Außengastronomie darf wieder öffnen: So reagierten Gastwirte aus der Region

10.5.2021, 08:55 Uhr
Das Wetter lädt zu einem Biergartenbesuch ein und Gastwirtin Andrea Späth bereitet schon mal alles vor. Wenn die Inzidenz weiter unter 100 bleibt, kann nicht nur ihr Gasthaus Peter in Horlach in den nächsten Tage die Außengastronomie öffnen.

Das Wetter lädt zu einem Biergartenbesuch ein und Gastwirtin Andrea Späth bereitet schon mal alles vor. Wenn die Inzidenz weiter unter 100 bleibt, kann nicht nur ihr Gasthaus Peter in Horlach in den nächsten Tage die Außengastronomie öffnen. © Foto: Christian Weidinger

Anna-Maria Bruckmayer sitzt gerade vor ihrem Computer, um sich nach dem aktuellen Inzidenzwert zu erkundigen, als sie die Nachricht im Radio hört: Ab dieser Woche dürfen Wirte ihre Außengastronomie öffnen. Solange die Inzidenz fünf Tage in Folge unter 100 liegt. Am Mittwoch lag sie das erste Mal seit langem knapp darunter. 

Damit rückt die ersehnte Lockerung näher. "Ich war sehr überrascht, als ich das hörte", erzählt Bruckmayer. Zusammen mit ihrem Mann betreibt sie in Pottenstein ein Hotel und eine Gastwirtschaft. "Das kam jetzt natürlich sehr kurzfristig, aber wir bekommen das hin."


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Jetzt heißt es: Den Biergarten herrichten, mit dem Bierlieferanten telefonieren und frische Lebensmittel für Brotzeiten einkaufen. "Das ist gar nicht so einfach, im Moment liefern viele nicht wie gewohnt", schildert Bruckmayer.

Und dann noch die ganzen Auflagen – die Gastwirtin ist sich nicht sicher, wie das funktionieren soll. Aber: "Als Gastronom greift man im Moment eben nach jedem Strohhalm." Dennoch freut sich die Familie Bruckmayer, dass sie vielleicht bald schon wieder Gäste begrüßen darf. Es sei jetzt einfach an der Zeit für eine Öffnung, findet sie. "Wir freuen uns doch selbst darauf, nach dem Wandern endlich wieder einzukehren und einen Kaffee zu trinken", verrät die Wirtin.

Vorbereitungen unter Hochdruck

Auch in Horlach laufen die Vorbereitungen bereits unter Hochdruck. "Der Biergarten ist schon hergerichtet", erklärt Andrea Späth. Die Wirtin des Gasthauses Peter lacht, als sie gefragt wird, ob die Lockerung sie überrascht hat. "Das kann man wohl sagen." Nun gibt es viel zu tun in dem Gasthaus, das bei schönem Wetter Platz für 50 Gäste im Biergarten hat. "Wenn es darauf ankommt, sind wir schnell, auch wenn es natürlich nicht von heute auf morgen geht." Das vergesse die Politik bei ihren Entscheidungen manchmal.

Dennoch sei sie froh, dass jetzt endlich mal die Gastronomie zum Zug komme – wenn auch nicht so wie vorgestellt. "Es ist vielleicht gut gemeint von Herrn Söder, aber wir können nicht an einem Tag unsere Gastwirtschaft aufsperren, nur um sie dann wenige Tage später zu schließen, wenn die Inzidenz wieder steigt", betont Späth. Zudem bringe die Teilöffnung viel Aufwand mit sich. "Ich bin noch skeptisch, ob sich tatsächlich viele Menschen testen lassen, nur um in den Biergarten zu gehen", meint sie. 

Zudem sei man im Freien vom Wetter abhängig. Sollte es regnen, können die Gäste nicht einfach in die trockene Wirtsstube flüchten. "Dabei wäre innen alles vorbereitet, wir können für den nötigen Abstand sorgen und haben ein durchdachtes Hygienekonzept. Und dann sollen die Gäste bei zwölf Grad im Freien sitzen", sagt Späth. Noch etwas gibt ihr zu denken: "Ich verstehe nicht, weshalb wir Gastwirte nur in der Prioritätengruppe 4 sind – dabei könnte eine Impfung für zusätzliche Sicherheit sorgen."


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Foteini Batzaka hatte erst mit einer Öffnung Ende Juni gerechnet – "davor sicher nicht". Jetzt muss es auch in ihrem griechischen "Fey’s Restaurant" am Pegnitzer Marktplatz schnell gehen. "Als wir gesehen haben, dass die Inzidenz bei 90,7 liegt, haben wir gleich in der Stadt und im Landratsamt angerufen", erzählt sie. Dort habe man ihr jedoch zu dem Zeitpunkt auch noch nichts Genaueres sagen können, wie es für ihre Gastwirtschaft weitergeht. 

