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Auerbacher Bergpensionistenbund endgültig aufgelöst

Grund waren die stark gesunkenen Mitgliederzahlen - 01.03.2021 17:38 Uhr

Fritz Raß (links) war der letzte Vorsitzende der Auerbacher Bergpensionisten. Rechts Andreas Wilhelm, der Vorsitzende des Bergknappenvereins.

01.03.2021 © Foto: Sandra Raß


Ein Schritt, der nicht leicht gefallen ist, aber auch absehbar war. Da es seit 1987 in Auerbach keinen Bergbau mehr gibt, kommen keine neuen Mitglieder zum Pensionistenbund dazu. Vor 30 Jahren wurde der Verein gegründet. Damals waren viele ehemalige Kumpels von der Idee angetan, sich nach der aktiven Arbeitszeit weiterhin regelmäßig mit den früheren Kameraden zu treffen.

Zweck des Pensionistenbundes war es, Kameradschaft und Geselligkeit durch häufige Zusammenkünfte zu pflegen und zu fördern, die noch fernstehenden Pensionisten in den Bund aufzunehmen und die Mitglieder des Bundes soweit wie möglich in wirtschaftlichen und sozialen Belangen zu beraten. So steht es schwarz auf weiß in der Satzung.

Da es nun zwangsläufig keine Neuaufnahmen mehr gibt, und die Treffen – auch coronabedingt – nur noch mit vier bis fünf Pensionisten stattfanden, kam man zum Entschluss, den Verein aufzulösen. Durch etliche Telefonate und ein Rundschreiben vom Vorsitzenden Fritz Raß wurden alle Mitglieder gefragt, ob sie mit der Auflösung einverstanden seien. 28 ehemalige Kumpels gehörten den Bergpensionisten zuletzt noch an. Viele der früheren Mitglieder sind im Laufe der vergangenen 30 Jahre verstorben.

Das Vereinsvermögen wurde wie vom Vorsitzenden vorgeschlagen an den Bergknappenverein Auerbach überwiesen.

Die Bergpensionisten trafen sich über Jahrzehnte jeden ersten Mittwoch um 14 Uhr in einem anderen Gasthaus. Die Termine für die Wanderkneipen wurden immer bei der Jahresversammlung im Januar festgelegt und bekanntgegeben. Berücksichtigt wurden alle Gasthäuser in Auerbach, Nitzlbuch, Degelsdorf, Michelfeld und am Sand. Geregelt war auch, dass sich die Wanderkneipe um einen Tag verschob, falls am ersten Mittwoch im Monat ein Bergmann zu Grabe getragen werden musste.

Bei der Gründung 1990 wurde als Vorsitzender Hans Baumann gewählt. 57 Mitglieder waren in der Hochhaus-Gaststätte in Auerbach anwesend und riefen den Pensionistenbund ins Leben. Zweiter Vorsitzender wurde damals Hans Lehner.

Erstes Bergfest

1993 wurde Michael Wolf der Vorsitzende und Hans Baumann sein Vertreter. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein 125 Mitglieder. Im Jahr 1993 feierten die Bergpensionisten auch das erste Mal zusammen mit dem Bergknappenverein Auerbach das Bergfest. Auch schöne und interessante Tagesfahrten wurden unternommen. 1994 waren die früheren Kumpels viel unterwegs. Sie besichtigten den Franz-Josef-Strauß-Flughafen in München und besuchten im November desselben Jahres Pfarrer Hermann Spies in Oberasbach.

Der Geistliche hatte als Student in der Grube mitgearbeitet. Er war Mitglied der Bergpensionisten. Auch die Audi-Werke in Ingolstadt und das Auto-Technik Museum in Sinsheim wurden besichtigt. 1996 gab es die erste Faschingsfeier in der Hochhausgaststätte in Auerbach.

Die Wanderkneipen wurden von durchschnittlich 53 Kollegen besucht. Besonders beliebt war das Schafkopf-Karteln; oft saßen vier bis fünf Runden zusammen. Im August 1997 wurde der Pensionistenbund der Gruben Maffei-Leonie in der Gaststätte "Vogl Max" umbenannt in den Bergpensionistenbund der ehemaligen Eisenerzgruben Maffei-Leonie Auerbach/Opf. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf zwölf Mark festgelegt.

1999 wurde Fritz Raß zum zweiten Vorsitzenden gewählt, da der bisherige Stellvertreter Hans Baumann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidierte. Dass Bergleute treu, genügsam und pflegeleicht sind, beweist die Tatsache, dass in jedem Jahr zu vielen Goldenen Hochzeiten mit einem Präsentkorb gratuliert wurde. Im Jahr 2000 gehörten 125 Mitglieder dem Bergpensionistenbund Auerbach an. 2003 nahmen die Pensionäre mit ihren Frauen auch erstmals auf dem auf Maffei stattfindenden Bergfest teil.

2007 wurde Fritz Raß als Vorsitzender gewählt. Bis dahin hatte sich die Mitgliederzahl bereits auf 92 verringert. Im Jahr 2011 wurden die monatlich von Edi Rauch organisierten Wanderungen eingestellt, da die Beteiligung zu gering war. Das Durchschnittsalter der Bergpensionisten war damals 78 Jahre. 2015 waren noch 58 Mitglieder gelistet; davon waren durchschnittlich noch 22 Personen bei den monatlich stattfindenden Wanderkneipen anwesend. In den letzten Jahren kam im Dezember beim Deml zur letzten Wanderkneipe des Jahres auch immer der Nikolaus und beschenkte die fleißigen Wanderkneipenbesucher.

Keine Jahresbeiträge mehr eingezogen

Leider gingen aufgrund des zunehmenden Alters der Mitglieder die Zahlen der Teilnehmer an den Wanderkneipen so drastisch zurück, dass es mittelfristig keine Alternative zur Auflösung gab. Für das Jahr 2021 wurden keine Jahresbeiträge mehr eingezogen.

Viele schöne Stunden verbrachten die ehemaligen Bergleute miteinander, aber auch ohne den Bergpensionistenbund bleibt die Kameradschaft der Kumpels erhalten.

SANDRA RAẞ

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