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Auerbacher Leerstandsmanager soll für attraktives Stadtbild sorgen

Als eine der ersten Kommunen in Bayern beschäftigt Auerbach einen Leerstands-Manager. - 12.02.2020 15:55 Uhr

Tim Schmiedl, Mitarbeiter im Bauamt der Stadt, werden die Bürger künftig öfter in Auerbach treffen. Er ist im Rathaus für das Leerstands-Management zuständig und erfasst freie Wohn- sowie Gewerbeflächen. © Foto: Brigitte Grüner


Schmiedl hat sich bereits gut eingearbeitet. Erst im September vorigen Jahres schloss er seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten ab. Gleich danach stürzte er sich mit Feuereifer in die Thematik "Leerstandsmanagement" und arbeitete sich sukzessive ein. Auf Dauer gesehen wird die Aufgabe wohl keine Vollzeitstelle sein, doch besonders zu Beginn musste der junge Mann viel Zeit investieren.

Wenn alle Daten erfasst sind, wird er verstärkt Aufgaben im Bereich der Bauverwaltung mit übernehmen. Sein Ressort Leerstandsmanagement ist ohnehin Stadtbaumeisterin Margit Ebner unterstellt. Zum Erfassen und Verwalten der Leerstände nutzt die Stadt das Programm "Objektmanager" der Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (kurz AKDB). Dieses ermöglicht über eine Schnittstelle einen Abgleich mit dem Einwohnermeldeamt.

Wenn Bürger eine neue Adresse angeben oder von Auerbach wegziehen, weist das Programm automatisch auf eine frei gewordene Wohneinheit hin. Auch ungenutzte Gewerbeflächen werden von Tim Schmiedl erfasst. Nach der Erfassung beginnt die Detailarbeit. Es werden Fotos gemacht, Nutzfläche und Grundriss notiert und über mögliche Nachfolgenutzungen nachgedacht.

Im Idealfall sollen Eigentümer und Interessenten zusammengebracht werden, erklärt der Bürgermeister. Manchmal komme es auch vor, dass die Stadt vorab über einen geplanten Gebäudeverkauf informiert werde und darauf reagieren kann. Das Programm der AKDB wird in wenigen Wochen erweitert und ermöglicht dann auch Serienbriefe an die Eigentümer von Immobilien, skizziert Schmiedl. Diese neue Möglichkeit will er nutzen, um aktiv auf die Eigentümer zuzugehen.

Joachim Neuß ist sich dabei ebenso wie sein Leerstandsmanager bewusst, dass nicht jeder Eigentümer ein Vermitteln der Stadt möchte. "Einige kümmern sich selbst um ihre Immobilie oder entscheiden gleich, keine Nachfolgenutzung anzustreben."

Dennoch dürfte dem jungen Angestellten, der das Angebot des Bürgermeisters nach kurzer Bedenkzeit angenommen hat, die Arbeit nicht ausgehen. Auch die anderen Gemeinden innerhalb der Arbeitsgemeinschaft FrankenPfalz haben ähnliche Probleme und seien durchaus interessiert daran, ihre Leerstellen besser in den Griff zu bekommen. Die Neufassung des gemeinsamen integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) greife ebenfalls das Leerstandsmanagement als Tätigkeitsschwerpunkt auf, berichtet der Rathauschef. Es sei nicht auszuschließen, dass auch die anderen FrankenPfalz-Kommunen mittelfristig auf die Erfahrung der Auerbacher Stadtverwaltung zurückgreifen werden.

Die nächsten Schritte von Tim Schmiedl sind bereits vorgegeben. Nachdem die Leerstände nun im Programm erfasst sind und nur noch Veränderungen eingepflegt werden müssen, kann die Detailarbeit beginnen. Dabei wird er nach einer im Rathaus besprochenen Prioritätenliste vorgehen und die Entwicklungspotenziale für vorhandene Leerstände ermitteln. Die Stadt wolle nicht als Makler auftreten, betont Bürgermeister Neuß. Es gehe vor allem darum, den optischen Verfall zu verhindern.

Ziel ist es, bei Nachfragen entsprechende Vorschläge machen zu können. Wird beispielsweise ein Büroraum gesucht, kann die Stadt in ihren Daten nachsehen, welche Immobilie dafür in Frage kommt. Ein aktives Anbieten von Geschäftsräumen soll mittelfristig auch auf einer elektronischen Plattform im Internet möglich gemacht werden. Neuß betont, dass das Leerstandsmanagement eine freiwillige Aufgabe der Stadt ist. Wenig Leerstände seien ein lohnenswertes Ziel, das nur möglich sei, wenn sich jemand aktiv darum kümmert.

Gesucht werde vor allem Wohnraum. Der Bürgermeister geht davon aus, dass in Auerbach in den kommenden Jahren rund 100 neue Wohnungen entstehen. Ein Projekt, das dazu beitragen soll, ist die "Vitale Vorstadt". Mögliche Investoren würden zwar gerne bauen, schreckten aber vor Abbruch und Baugrundstabilisierung zurück. Neuß geht davon aus, dass noch heuer mit Hilfe von Förderprogrammen der Baugrund in der Unteren Vorstadt freigemacht werden kann. Danach entscheide der Stadtrat über den Investor für neuen Wohnraum.

BRIGITTE GRÜNER

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