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Freitag, 07.08.2020

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Ausländer unerwünscht: Rassismus-Vorwürfe gegen Bayreuther Disko

Die Betreiber bezeichnen sich selbst als "keineswegs ausländerfeindlich" - 28.07.2020 10:53 Uhr

Eine Disko in Bayreuth lässt nur eine bestimmte Anzahl an Ausländern rein. Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert werden. 

© Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa


Betreibt eine Bayreuther Diskothek eine rassistische Einlasspolitik? Geht es nach Robin G. (möchte anonym bleiben), dann lautet die Antwort ganz klar "Ja".

Der 20-Jährige kam letzten Oktober für sein Studium nach Bayreuth. Zu Beginn kannte er, wie so viele Uni-Neulinge, wenige Menschen und begann, Kontakte zu knüpfen. Nach ein paar Wochen wollte er mit seinen neuen Freunden in der Bayreuther Diskothek "Breakout" feiern gehen - doch er kam nur bis zur Eingangstür. Der Rest der Gruppe wurde von den Securitys problemlos durch gelassen, nur ihm wurde der Eintritt verwehrt. Seiner Meinung nach, aufgrund seiner dunklen Hautfarbe. "Das bin ich leider auch schon aus anderen Städten gewohnt", sagt er.

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Laut eigener Aussage konfrontierte G. die Türsteher, warum sie ihn nicht rein lassen. "In einem sachlichen Ton, ich war weder angetrunken noch sonstiges", betont er. Er wollte weder den Betrieb aufhalten noch Stress anzetteln, "ich wollte einfach nur verstehen, warum ich abgewiesen werde, während meine Freunde rein dürfen", sagt er. Doch die Türsteher des "Breakout" diskutierten nicht lange und legten Robin G. nahe, das Gelände zu verlassen. Und das ist laut G. noch "freundlich ausgedrückt". Für ihn war das eine öffentliche Demütigung, wie er sie schon öfters im Nachtleben erleben musste.


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Zurück zuhause las er auf der Homepage die Einlassregeln des Clubs nach - und war schockiert. Dort stand im letzten Absatz: "Das Breakout ist keineswegs ausländerfeindlich. Da aber die Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen bestimmten Ausländergruppen stets negative Auswirkungen haben, wird am Abend nur einem gewissen Prozentsatz an bestimmten Ausländern der Einlaß gewährt und der Ausweis während des Aufenthaltes bei der Security aufbewahrt. Hier ist entscheidend, ob die Personen beim Personal bekannt sind und ob sie von der Kleidung und vom Auftreten her zu unserer Gästekultur passen."

Auf die Rassismus-Vorwürfe antworteten die Betreiber der Instagram-Seite des "Breakouts" mit Spott.

© Screenshot Instagram @wasihrnichtseht


Für Robin G. ist das blanker Rassismus an der Club-Tür und der Beweis: er wurde aufgrund seiner Hautfarbe nicht rein gelassen und wieder einmal benachteiligt. Während seiner Schulzeit, so erzählt er, war Rassismus und Diskriminierung an der Tagesordnung, damals ließ er es stillschweigend über sich ergehen. "Es wurde immer alles als Spinnerei meinerseits abgetan", sagt er. Er sprach seine ganze Jugend lang kaum von seinen Erfahrungen, "ich dachte, es würde eh keinen interessieren."

Seine Einstellung änderte sich mit dem Tod des US-Amerikaners George Floyd und den weltweiten Protesten der "Black Lives Matter"-Bewegung. Millionen Menschen demonstrieren seitdem gegen Polizeigewalt, Alltagsrassismus und Ungleichberechtigung gegenüber People of Color. Durch diese Dynamik fühlte sich Robin G. bestärkt, die Erlebnisse vor dem "Breakout" öffentlich zu machen.