Dennoch: Batzaka ist optimistisch und möchte so schnell wie möglich mit den Vorbereitungen beginnen. "Am Wochenende haben wir bereits die Biertisch-Garnituren auf dem Bürgersteig und vor dem alten Rathaus aufgestellt", beschreibt sie. Die sieben Monate, die sie ihr Restaurant schließen musste, seien genug. Mit den Einnahmen durch Essen-To-Go ist sie zufrieden. Aber: "Das ist einfach nicht dasselbe, wie Gäste zu bewirten."

Sorge um gutes Wetter

Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Batzaka macht sich etwas Sorgen, dass die Wiedereröffnung sprichwörtlich ins Wasser fällt. "Momentan ist alles komisch, selbst das Wetter", meint die Gastwirtin. Sie hofft nun darauf, dass ihre Gäste dazu bereit sind, sich testen zu lassen und der bürokratische Aufwand nicht zu hoch wird. Das Wetter ist auch die größte Sorge von Hermann Diersch. "Bestimmt werden einige Gäste kommen, aber bei zwölf Grad setzt sich doch keiner in den Biergarten", glaubt der Wirt des gleichnamigen Landgasthauses in Willenberg.

Für ihn stellt die Entscheidung des bayerischen Kabinetts keine wirkliche Perspektive für die Gastwirtschaft dar. Wenn man es so wie bei den Hotels gemacht hätte, dann vielleicht, aber so "ist es der größte Schmarrn". 

Bisher sei alles gut gelaufen mit dem Essen zum Mitnehmen und den staatlichen Überbrückungshilfen. Ob er diese auch dann noch bekommt, wenn er seinen Biergarten wieder öffnen darf, wisse er derzeit noch nicht. Genauso sei unklar, ob es sich überhaupt rechnet. "Wir dürfen ohnehin nur halb bestuhlen und sind obendrein immer vom Wetter abhängig."

Derzeit tendiert er dazu, seinen Biergarten dennoch zu öffnen – wenn auch frühestens Ende dieser Woche. "Wir müssen uns ja erst einmal vorbereiten". Heizpilze oder ein Zelt könnten seiner Meinung helfen, unabhängiger von der Außentemperatur zu werden. "Allerdings betreibe ich doch nicht den Aufwand ein Zelt aufzubauen, wenn keiner weiß, wie es dann weitergeht. Und Heizpilze soll man wegen des Klimas ja nicht mehr verwenden", sagt Diersch.

Der Gastwirt ist merklich unzufrieden mit der Entscheidung der Politik. "Die haben doch nur eine Öffnung angekündigt, damit die Politiker beruhigt sind, wenn es langsam auf die Wahlen zugeht", so der Gastwirt. 

"Ich bereite mich derzeit noch gar nicht vor", sagt Stephan Wolfring. Der Wirt des Gasthauses Gradl in Leups will lieber noch etwas abwarten, bevor er seinen Biergarten öffnet. "Um ein, zwei Seidla im Biergarten zu trinken, lässt sich doch kein Mensch testen", meint der Braugastwirt. Kritisch sieht Wolfring auch die Auflage, dass jeder Gast einen Negativtest vorweisen muss. "Soll ich als Wirt Detektiv spielen und jeden Gast nach seinem Testergebnis befragen? Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie wir das umsetzen sollen", sagt Wolfring. Generell sei derzeit noch nicht klar, welche Auflagen mit einer Öffnung verbunden wären.

"Bis Pfingsten warten"

"Für reine Gastronomen, die nicht auch noch eine Brauerei betreiben, mag das sicher ein kleiner Hoffnungsschimmer sein – aber für uns ist es sinnvoller bis Pfingsten zu warten."

Der Biergarten vor dem Gasthaus Persau in Püttlach wird erstmal nicht öffnen. "Da lassen wir vorerst lieber die Finger davon", meint Inhaber Thomas Haas. Es sei ihm noch zu unklar, welche Regeln überhaupt gelten sollen – und ob die Gäste diese für einen Biergartenbesuch in Kauf nehmen würden. "Wir hatten vergangenes Jahr einige Gäste, die wir immer wieder an ihren Mundschutz erinnern mussten. Auch die Zettel zur Kontaktnachverfolgung wollte nicht jeder ausfüllen", erinnert sich Haas. Ob sich die Menschen extra testen lassen, um sonntags einen Braten zu essen, ist für ihn eher fraglich.

"Wir werden wahrscheinlich erst wieder öffnen, wenn wir auch innen wieder Gäste bedienen dürfen", sagt Haas. Im Vorjahr habe er es auch so gehandhabt. Dennoch, das Gasthaus steht nicht völlig still. "Unsere Ferienwohnungen sind über Pfingsten komplett ausgebucht", erzählt der Gastwirt. Viele Stammgäste hätten bereits 2020 reserviert. "Mit einem Puffer von einigen Tagen, falls der Inzidenzwert zu hoch sein sollte." 

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