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Montag, 06.04.2020

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Auerbach: "Goldener Löwe" verwandelte sich in Werkstatt

Im Klima- und Repaircafé werden bekommen vermeintlich kaputte Geräte ein zweites Leben. - 24.02.2020 14:55 Uhr

Dieter Wittmann (links) und Peter Koch (rechts) kümmern sich um das schicke Klappfahrrad aus den 1970er Jahren von Karl Burger (Mitte). Hinterher war es absolut verkehrstüchtig. © Foto: Klaus Trenz


Mehrere Handwerker und Handarbeiterinnen widmeten sich im ersten Klima- und Repaircafé in Auerbach Dingen, die nicht mehr funktionieren oder mal ein paar Stiche mit der Nähmaschine brauchen.

Die Idee, die hinter der Aktion des Zentrums für erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit aus Ensdorf mit Projektleiterin Linda Trager in Zusammenarbeit mit dem Auerbacher Verein Schnupperwerkstatt steckt, ist so einfach wie wirkungsvoll: Menschen bringen reparaturbedürftige Dinge zu einer Reihe von Handwerkern, um mit ihnen gemeinsam die Sachen wieder funktionstüchtig zu machen — weil sie vielleicht zu schade sind, um weggeworfen zu werden oder weil man die Idee gut findet, natürliche Ressourcen zu schonen. Schließlich wird durch die Reperatur der Neukauf gemieden und der Umwelt somit einen Gefallen getan.

Karl Berger aus Amberg beispielsweise hatte ein sehr gut erhaltenes Klappfahrrad aus den 70er Jahren mitgebracht, nicht ganz verkehrstüchtig, weil die Fahrradlampe sich hartnäckig weigerte, zu leuchten. Die Stromzufuhr, die vom Dynamo durch den Rahmen, die Lampe erreichen sollte, tat es nicht mehr. Kraftfahrzeugmeister Dieter Wittmann und Peter Koch, der ehrenamtlich seit 2015 weit über 300 Fahrräder für Flüchtlinge und Asylbwerber hergerichtet hat, machten den Fahrrad-Oldtimer wieder fit, inklusive Probefahrt. Dafür hatte sich die Fahrt von Amberg nach Auerbach auf jeden Fall gelohnt, resümiert der Besitzer.

Gleich daneben hoffte Heinz Ulrich, dass Eletkrotechniker Florian Schmid aus Amberg einen Schallplattenspieler aus den 50ern Jahren wieder zum Laufen bringt. Das fast museumsreife Gerät ist ihm zu schade für die Entsorgung. "Ich wollte unbedingt mal zum Repaircafé. Ich werfe nicht gleich alles schnell weg und versuche alles selbst zu reparieren", sagte Ulrich. Im Falle des Plattenspielers aber stand er vor einem Rätsel, das Handwerker Schmid zu lösen versuchte — ehrenamtlich. "Ich möchte mithelfen, Müll einzusparen", sagte Schmid. Es seien an elektrischen Geräten oft nur Kleinteile, die kaputt gehen. Doch oft sei die Fehlersuche schwierig — bis plötzlich festgestellt werde dass ein neues Kleinteil, das auch nur ein paar Cent kosten kann, das Gerät wieder funktionsfähig macht.

Gegen die Wegwerfgesellschaft

Im Repaircafé wurden einige Altgeräte wieder zum Leben erweckt. Heinz Ulrich brachte einen Plattenspieler aus den 1950er Jahren zu Elektrotechniker Florian Schmid mit. © Foto: Klaus Trenz


 Radio- und Fernsehtechniker Jo Pirzer aus Hirschau schüttelte den Kopf angesichts eines Stabmixers, den er zerlegt hatte: "Ich versuche die Welt zu retten, aber bei dem Mixer kann ich nichts mehr machen", sagte er amüsiert. Das schmälert sein Vorhaben nicht: "Ich möchte mich daran beteiligen, das Repaircafé im Landkreis aufzubauen."

Auch Schneiderin Soja Andrasch aus Vilseck und Handarbeiterin Monika Förster aus Krottensee halfen gerne mit. Sie widmeten sich mit Nähmaschine oder Häkel- und Stricknadel Kleidungsstücken, die einer kleineren Reparatur bedurften und deshalb nicht in der Altkleidertonne landen müssen. Sie machen mit, weil sie der Wegwerfgesellschaft ein kleines bisschen entgegensetzen wollen und weil sie die Idee des Klima- und Repaircafés einfach "toll" finden und mit dieser Aktion CO2 eingespart wird.

Auf rund eine Tonne beziffert Projektleiterin Linda Trager die CO2-Einsparung, die man mit der Aktion bisher eingespart habe. Das lasse sich aufgrund von festen Parameter und den Protokollen, die nach einer Reparatur angefertigt und ausgewertet werden, bestimmen. Rund etwa die Hälfte der Geräte und Sachen, die bisher zum Klima- und Repaircafé gebracht wurden, konnten wieder für den Gebrauch fit gemacht werden.

Im Schnitt seien bisher rund 20 Leute zu den Aktionen, die abwechselnd in mehreren Städten des Landkreises stattfinden gekommen. Eine für sie gute Quote für eine noch junge Idee. Und es scheint Spaß zu machen: "Ich habe viel Freude daran, Dinge wieder zum Leben zu erwecken", sagt der Ingenieur der Elektrotechnik Armin Arnheim aus Kümmersbruck.

InfoDas Klima- und Repaircafé macht demnächst Station im Rathaus in Hirschau (Samstag, 14. März), im Gemeindehaus in Kümmersbruck (Samstag, 21. März) und im Bildungshaus des Klosters Ensdorf (Samstag, 28. März). In Auerbach will man noch drei Mal in diesem Jahr, mit Rat und Tat daran erinnern, dass nicht gleich jedes defekte Teil im Müll oder auf dem Wertstoffhof landen muss. Der nächste Termin in Auerbach ist am Samstag, 16. Mai wieder im Goldnen Löwen.

KLAUS TRENZ

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