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Auf Spuren der Wölfe: Forscher bald im Veldensteiner Forst unterwegs

Ein bundesweit einzigartiges Projekt soll ermitteln, wie sich die Raubtiere und das Wild beeinflussen. Noch ist es Theorie. - 02.06.2020 22:55 Uhr

Wölfe aus dem Rudel im Veldensteiner Forst bewegen sich in einem Umkreis von 200 Kilometern. Diese Aufnahme von Jungtieren wurde von einer Wildkamera im Veldensteiner Forst gemacht.


"Wir brauchen gerade im Bereich der Jagd weitere Untersuchungen. Wir möchten besser verstehen, wie sich die Anwesenheit des Wolfs auf das Verhalten und die Lebensraumnutzung von Hirsch, Reh und Wildschwein auswirkt", so die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber.

Wissenschaftler der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) werden diese Aspekte im Veldensteiner Forst untersuchen und erhoffen sich daraus wichtige Erkenntnisse für die Beziehung von Wolf und Wild in ganz Bayern. Noch ist es aber nicht so weit.

"Das Projekt gibt es bislang nur auf dem Papier", sagt Sebastian Bäumler, Revierleiter Veldensteiner Forst. Ein Treffen mit Vertretern des LWF hat aufgrund von Corona noch nicht stattgefunden.

Bäumler kümmert sich beim Forstbetrieb Pegnitz um das Wolfsmonitoring. Er rechnet damit, dass es Mitte oder Ende Juni zu diesem geplanten Treffen kommen könnte und er sowie seine Mitarbeiter in das Projekt stark miteinbezogen werden: "Klar, wir kennen uns doch vor Ort aus."

So weiß Bäumler, dass es seit 2017 wieder Wölfe in seinem etwa 6000 Hektar großen Waldgebiet gibt. Im April vor drei Jahren wurde dort der erste Wolfsriss gefunden.

Bäumler stellte Wildkameras auf, momentan sind vier im Einsatz. 2018 gab es den ersten Wurf mit fünf, 2019 den zweiten mit vier Jungtieren. Der Revierleiter glaubt, dass es in diesem Frühjahr den dritten Wurf gegeben haben könnte, doch noch hat sich kein Neugeborenes vor den Kameras gezeigt.

Aus den in drei Jahren gesammelten Erkenntnissen kann Bäumler sagen: "Die Beziehung Wolf und Nutztierhalter hat viel höheres Konfliktpotenzial. Die Wölfe und das Wild vertragen sich recht gut." Er betont aber, dass es sich dabei um eine subjektive Einschätzung handelt — das Projekt soll nun zeigen, ob daraus eine objektive wird. Bäumler ist gespannt: "Es gibt so vieles, was wir noch nicht wissen. Verändert sich das Verhalten zueinander über die Jahreszeiten? Vielleicht sucht das Wild andere Plätze auf als wenn der Wolf nicht da wäre?"

Auch wenn sich hier andere Medien auf eine genaue Zahl festlegen, ist es laut Bäumler nicht klar, wie viele Wölfe derzeit im Veldensteiner Forst leben. "Drei bis acht", lautet seine Schätzung, "das kann sich von heute auf morgen ändern." Schließlich bewegen sich die Wölfe im Rudel des Veldensteiner Forstes auch in 200 Kilometern Umkreis des Waldgebiets.

Oder die Wölfe verlassen das Rudel, zumindest zeitweise. Mit Sicherheit kann Bäumler sagen, dass es sich bei dem im April bei Neu-Ulm überfahrenen Wolf um ein Jungtier aus einem Wurf im Veldensteiner Forst gehandelt hat. "Das hat die genetische Untersuchung ergeben."

Dass der am 13. Mai bei Pressath überfahrene Wolf ebenfalls aus dem Veldensteiner Forst stammt, hält Bäumler für möglich, doch die genetische Untersuchung steht noch aus.

 

MARCEL STAUDT

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