Aus für Erdgas-Speicher in Eschenfelden

16.3.2021, 11:55 Uhr
Der Betreiber Uniper Energy Storage GmbH aus Düsseldorf und die Nürnberger N-Ergie planen, den Gasspeicher nicht weiter zu nutzen und endgültig stillzulegen. Die nicht mehr benötigten ober- und untertägigen Bereiche und Anlagenteile (Bild) sollen zurückgebaut werden.

Der Betreiber Uniper Energy Storage GmbH aus Düsseldorf und die Nürnberger N-Ergie planen, den Gasspeicher nicht weiter zu nutzen und endgültig stillzulegen. Die nicht mehr benötigten ober- und untertägigen Bereiche und Anlagenteile (Bild) sollen zurückgebaut werden. © Foto: Jürgen Leißner

Dies geht aus dem Abschlussbetriebsplanantrag vom 11. Dezember 2020 an das Bergbauamt Nordbayern hervor, der im Gemeinderat Hirschbach behandelt wurde und zu dem die Gemeinde ihr Einvernehmen erteilte.

Begonnen hat der Aufbau des Speichers mit den damaligen ersten Untersuchungsbohrungen an der Station Esch 1, die im Jahr 1964 vom damals künftigen Betreiber, der Ruhrgas AG, beauftragt wurden. Nach dem Ansetzen der zweiten Bohrung im Jahr 1967 (Esch 2) wurden in rascher Folge die Bohrungen Esch 2, Esch 3, Esch 4 und Esch B 2 abgeteuft. Im Laufe der Jahre sind weitere 13 Bohrungen niedergebracht worden, davon elf als Injektions- und Entnahmesonden und zwei als randliche Beobachtungsbohrungen.

Der Speicher Eschenfelden liegt geologisch an der Süddeutschen Scholle, die im Osten durch die Böhmische Masse, im Norden durch die Thüringische Scholle, im Westen durch den Oberrhein-Graben und im Süden durch das Alpen-Karpaten Tektogen begrenzt wird. Der geologische Bau im Bereich der Struktur um Eschenfelden ist durch Tiefbohrungen bis zu einer Tiefe von 720 Meter aufgeschlossen.

Nach Errichtung der Übertagespeicherstation und der Gasleitungsanschlüsse wurde 1967 mit der Befüllung des Speichers zunächst mit Kokereigas aus dem Ruhrgebiet begonnen. Bereits Mitte 1970 betrug der Speicherinhalt 158 Millionen Kubikmeter.

Tagelanger Einsatz

Im September 1970 kam es an der Bohrung der Esch 1 zu einem "Blow-Out" (wir berichteten zum Jahrestag). Bei Instandsetzungsarbeiten erfolgte ein unkontrollierter Gasaustritt, der sich entzündete und einen tagelangen Einsatz für Feuerwehren aus ganz Deutschland nötig machte. Nach sechs Tagen gelang es den Rettungskräften um den extra aus Texas eingeflogenen damaligen "Helden" Red Adair mit einer Schwerspatlösung die Bohrung "tot zu pumpen".

Zeitzeugen berichten bis heute vom größten Brand im Schutzgebiet der Feuerwehr Eschenfelden. Ab 1971 wurde der Speicher auf Erdgas umgestellt. In den folgenden Jahren wurde der Speicher weiter ausgebaut, bis der Ausbau mit der Speicherfüllung 1987 und einem maximalen Gasinhalt von 247 Millionen Kubikmeter abgeschlossen war. Die Speicherung unterscheidet sich in 167 Millionen Kubikmeter Arbeitsgas und 95 Millionen Kubikmeter Kissengas.

Der Speicher in Eschenfelden wurde überwiegend als saisonaler Speicher eingesetzt und deshalb zu Beginn der Ausspeicherperioden im Winter meist auf den maximal zulässigen Füllstand gebracht. Das ausgespeicherte Volumen variierte bedarfsbedingt dabei von Jahr zu Jahr.

Die Beendigung der kommerziellen Speicherung von Erdgas erfolgt bis zum Ende der Vertragslaufzeit im März 2021. Bis dahin werden alle Kunden der Uniper ihr Gas entnehmen, dies sind derzeit noch etwa 175 Millionen Kubikmeter. Im Anschluss an die vollständige Entnahme des Arbeitsgases werden die Obertageanlagen für die Förderung des Kissengases angepasst, dessen Förderung Anfang 2022 erfolgen soll. Verbleiben wird Untertage eine nicht förderbare Restmenge des Bodenschatzes, die sich nach Prognoseberechnungen auf etwa 100 Millionen Kubikmeter beziffert.

Rückbau über Tage

Einige Anlagenkomponenten wurden bereits im April 2018 außer Betrieb genommen. Ein Rückbau der weiteren Anlagekomponenten erfolgt sukzessive. Verfügbar bleiben lediglich die Komponenten, die für die weitere Tätigkeit im Rahmen der Stilllegung benötigt werden. Nach Abschluss der Entnahme des Kissengases voraussichtlich im Jahr 2024 sollen die restlichen Anlagen dann bis Ende des Jahres 2026 zurückgebaut werden.

Im Jahr 2027 soll dann noch der Rückbau der außenliegenden Bohrplätze erfolgen. Diese sollen unter Tage in den Jahren 2023 bis 2026 verfüllt werden. Eine Nachnutzung von Teilen der Infrastruktur, wie Werkstattgebäude, Garagen und Verwaltungsgebäude, durch lokale Interessenten werden beim Rückbau berücksichtigt.

Anlagenteile am Standort, die sich im Eigentum der N-Ergie befinden, sind vom Rückbau der Anlage ausgeschlossen. Flächen und Grundstücke, die gepachtet wurden, werden nach der Nutzung an die Eigentümer zurückgegeben. Die Grundstücke im Eigentum der Konsortialpartner werden nach der Stilllegung des Speichers veräußert.

Der Abschlussbetriebsplan der Erdgasspeicheranlage Eschenfelden wurde dem Betriebsrat der Uniper Energy Storage GmbH im Dezember 2020 vorgelegt. Aus betriebsrechtlicher Sicht gab es keine Einwände. Was aus den Angestellten am Speicher wird, ist in dem Stilllegungsplan nicht aufgeführt.

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