesetzesentwurf der Organisatoren eins zu eins übernehmen müssen", sagte sie. So aber habe man im Begleitgesetz noch Einfluss nehmen und das Schlimmste für die Bauern verhindern können. Egal, ob die umstrittenen Vorschriften zum Walzen oder Mähverbote, all das konnten wir noch ausbessern", so Kaniber. Nun müsse sich allerdings die gesamte Gesellschaft fragen lassen, was sie denn für den Artenschutz unternehme. Kirchen, Kommunen und vor allem Privatleute seien jetzt gefragt, ihr Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Es könne nicht sein, dass alles auf den Bauern abgeladen werde.

Ein "großer Widerspruch"

Nun sei der Verbraucher gefragt. Kaniber bezeichnete es als großen Widerspruch, wenn 84 Prozent der Bevölkerung Bioprodukte super finden, sie aber nur sieben Prozent wirklich kaufen. Deswegen werde die Staatsregierung auch keine Bioquote festschreiben und die Bauern damit in eine Ecke drängen, die für sie unrentabel ist. Ziel sei es dennoch bis zum Jahr 2030, den Ökolandbau von derzeit zehn auf dann 30 Prozent der bewirtschafteten Fläche auszudehnen.

Die Ministerin nannte diese Zahl eine Zielvorgabe, erzwingen könne man das nicht. Allerdings sei der Freistaat schon jetzt innerhalb Deutschlands das Bioland Nummer 1, denn in keinem anderen Bundesland würden so viele Ökoflächen bewirtschaftet.

Kampagne in den sozialen Medien

Bei der Veranstaltung gab Kaniber auch erste Details zur neuen Imagekampagne für die Landwirtschaft bekannt. Vor allem in den Schulen solle die Landwirtschaft erklärt werden. "Damit die jungen Leute wieder wissen, woher Brot und Milch kommen", sagte die Ministerin.

Auch wenn es abgedroschen klinge, noch immer glauben viele Kinder an die lila Kuh. Die neue Imagekampagne soll durchaus auch provokant ausfallen und in erster Linie die sozialen Medien bedienen. "Wir müssen die Bevölkerung aufrütteln, denn wir haben klasse Produkte, die weltweit nachgefragt werden". Doch leider sei der Kontakt zum Verbraucher über weite Strecken völlig abgerissen.

Zuvor hatte sich der stellvertretende Vorsitzende der JU Bayreuth-Land, Friedrich Ziegler, gegen die massive Kritik an der Landwirtschaft gewehrt: "Niemand sollte je vergessen, der Bauer sorgt für das Essen", sagte er und gab zu bedenken, dass dies auch für Vegetarier und Veganer gelte.

In der Diskussion am Ende beklagte Hans Engelbrecht aus Lankendorf die immer noch zunehmende Bürokratie, Landjugend-Bezirksvorsitzender Max Raimund warb für regionale Produkte und Matthias Roder aus Seybothenreuth forderte langfristige Leitlinien für die Landwirtschaftspolitik. Andernfalls werde aus dem Strukturwandel ein Strukturbruch und den würden vor allem viele kleinere Betriebe in der Region nicht überleben.

STEPHAN HERBERT FUCHS

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