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Auerbach: Strom für Kläranlage soll von den Dächern kommen

Stadt Auerbach setzt ab sofort auf Photovoltaikanlagen - 27.10.2020 07:55 Uhr

Sinnvoll: Die Kommune hat sich hinsichtlich der Errichtung von PV-Anlagen auf den Dächern der Kläranlagen in Auerbach (Bild) und Michelfeld beraten lassen.

26.10.2020 © Foto: Stadt Auerbach


Eine weitere Freiflächen-Photovoltaik-Anlage wird im Gemeindegebiet geplant. Der Bauplatz liegt im Bereich Hagenohe in der Nähe der mittleren Windkraftanlage. Der Stadtrat beschloss einstimmig die Eröffnung des Bauleitverfahrens.

Der Investor, der auf den Flurnummern 551, 552 und 555 der Gemarkung Gunzendorf bauen möchte, ist im Umland kein Unbekannter. Die Firma Voltgrün Energie GmbH hat bereits die Windräder bei Hagenohe konzipiert und realisiert. In Bayern können jährlich 200 solcher PV-Anlagen in landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten errichtet werden. Im Raum Auerbach gibt es bislang eine große Anlage bei Ortlesbrunn; eine weitere wurde vom gleichen Investor nahe Ohrenbach beantragt.

Südöstlich von Hagenohe möchte Voltgrün auf einer Fläche von 6,19 Hektar bauen. Geplant ist die Errichtung von rund 14 000 Modulen mit einer Leistung von je 455 Watt peak (Wp). Die resultierende Gesamtleistung von etwa 6,3 MWp soll einen mittleren jährlichen Ertrag von rund 6,7 Millionen Kilowattstunden "grünen Strom" produzieren. Voltgrün möchte eine Anlage bauen, an der sich auch interessierte Bürger beteiligen können. Geschäftsführer Toni Frank deutete eine Rendite von 3,5 Prozent an. Er sei gerne zu einer Informationsveranstaltung im Vorfeld bereit. Holger Eckert (FW) bezeichnete das als "gute Investitionsmöglichkeit".

Gesamtkonzept machen

CSU-Sprecher Herbert Appl wollte die Abstimmung zunächst vertagen, um ein Gesamtkonzept gemäß der PV-Planung vom Frühjahr 2010 zu machen. Bauamtsleiterin Margit Ebner erklärte dazu, dass damals lediglich mögliche Flächen ausgesucht wurden, die als Empfehlung gedacht waren.

Es sei positiv, dass die Investoren tatsächlich zu den damals ausgewählten Grundstücken tendieren. Der Beschluss von 2010 sei noch keine rechtsverbindliche Bauleitplanung gewesen, so Bürgermeister Joachim Neuß. Ziel sei gewesen, maximal ein Prozent der Gemeindefläche als Standorte für mögliche PV-Anlagen auszusuchen. Mit 48 Hektar, die vor allem im nördlichen Gemeindegebiet liegen, sei dies gelungen.

Martin Weiß (FW) sah keinen Grund für Diskussionen. "Es wurden Flächen ausgewählt. Der Antrag heute passt dazu." 2010 habe sich der Stadtrat viele Gedanken gemacht, erinnerte sich Dr. Edmund Goß (SPD). Ziel seien landschaftsverträgliche PV-Anlagen. Dem aktuellen Antrag könne man deshalb zustimmen. Bernd Scheller (Grüne) freute sich über die neue Initiative. "Die Energiewende gelingt nur, wenn erneuerbare Energien sinnvoll genutzt werden." Nach der Aussprache zog Herbert Appl seinen Antrag zurück. Die CSU wolle keine klimafreundlichen Beschlüsse verzögern.

Einstimmige Eintscheidung vom Stadtrat

Die Bauflächen der künftigen PV-Anlage werden bislang landwirtschaftlich genutzt. Die Pächter sind über die geplante Umnutzung informiert. Für das Vorhaben sind die Änderung des Flächennutzungsplanes zu einem Sondergebiet "Photovoltaik" und die Aufstellung eines Bebauungsplanes notwendig. Die Kosten für die Planung übernimmt der Antragsteller. Der Stadtrat votierte einstimmig für die Durchführung des Bauleitverfahrens.

Auch die Stadt möchte mit der Nutzung von erneuerbaren Energien etwas für den Klimaschutz tun. Vom Institut für Energietechnik hat sich die Kommune hinsichtlich der Errichtung von PV-Anlagen auf den Dächern der Kläranlagen in Auerbach und Michelfeld beraten lassen. Dabei wurden vor allem das Potenzial der Dachflächen und die Wirtschaftlichkeit untersucht. Die Berater kamen zu dem Ergebnis, dass die Nutzung der Dächer empfohlen werden kann. Wirtschaftlich wäre vor allem die Eigenstromnutzung, da die Anlagen viel Strom verbrauchen. Für die Auerbacher Anlage müssen pro Jahr 321000 Kilowattstunden (kWh) Strom gekauft werden, in Michelfeld sind 106000 kWh nötig. Die nötigen Investitionen würden sich in zehn bis zwölf Jahren bezahlt machen. In Auerbach stehen ein Betriebsgebäude und das Technikgebäude mit zusammen 210 Quadratmetern Dachfläche zur Verfügung. In Michelfeld hat das Dach 100 Quadratmeter. Für Auerbach errechneten die Fachleute einen Eigenverbrauchsanteil von 97 Prozent, in Michelfeld liegt der Wert sogar bei 100 Prozent.

Sinnvoll

Die CSU befürworte die Investition und sei froh, damit auch etwas für den Klimaschutz zu tun, meinte Sprecher Herbert Appl. Im Finanzausschuss seien immer hohe Stromkosten für die Kläranlagen festgestellt worden. Entsprechend sinnvoll seine die PV-Anlagen.

Auch Bernd Scheller (Grüne) betonte den Handlungsbedarf und sah klare Vorteile in der Zusammenarbeit mit dem "Institut für Energietechnik". Siegfried Neukam (CSU) wies auf das Blechdach in Michelfeld hin, das Fachleute für die Montage erfordere. Der Stadtrat befürwortete PV-Anlagen auf den Dächern der beiden Kläranlagen. Die Verwaltung wurde beauftragt, entsprechende Angebote einzuholen.

BRIGITTE GRÜNER

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