Zeitreise in die 50er und 60er

Auerbacher Sonderausstellung erweckt nostalgische Gefühle

4.10.2021, 12:00 Uhr
Durch das Flair der 50er- und 60er Jahre besticht die neue Sonderausstellung im „museum34“. Wählscheibentelefon, Schallplatten und Fernsehgerät dürfen nicht fehlen.

Durch das Flair der 50er- und 60er Jahre besticht die neue Sonderausstellung im „museum34“. Wählscheibentelefon, Schallplatten und Fernsehgerät dürfen nicht fehlen. © Foto: Brigitte Grüner

"Ich hatte das Gefühl, jetzt komm‘ i hoam", sagt die Museumsleiterin. Die Ausstellung "Wirtschaftswunderjahre – Aufbruch in goldene Zeiten" gefällt durch ihre Authentizität. Besonders die ausgestellten Möbel wirken wie damals bei den Eltern oder wie bei Oma und Opa. Eindrücke aus Zeiten, in denen man sich gegenseitig half. Zeiten, die Gemeinsinn vor Egoismus stellten.

Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs packten die Menschen an. Die Männer arbeiteten in Fabriken oder – wie in Auerbach – im Bergbau, um den Familien ein Auskommen zu sichern, während die Frauen zuhause am Holzofen kochten oder mit dem Waschbrett die Wäsche sauber machten. Komfortable Küchengeräte sowie Radio und Fernsehgeräte kamen nach und nach; auch das Eigenheim wurde für viele Menschen zur Realität. Babyboom, Petticoat, Rock‘n‘Roll, die Jukebox, die "beim Femmino in der Eisdiele für 10 Pfennige das Wunschlied spielte", der Tanz im "Café de la Musica" und vieles mehr machte diese Zeit des Wirtschaftswunders aus.

Ringl griff bei dieser Sonderausstellung auf viele Leihgaben zurück und hatte weit mehr Möbelstücke, Accessoires und Ausstattung bekommen als das "museum34" Platz bietet. Zwei Tage vor der Vernissage sei noch alles voll gestanden, weil erst im letzten Moment entschieden wurde, welche Möbel ausgestellt, und welche zunächst eingelagert werden, erzählt sie. Ohne Archivarin Doris Bundscherer, Tina Lehner vom Stadtmarketing und Bürgermeister Joachim Neuß (FW/AA) – diese beiden hatten die Infotafeln gestaltet – und erst recht nicht ohne Hilfe der Männer vom Bauhof wäre die Präsentation nicht rechtzeitig fertig geworden.

Eine mehrjährige Arbeit

Im Beisein von geladenen Gästen wurde die Sonderausstellung nun eröffnet. Für die Museumsleiterin steckt eine mehrjährige Arbeit dahinter: Objekte sammeln, beschriften und letzten Endes zu einer sehenswerten Ausstellung zusammenstellen, erfordert Zeit, Kreativität und Organisationstalent.

Rudolf Weber (links) kann jedes der alten Bilder im Fotobuch genau erklären und hatte aufmerksame Zuhörer.

Rudolf Weber (links) kann jedes der alten Bilder im Fotobuch genau erklären und hatte aufmerksame Zuhörer. © Foto: Brigitte Grüner

Präsentiert werden nicht nur Erinnerungsstücke aus der "guten, alten Zeit", sondern auch Fotos, die Auerbacher zur Verfügung gestellt haben. Das "Titelbild" der Schau zeigt ein Auerbacher Baby namens Klaus G. im Korb-Kinderwagen. Die Familie hat ihre privaten Bilder dem Stadtarchiv übergeben. Andere Bürger steuerten Mobiliar und Accessoires bei, die sie zuhause aufbewahrt hatten. Ein Wählscheibentelefon war dabei, alte Schallplatten, ein Backbuch aus den 60er-Jahren und waschbare Damen-Binden. Helmut Sebald aus Sand hat sein NSU-Motorrad beigesteuert.

Die Sonderausstellung ist nicht nur für Menschen, die sich gerne an früher erinnern, sehenswert. Sie gibt einen Eindruck von der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, von den sich verbessernden Lebensbedingungen, von steigendem Wohlstand und dem ersten Luxus, den sich die Menschen gönnten. Ergänzend finden sich gedruckte Informationen über die Entwicklung der Stadt Auerbach in der Nachkriegszeit, zusammengestellt von Chronist Rudolf Weber. Die Ausstellung zeigt die positive Entwicklung Auerbachs in den 50er- und 60er Jahren, lenkt aber auch den Blick auf weltweite Ereignisse.

INFODie Schau kann zu den Öffnungszeiten des Bürgerhauses werktags von 9 bis 17 Uhr und samstags bis 12 Uhr besucht werden.

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