Montag, 01.06.2020

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Auerbacher Feuerwehren warten auf Schutzausrüstung

Nicht alle Feuerwehren sind in der Coronakrise bisher mit der nötigen Materialien ausgestattet. - 09.04.2020 07:55 Uhr

Infektionsschutzanzüge und FFP2-Masken gehören seit einigen Tagen zur Standardausstattung der Feuerwehr Neuhaus. Die Wehr hat sehr schnell reagiert und Schutzmaßnahmen für die Kameraden ergriffen. © Foto: Roland Löb


Nicht nur Mitarbeiter im Gesundheitsbereich warten laufend auf Schutzausrüstung. Auch die Feuerwehren sind angehalten, bei allen Einsätzen hochwertigen Mundschutz zu tragen und Geräte zu desinfizieren. Während die Neuhauser Wehren ausgestattet sind, warten die Kameraden der Auerbacher Ortswehren noch.

Während Tag für Tag die Zahl der Infizierten in der Region zunahm, wuchsen auch die Besorgnis und die Unruhe bei den Kommandanten, die bislang vergeblich auf Schutzausstattung für ihre Aktiven gewartet haben. "Der Unmut der Ortsteil-Wehren wird seit einigen Tagen immer größer", erklärte Kommandantensprecher Stefan Egerer am vergangenen Wochenende auf Nachfrage.

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Bereits nach den ersten Empfehlungen vor rund 14 Tagen haben die Wehren versucht, ein Mindestmaß an Ausstattung zu bekommen. "Bei Unfällen und anderen Schadensereignissen stehen wir als Ehrenamtliche meistens als Erste an vorderster Front und haben keinerlei Schutzausrüstung!" Ende März wurde bei der Stadt, die für die Ausstattung der Feuerwehren zuständig ist, nochmals nachgefragt.

Der Landesfeuerwehrverband Bayern informiert die Aktiven regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen. Gefordert werden ein grundsätzliches Tragen eines Mundschutzes (mindestens FFP 2) im Einsatz sowie das Tragen von Einweghandschuhen unter den Einsatzhandschuhen. Ebenso gibt es auf der Internetseite des Verbands Richtlinien für die Reinigung und Desinfektion der persönlichen Ausrüstung und der Geräte, besonders der Funkgeräte.

Ein Fläschchen Desinfektionsmittel reicht dafür nicht aus. Bereits Ende März hat daher ein Nitzlbucher Kamerad angeboten, über seinen Arbeitgeber einige Kanister für die Ortswehren zu besorgen.

Einzelne Wehren haben wohl etwas auf eigene Rechnung bestellt, meint Egerer. "Würde man die Regelungen streng auslegen, sind derzeit sieben von acht Feuerwehren im Stadtgebiet nicht einsatzbereit", bedauerte der Kommandant aus Ranna am Sonntag. Am Tag darauf erfuhr er aus dem Rathaus, dass endlich eine Lieferung erwartet wird und alle Ortswehren in den nächsten Tagen mit einem Mindestmaß an Schutzausrüstung ausgestattet werden. "Dann sind alle Wehren wieder voll einsatzbereit", freute sich Stefan Egerer.

Besonders schnell hat die Führung der Feuerwehr Neuhaus reagiert. Es gebe eine klare Empfehlung vom Bundesfeuerwehrarzt, die von der Kreisbrandinspektion an die Wehren weitergeleitet wurde. Neuhaus habe diese Empfehlung zügig umgesetzt, erklärte Kommandant Thomas Kulacz. Es wurden die vorhandenen Infektionsschutzanzüge aufgestockt und weitere Korbschutzbrillen besorgt. Zusätzlich wurde ein angemessener Bestand an Desinfektionsmittel angelegt und für jede Einsatzkraft eine FFP2-Maske beschafft. "Zum anderen versuchen wir den Personaleinsatz so gering wie möglich zu halten. Bei bestimmten Alarmstichwörtern — wie Ölspur oder Türöffnung — rückt eine verminderte Truppanzahl aus." Um zu viel Nähe zu vermeiden, werde bei kleineren Einsätzen nicht zwingend notwendiges Personal wieder zurück geschickt. Das Wichtigste für Kulacz ist: "Jeder Aktive hat im Einsatz ab dem Ausrücken und im Bereitstellungsfall seine Schutzmaske zu tragen." Die Kosten für die zusätzliche Ausstattung habe die Marktgemeinde als Sachaufwandsträger übernommen.

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Insgesamt wurden bisher rund 2000 Euro für alle Ortswehren ausgegeben, schätzt der Kommandant der Stützpunktwehr. Hinsichtlich der Lieferzeit spricht Kulacz von Glück. "Innerhalb von zwei Wochen war das Material vor Ort. Müssen wir nochmals bestellen, kann es durchaus länger dauern."

Um die Feuerwehr Auerbach weiterhin einsatzbereit zu halten, rückt auch diese nur noch mit einer Mindeststärke an Einsatzkräften im Fahrzeug sitzend aus, erklärt Kommandant Sven Zocher. So könne der Abstand im Inneren vergrößert werden. Weitere Fahrzeuge und Aktive werden erst nach Anforderung gezielt eingesetzt.

"Da die Feuerwehr Auerbach eine der wenigen Wehren im Landkreis Amberg-Sulzbach mit Zusatzausrüstung für den Chemieschutz ist, sind wir bereits mit einem Grundstock an Schutzausrüstung ausgestattet." Die Einsatzhygiene — Hände mit Seife waschen, Abstand halten und Reinigung der Einsatzkleidung — sei bei Einsätzen im Bereich Chemieschutz verpflichtend, und werde wegen der Corona-Pandemie nun auch für Einsätze im Standardbetrieb gefordert.

Desinfektionsmittel für unterwegs

"Eine kleine Menge an Desinfektionsmittel haben wir immer für die Gerätschaften und Hände dabei", so Zocher. Bei Einsätzen zur Unterstützung des Rettungsdienstes – besonders bei Covid-19-Verdacht – halte dieser eine eventuell notwendige Schutzkleidung für die aktiven Feuerwehrleute parat.

Der Umgang und die Handhabung der Schutzausrüstung werden bei der Auerbacher Wehr immer wieder geschult.

"Ab Januar hatten wir uns intensiv mit dem Thema ABC-Schutz und der Dekontamination mit allen notwendigen Maßnahmen in sieben Übungen auseinandergesetzt", berichtet der Kommandant. "Somit sollten unsere Aktiven gut auf eventuell anstehende Einsätze vorbereitet sein."

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BRIGITTE GRÜNER

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