28°

Dienstag, 18.06.2019

|

Auerbach nimmt Leerstandsmanagement selbst in die Hand

Stadt schafft ab Sommer eine eigene Stelle in der Verwaltung dafür — Situation in der Innenstadt soll zunächst den Vorrang haben - 07.04.2019 09:12 Uhr

Leerstände gibt es in der Auerbacher Innenstadt genug. Dem künftigen Leerstandsmanager im Rathaus dürfte somit die Arbeit nicht ausgehen. © Foto: Brigitte Grüner


Die Arbeit dürfte dem zuständigen Mitarbeiter dabei nicht ausgehen. Wer aufmerksam im Stadtzentrum unterwegs ist, sieht immer wieder leere Schaufenster, unbewohnte Häuser und Geschäfte, die geschlossen wurden. Die Innenstadt soll zunächst Priorität haben, erklärt der Rathaus-Chef. Unter Leerstandsmanagement verstehe er nicht nur ein Erfassen von brach liegenden Immobilien, sondern auch ein Entwickeln von denkbaren Nachnutzungen und den Versuch, Interessenten zu finden. "Im Idealfall bringen wir A und B zusammen. Also den Eigentümer und den am Gebäude interessierten Mieter, Pächter oder Investor."

Kollegen warten noch ab

Es vergehe keine Bürgermeister-Versammlung, auf der nicht darüber gesprochen wird, was eine Kommune gegen Leerstände unternehmen könnte. Auch in der FrankenPfalz haben die Rathaus-Chefs schon über das Thema diskutiert. Joachim Neuß hat den Eindruck, dass viele Kollegen abwarten, wie die neue Stelle im Auerbacher Rathaus anläuft und welche Erfolge damit möglich sind. Beim Leerstandsmanagement gehe es zunächst um Grundlagenarbeit: Die Ist-Situation wird analysiert, wobei Details wie Stockwerke, Nutzfläche, Baujahr und mehr einfließen. Danach überlegt man sich Perspektiven für leer stehende Gebäude. Bei Häusern in Privatbesitz werde frühzeitig der Dialog mit den Eigentümern gesucht, so der Bürgermeister.

Einen an der Thematik interessierten Mitarbeiter hat die Stadt bereits. Ein künftiger Verwaltungsfachangestellter, der im Sommer seine Ausbildung beendet, wird den Aufgabenbereich übernehmen. Die neue Stelle wird dem Bauamt zugeordnet. Ob sich der junge Mann in Vollzeit um das Leerstandsmanagement kümmert oder zusätzlich andere Aufgaben übernimmt, werde wohl erst die Erfahrung mit dem Thema zeigen, meint der Bürgermeister. Über das Bayerische Umweltministerium werde sich die Stadt eine Software für das methodische Aufarbeiten von Leerständen besorgen. Zuschüsse für die neue Stelle gibt es laut Neuß nicht.

Gefördert werden allerdings spätere Maßnahmen, die aus der Bearbeitung resultieren. Projekte im Innenstadtbereich – dazu gehört auch die Beratung durch einen Architekten oder eine Sanierung — werden von der Städtebauförderung unterstützt. Betrachtet werden vom Leerstandsmanager Immobilien im Gewerbesektor und im Wohnbereich. Gerade in der Innenstadt gehe oft eines in das andere über, betont Joachim Neuß.

Seines Wissens nach gibt es keine Kommune vergleichbarer Größe, die ein Leerstandsmanagement anbietet. Überregional bekannt sei die Hofheimer Allianz, die sich schon seit zehn Jahren der Innenentwicklung und Revitalisierung der Ortskerne widmet. Mit den erfahrenen Mitarbeitern im Hofheimer Land werde das Rathaus sicher auch Kontakt aufnehmen und sich nützliche Informationen holen.

Anfragen sind da

Schon jetzt fragen immer wieder Interessenten im Rathaus nach Wohnungen, Büro- oder Lagerflächen. Im Idealfall können ungenutzte Immobilien künftig neue Perspektiven bekommen. Der Bürgermeister ist sich durchaus bewusst, dass Eigentümer oft vor Investitionen zurückschrecken. Viele Auflagen wie Brandschutz verteuern bauliche Maßnahmen, die allerdings zur Wiedervermietung meist notwendig sind. Er hoffe, dass sich das Mietpreisniveau etwas erhöhen lässt, damit investitionsfreudige Eigentümer auch entsprechend Mieteinnahmen haben, sagt Neuß. Druck auf Privatleute soll keinesfalls aufgebaut werden. Es liege auf der Hand, dass ungenutzte Immobilien keine Rendite bringen.

Die Stadt biete künftig an, Leerstände zu verwalten und möglichst wieder einer Nutzung zuzuführen. Für Eigentümer ist dieser Service des Rathauses kostenlos. "Wir müssen jetzt einfach mal anfangen. Dann lassen sich gewiss auch Skeptiker von der Arbeit des Leerstandsmanagers überzeugen.", so Bürgermeister Neuß im Gespräch mit den NN. 

BRIGITTE GRÜNER

2

2 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Auerbach