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Auerbach: Buch aus dem 18. Jahrhundert für das Stadtarchiv ersteigert

Ein von einem ehemaligen Abt des Klosters Michelfeld geschriebenes Buch stammt aus dem Jahr 1729. - 03.06.2020 05:55 Uhr

Stadtarchivarin Doris Bundscherer hat mit dem Buch „E funere Phoenix“ aus dem Jahr 1729 eine neuen kleinen Schatz für das Stadtarchiv bekommen und das Museum34 in absehbarer Zeit ein neues Exponat des Monats.


Über ein Internetauktionsportal bekam er aufgrund einer einstellbaren Suchoption – Appl wählte Michelfeld und Auerbach – die Meldung, dass dort wohl ein Objekt zur Versteigerung steht, welches man umgehend Bürgermeister Joachim Neuß melden sollte. Ansonsten sind es überwiegend nur Ansichtskarten, die man findet. Dieses Mal war es ein Buch. Kein übermäßig wertvolles, aber ein Exponat, dass im Stadtarchiv von Auerbach einen besonderen Platz bekommt.

Angeboten wurde ein Buch aus dem Jahr 1729. Herausgegeben hat es der Michelfelder Benediktiner Johann Evangelist Heigl; der Abt des Klosters, Wolfgang Rinswerger, hat das Buch geschrieben. 1658 geboren war Rinswerger von 1707 bis zu seinem Tod 1721 Abt im Kloster Michelfeld. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Klosterkirche so aussieht, wie sie es heute tut. Er engagierte damals die Gebrüder Asam, die die schlichte Kirche zu einem spätbarocken Kleinod machten.

"Viele Klosterbrüder waren auch im schriftstellerischem Bereich tätig, was mir neu ist", sagte Neuß bei der Übergabe des Buches gestern an das Stadtarchiv. Wenn man darüber mehr wissen möchte, muss man nur den Hobbyhistoriker und Chronisten Rudolf Weber fragen. Drei Auflagen habe es von dem rund 500 Seiten umfassenden Buch dem Titel "E funere Phoenix" von Rinswerger gegeben. Es enthält unter anderem drei Dramen. Wie damals üblich ist das Werk in Latein verfasst. Es habe aber Aufführungen von den bühnentauglichen Dramen gegeben, die ins Deutsche übersetzt worden seien. Auf jeden Fall aber sei Rinswerger "einer der herausragenden Michelfelder Äbte" gewesen – schon allein durch den Umbau der Klosterkirche unter seiner Leitung. Die Fertigstellung habe er nicht mehr erlebt.

Das Buch ist kein Einzelexemplar. Bundscherer hat recherchiert, dass es in weiteren sieben Bibliotheken zu finden ist. Im Auerbacher Stadtarchiv zählt es nun zu den ältesten Büchern, die dort fachgerecht gelagert sind. Es sei aufgrund seines Alters noch in einem recht guten Zustand.

Bürgermeister Neuß hat jedenfalls nicht gezögert und mitgeboten, als ihm Appl im März den Netzfund mitgeteilt hat. 230 Euro seien ein angemessener Preis für das alte Buch gewesen. Für die Auerbacher Stadtarchivarin, für das Kloster Michelfeld und Regens Wagner sowie für die Auerbacher Heimatforscher dürfte das Buch aber einen unschätzbaren ideellen Wert besitzen.

KLAUS TRENZ

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