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Auch Auerbach hatte eine Skisprungschanze

Der heute 82-jährige Lorenz Radke erinnert sich an die "schöne Zeit" in den 1950ern am Gottvaterberg - 07.02.2021 16:18 Uhr

Da standen die Zuschauer wirklich in der ersten Reihe: Lokalmatador Lorenz Radke bei einem Sprung von der Auerbacher Schanze, die selbst bei den meisten Einheimischen in Vergessenheit geraten ist.

07.02.2021


Selbst eingefleischte Auerbacher hatten davon noch nie etwas gehört und schüttelten ungläubig ihre Köpfe. Und sogar das vermeintlich allumfassende Internet-Archiv skisprungschanzen.com verzeichnete bislang keinen Eintrag – aber tatsächlich hat es auch in Auerbach (wie auch in Pegnitz-Hainbronn) eine Skisprungschanze gegeben.

Diese Schanze wurde von einigen jungen Auerbachern um das Jahr 1954 erbaut. Darunter war auch der damals 15-jährige Lorenz Radke. Der heute in Pegnitz wohnende Radke hatte im Jahre 1953 eine Lehre als Schneider bei der Firma Bulag in Auerbach begonnen. Bereits zu dieser Zeit, so der heute 82-Jährige, hatte man am Gottvaterberg kleine Schanzen gebaut, um sich waghalsig in die Tiefe zu stürzen. "Einen Trainer hatten wir ja nicht", so Radke.

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Danach versuchte man in der heutigen Dornbacher Straße neben dem jetzigen Skihügel eine Sprungschanze zu bauen. "Mit fünf bis sechs Jugendlichen haben wir einen Holztisch gebaut, alle mit der Hand und ohne technische Hilfsmittel", erinnert sich Radke. Aber im Sommer war dann das Holz wieder abgerissen. "Die Bernreuther brauchten was zum Anschüren", sagt Lorenz Radke lachend.

Starter "von überall her"

Im Jahr 1957 fand ein offizielles Springen auf der Auerbacher Schanze statt. "Da sind sie von überall hergekommen", so der Auerbacher Skispringer. Der weiteste Sprung damals war so um die 30 Meter, erinnert er sich noch gut. Nur mitgesprungen ist Radke damals als Lokalmatador nicht. "ich hatte etwas am Fuß und habe bei der Weitenmessung geholfen". Seine Ski hatte er damals ausgeliehen und dabei gingen sie zu Bruch.

An seinen ersten richtigen Wettkampf kann sich Radke aber noch sehr gut erinnern. Mit 16 Jahren fuhr er mit dem Moped nach Artelshofen im Nürnberger Land. Sprungski hatte er vom Skiclub Pegnitz bekommen. Radke: "Die waren dort ausrangiert worden." Die Ski hatte er links und rechts an sein Moped gebunden und die Fahrtstrecke in Angriff genommen. "Als ich angekommen bin, fragten mich zwei Männer, was ich denn hier wolle", berichtet er. "Angemeldet war ich nicht, aber in meiner Klasse habe ich gewonnen."

Nordischer Skisport war in den 1950er Jahren in unseren Breiten angesagt, hier posiert Lorenz Radke (rechts) mit zwei Kameraden.

07.02.2021


Die größte Schanze, auf der er je gesprungen ist, war die in Schnaittach (Schanzenrekord 52,5 Meter), wo er vor dem Springen erst einmal vor Aufregung hinter den Busch musste. Dazu die Anlagen in Bischofsgrün, Oberwarmensteinach und natürlich in Pegnitz.

Erinnerungen in Schwarz-Weiß

Als seine Sprungski zu Bruch gingen, schaffte er sich, wie viele andere, Alpinski an und gab das Skispringen auf. Die Ära der Auerbacher Schanze war damit beendet. Heute erinnern nur noch Schwarz-weiß-Bilder an die Zeit, als er zusammen mit seinen Freunden die Schanzen in der Umgebung besuchte. "Zu Weihnachten hole ich mir die Bilder wieder hervor und schaue sie mir an", erzählt Lorenz Radke. "Es war einfach eine schöne Zeit."

Und vielleicht taucht die Auerbacher Schanze dank der NN-Recherchen mit Radkes Mithilfe auch bei skisprungschanzen.com auf – als Nummer 594 in Deutschland.

JÜRGEN MASCHING

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