Montag, 26.10.2020

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Auerbach: Viel Redebedarf beim Online-Infotermin der Bahn

Beim Online-Infotermin zur geplanten Stromtrasse machte die Bahn den Bürgern nicht nur Hoffnung - 14.10.2020 14:55 Uhr

Die Bahn fährt – wie hier zwischen Neuhaus und Ranna – noch mit Verbrennungsmotoren. Die geplante Elektrifizierung mache eine Stromtrasse erforderlich, die auch durch Auerbacher Gebiet führt.

© Foto: Marion Fink/DB Netz AG


Das Wichtigste für viele Menschen war die Aussage, dass die Trasse keine Wohnhäuser überspannen wird. Wer auf eine Erdverkabelung gehofft hatte, wurde jedoch enttäuscht. Diese sei aus physikalischen Gründen allenfalls auf ganz kurzen Teilstrecken möglich. Ansonsten würde unter Umständen das gesamte deutsche Bahnstromnetz nicht mehr zuverlässig arbeiten, hieß es.

Auch eine Angleichung der Frequenz – die öffentliche Stromversorgung nutzt 50 Hertz, die Bahn nur 16,7 Hertz – sei nicht möglich, da diese geringe Frequenz seit 100 Jahren verwendet werde und der gesamte Bahnverkehr in Deutschland, Österreich und der Schweiz darauf ausgerichtet sei. Fakt ist aber auch, dass bislang noch keine Trasse beschlossen wurde. Vielmehr gibt es einen Vorschlag der Deutschen Bahn sowie Änderungswünsche und Gegenvorschläge der Anrainer-Gemeinden. Diese werden aktuell von den Planern der Bahn geprüft.

Drei Vorschläge der Stadt

Die drei Vorschläge, die von der Stadt Auerbach eingereicht worden waren, wurden während des Online-Termins diskutiert. Die erste Variante verlaufe entlang der Bahnlinie durch höchst sensible Naturschutz- und Wasserschutzgebiete. "Diese Alternative würde bei den Raumordnungsbehörden kein Gehör finden", sagte Martin Piech von der DB Energie.

Auch die weitere vorgeschlagene Trassenführung, die weit an den Bereichen Rosenhof und dem Gewerbegebiet Saaß vorbei führen würde, bezeichnete Piech als nicht zielführend. Mit dem Vorschlag aus Auerbach, die Trasse weiter westlich vom Wohngebiet Rosenhof zu bauen, war der Bahnmitarbeiter aber einverstanden. Eine mögliche Erweiterung des Siedlungsgebietes und ein landwirtschaftliches Gehöft sollen nicht beeinträchtigt werden. Stattdessen könnte die Trasse rund 900 Meter durch ein Waldstück geführt werden.

Drei Masten wären wohl dafür notwendig, so Piech. Der Sprecher der DB Energie sprach auch über das im Stadtrat angesprochene "Autotransformer System" zur Elektrifizierung der Bahn. Dieses funktioniere nur bei kürzeren, eingleisigen Strecken mit möglichst "dicken" Einspeisepunkten am Start und Ziel. Im Pegnitztal sei das rein physikalisch nicht machbar.

Pro Strommast sind laut Piech neun Quadratmeter Grundfläche nötig, die betoniert werden. Der Abstand zwischen den Masten sei durchschnittlich 300 Meter lang. Die Maststandorte bleiben im Eigentum des Grundbesitzers, der dafür entschädigt werde. Eine dingliche Sicherung im Grundbuch sei üblich. Eine landwirtschaftliche Nutzung der Flächen zwischen den Masten sei weiter möglich. Die Hauptargumente für die Elektrifizierung der Bahnstrecke, die von der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde, nannte Matthias Trykowski, der zuständige Leiter für den Bahnausbau Nordbayern: Bislang fahre die Bahn mit Dieselloks, der Umstieg auf Elektroantrieb sei vor allem aus Klimaschutzgründen gewünscht.

100 000 Tonnen CO2 weniger

100 000 Tonnen Kohlendioxid können mit E-Loks pro Jahr eingespart werden. Auch solle nach dem Ausbau mehr Güterverkehr auf die Schiene verlagert und der Nahverkehr ausgebaut werden. Trykowski sprach unter anderem eine S-Bahn bis Neuhaus/Pegnitz an.

Viele Fragesteller hatten sich gescheut, ihren wahren Namen anzugeben und sich stattdessen als "Anonymous" eingetragen. Einige Bürger fragten, ob eine andere Technik für den Zugantrieb möglich wäre. Auch das Gefühl, dass die Natur mehr geschützt werde als die Menschen, artikulierte so mancher Fragesteller. Mit wenigen Ausnahmen wurden die Bürgerfragen erst im Laufe der Online-Diskussion gestellt.

Ein optimierter Entwurf für die Bahnstromtrasse soll Ende 2020 veröffentlicht werden. Bewertet werden die Trassenvorschläge im Verlauf eines Raumordnungsverfahrens, das voraussichtlich 2021 über die Bühne gehen soll. In diesem Verfahren urteilen die beteiligten Bezirke Ober- und Mittelfranken sowie die Oberpfalz über die Machbarkeit des Trassenentwurfs. Erst danach wird die Detailplanung gemacht, und das Planfeststellungsverfahren läuft an.

INFOFragen oder konstruktive Vorschläge können in einer telefonischen Sprechstunde der Bahn geäußert werden. Viele Informationen – auch die Aufzeichnung des Online-Termins für Auerbach – gibt es unter www.bahnausbau-nordostbayern.de

BRIGITTE GRÜNER

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