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Er wandte sich via Instagram an Dominik Lucha, einem Medienmanagement Studenten aus Stuttgart, der sich auf Instagram als "schwäbisch afrokaribisch" beschreibt. Anfang Juni gründete der 29-jährige Lucha den Instagram-Kanal "Was ihr nicht seht", um den Alltagsrassismus, den schwarze Menschen in Deutschland erleben, sichtbar zu machen. Dort teilt er mehrmals täglich Zitaten und Geschichten von Betroffenen. Nach nur wenigen Wochen hat der Kanal bereits über 82.000 Abonnenten - ein Zeichen dafür, dass Robin G. mit seinen Erlebnissen nicht alleine ist.

Lucha teilte G.'s Geschichte - was dann folgte waren zahlreiche Reposts und Nachrichten, die Robin G. erreichten. Auch von Personen, die ebenfalls an Disko-Türen scheiterten, weil sie den Securitys als "zu ausländisch" erschienen. Der Zuspruch, erzählt er, war immens. "Es war schön zu sehen, wie viele Menschen es dann doch gibt, die das nicht tolerieren und akzeptieren", sagt er.

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Robin G. versuchte, mit den Verantwortlichen der Diskothek ins Gespräch zu kommen und sie auf die problematischen Passagen ihrer Einlassregeln hinzuweisen. Der Instagram-Account der Diskothek antwortet Robin G. dann auch - jedoch anders als erwartet. Von Einsicht war nichts zu spüren, der Account antwortete, er sei "hobbylos", wenn er sich über die Einlassregeln auf der Homepage aufrege. Auch Dominik Lucha schrieb der Instagram-Seite des "Breakout" und bekam ähnliche Antworten, welche er auf seinem Kanal veröffentlichte. Ob die Betreiber oder Mitarbeiter*innen G. und Lucha antworteten, ist nicht bekannt.


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Robin G. glaubt, dass die Disko-Chefs die Vorwürfe aussitzen wollen und sich deswegen nicht den Vorwürfen stellen möchten. "Es ist unglaublich, wie ignorant sie sich verhalten. Vielleicht fühlen sie sich in ihrer Engstirnigkeit unangreifbar", vermutet er. Es ist im Übrigen nicht das erste Mal, dass Rassismus-Vorwürfe gegen den Club laut werden, bereits 2013 berichtete der Nordbayerische Kurier über Rassismus-Vorwürfe gegen den Club.

Ob sich die Betreiber dazu äußern werden, da sind sich Robin G. und Dominik Lucha nicht sicher. Klar ist, dass Robin G. in Zukunft nicht mehr schweigen wird, wenn er wieder mit Alltagsrassismus konfrontiert wird. "Das haben wir nicht verdient, dass wir auf diese Art und Weise vor Clubs bloßgestellt werden", sagt er.

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Auf ihren Schildern stehen Sprüche, wie "White Silence is Violence", "I’m not black, but I will fight for you" und natürlich "Black Lives Matter". Es sind Menschen jeden Alters, Geschlechts und Hautfarbe, die am Samstagmittag auf der Wöhrder Wiese zusammengekommen sind, um gemeinsam gegen Rassismus zu protestieren. Uns haben sie von ihrer Motivation, zu protestieren und über ihre Hoffnung auf einen Wandel berichtet.


Um welche "bestimmte Ausländergruppen" es sich handelt, die "negative Auswirkungen haben" und warum die Türsteher den Ausweis einbehalten, dazu äußerten sich die Diskotheken-Betreiber auf nordbayern.de-Nachfrage bislang nicht.

Die Textpassage wurde mittlerweile von der Homepage gelöscht, auch der Instagram-Account wurde zwischenzeitlich deaktiviert. Seit ein paar Tagen ist er wieder aktiv. Viele User konfrontierten daraufhin den Club mit den Vorwürfen und verlangten eine Erklärung. Die Betreiber scheinen jedoch weiter nicht an einem konstruktiven Austausch interessiert, die Kommentarfunktion unter den Bildern wurde mittlerweile ausgeschalten.

(Hinweis: Der Artikel wurde am 28. Juli 2020 aktualisiert.)

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