Musik

Auerbach: Erstes Innenkonzert seit Langem

11.10.2021, 07:00 Uhr
Hans Well (2.v.re.) mit seinen drei Kindern Jonas (von links), Sarah und Tabea beim Gastspiel der Wellbappn in Auerbach.

Hans Well (2.v.re.) mit seinen drei Kindern Jonas (von links), Sarah und Tabea beim Gastspiel der Wellbappn in Auerbach. © Foto: Klaus Trenz

Wegen der Corona-Pandemie musste 2020 die Veranstaltungsreihe abgesagt werden und auch in diesem Jahr ging zunächst nichts mehr. Die Wellbappn – im Prinzip die Nachfolger der aufgelösten, berühmt-berüchtigten Biermösl-Blosn – brachten den Auerbachern nun aber wieder ein Konzerterlebnis in der eigenen Stadt.

Beide haben, wie die meisten Besucher, ihre Eintrittskarten schon im vergangenen Jahr gekauft, sie behalten und gewartet, bis die Inzidenzen wieder eine Live-Veranstaltung zugelassen haben. "Wir haben einiges vermisst", sagt Sabine Grüner. Die Erwartungen an die Wellbappn waren klar: Bayerische Musik – traditionell oder eben bayerisch angepasst – gespielt mit einer Vielzahl von Instrumenten, bissige, kritische und humorvolle Texte von Hans Well, der 35 Jahre lang für die Biermösl-Blosn geschrieben hat.

Gespannt waren auch Gerhard und Nicole Lindner. Sie seien eigentlich nicht die "großen Konzertgänger". Die Musik der Biermösl Blosn kennen sie; die Wellbappn sind für sie neu, die kennen sie nur vom "Hörensagen". Mit einem beruhigenden Gefühl gingen sie zur Veranstaltung, weil es nun die Inzidenzen wieder ermöglichten. Auch sie haben die Karten aufgehoben, bis ein Konzertbesuch wieder möglich war.

Andreas Götz kennt Hans Well, was er vorher gemacht hat und was er jetzt mit seinen Kindern Jonas, Tabea und Sarah auf die Bühne bringt. "Die Familie Well steht für volksmusikalische Höchstleistung", meinte er vor dem Konzert. "Ich freue mich, dass wieder was vorangeht in Auerbach."

Dies sei die erste Veranstaltung seit Langem und er sei froh, mit dabei sein zu können. Auch Götz hat seine Karte vom vergangenen Jahr aufgehoben. Möglicherweise hätte es mit einer neuen Eintrittskarte auch nicht mehr geklappt, denn zugelassen waren – selbst in der großen Halle – nur 210 Zuschauer. Ausverkauft.Es ist anzunehmen, dass dies ohne Hygienevorschriften und Beschränkung der Anzahl auch mehr Besucher gewesen wären.

"Didl Dudl"

Hans Well und die Wellbappn sind dann auch genauso frech, wie das Publikum sie erwartet hat. Mit ein paar Spitzen gegen die Auerbacher, aber auch ein paar Streicheleinheiten geht das Programm, das hauptsächlich von der neuen CD "Didl Dudl" kommt, los, geht über Selbstironie über das eigene Heimatdorf bis hin zu den gewohnten Zielscheiben des Spotts: CSU, Bauernverband, Autoindustrie – Gstanzln, Couplets und zwischendurch eine Polka und ein irisch-bayerisches Stück zu Bausünden, Verfehlungen der Kirche, über den Tisch gezogene Landwirte und über Hellseher und Wahrsager.

Bereits in der Pause sind die Zuschauer zufrieden. Dass laut Well die Auerbacher so viel Temperament besitzen, dass man sie als Andalusier der Oberpfalz bezeichnen darf, erfüllt sich aber nicht ganz. Nicole Lindner fehlt etwas die ausgelassene Stimmung. Das Publikum sei etwas verhalten, was aber offenbar daran liege, dass man eben so bestuhlt hat, dass die Abstände eingehalten werden können. Auch in der Konzertpause tut sich nicht viel. Steht man sonst im Foyer oder holt sich Getränke, harrt das Publikum am Platz aus. Vielleicht hat man auch keine Lust, sich den Mund-Nasenschutz überzuziehen. Die Themen, die die Wellbappn anpacken, gefallen den Lindners gut. "Die nehmen kein Blatt vor den Mund", sagt Gerhard Lindner.

Auch das Ehepaar Grüner kommt auf seine Kosten. Das Quartett sei vielleicht noch nicht so "hundertprozentig" eingespielt nach der erzwungenen Konzertpause, zeige aber genau das, was sie erwartet hatten. "Das passt", lautet der knappe Kommentar von Norbert Grüner dazu.

Stets tagesaktuell

"Das sind wunderbare Einlagen", resümiert derweil Andreas Götz. Er ist vor allem von den "zeitnahen" Themen und dem spontanen Einbauen von Tagesaktuellem in Wells Texte begeistert – ebenso wie von der Vielfalt der eingesetzten Instrumente an dem Abend. "Das ist das, was man von der Familie Well kennt", resümiert Götz.

INFODie nächsten Kulturveranstaltungen der Stadt Auerbach sind eine Lesung mit Horst Eckert am Samstag, 30. Oktober, um 19 Uhr in der Aula der Grundschule und ein Konzert mit der Couplet AG am Freitag, 19. November, um 20 Uhr in der Helmut-Ott-Halle.

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