Samstag, 16.11.2019

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Autobahn durch die Flur befürchtet

Warum Heribert Sier die Flurbereinigung und den Ausbau eines Wegs ablehnt. "Zwei Nummern zu groß." - 17.10.2019 13:55 Uhr

Heribert Sier auf dem Feldweg, der von der Hohen Straße zu seinem Grundstück führt. Der zirka ein Kilometer lange Weg soll im Zuge der Flurbereinigung verbreitert werden. Sier hält dies für übertrieben und plädiert für eine vernünftige Sanierung. © Foto: Hans-Jochen Schauer


Wogegen er sich wendet, ist die Flurbereinigung auf der Auerbacher Flur. Seiner Meinung nach ist sie "unnötig". "Ich will das nicht", sagt Sier.

Er ist direkt von den Maßnahmen betroffen. Sier besitzt ein Grundstück in der Nähe der Rußhütte. Auf der asphaltierten Hohen Straße muss man in Fahrtrichtung Rußhütte links abbiegen, um dorthin zu gelangen. Es ist ein wasserdurchlässiger, etwa drei Meter breiter Flurweg, der sich durch Felder und Wiesen schlängelt. Nach etwa 500 Metern liegt rechter Hand das Grundstück von Sier. Es hat eine Fläche von rund 1800 Quadratmetern; im hinteren Teil liegt ein Bienenhaus, denn Sier ist Imker – einer von 40 in Auerbach. Er besitzt 24 Völker mit etwa zwei Millionen Bienen. Am Rand des Grundstücks liegt ein kleiner Weiher, der von einer Quelle gespeist wird. Im Wasser tummeln sich Fische. Es ist ein Oase der Ruhe, in die sich der ehemalige KSB-Mitarbeiter gerne zurückzieht und seinem Hobby nachgeht. Seit 1954 werde in seiner Familie geimkert. Mit seinem Vater besuchte Heribert Sier das Bienenhaus. Er erinnert sich noch gut, wie gut damals der Weg in Schuss war.

Zu beiden Seiten befanden sich Wassergräben; die anliegenden Felder wurden von einer Böschung abgegrenzt. Ein Durchlass leitete das Wasser nach Regenfällen auf Wiesen ab. Am Straßenrand wuchsen Kräuter, Wildblumen und Gräser – eine reich gedeckte Tafel für Insekten aller Art. An einigen Abschnitten standen Hecken und einige Bäume. Davon sei nicht mehr viel übriggeblieben.

Zugewucherte Gräben

Die Böschung ist von den Bauern mehr oder weniger weggepflügt worden, die Gräben entlang des Weges sind von Gras zugewuchert oder verschüttet, die Hecken zurechtgestutzt, zwei Obst- und Weidenbäume ersatzlos verschwunden. Der Grünstreifen am Rand ist nahezu verschwunden. Es scheint so, als ob sich um den Flurweg jahrzehntelang niemand gekümmert hat.

Von der Flurbereinigung erwartet Sier keine Besserung. Er hat seine Argumente dagegen zusammengetragen. Es kämen aufgrund der Neuvermessung und des Wegebaus Kosten auf die Grundstücksbesitzer zu – auch wenn der Zuschuss 70 Prozent betrage. "Wie hoch die Kosten sind, kann keiner genau sagen." Sier befürchtet einen Flächenverlust für die Grundstücksbesitzer. Es sei fraglich, ob und wo Ausgleichsflächen geschaffen würden. "Die können Gott weiß wo in der Natur sein."

Unverständlich ist für ihn, dass der Weg auf 3,5 Meter verbreitert werden soll. Mit Wasserführung – zirka zwei Meter – ergebe dies eine Gesamtbreite von rund 5,5 Meter. Die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die derzeit auf dem Weg unterwegs sind, hätten eine maximale Breite von 2,60 Meter. "Die passen alle auf den Weg, auch die mit Güllefass."

Aus ökologischer Sicht bedenklich

Sier vermutet, dass die noch vorhandenen Hecken und alten Obstbäume am Wegesrand verschwinden werden, weil der Platz für den Ausbau benötigt werde. Aus ökologischer Sicht bedenklich sei zudem der zusätzliche Flächenverbrauch. Er spricht von einer nicht umweltfreundlichen und unzeitgemäßen Industrialisierung der Flur. "Es bleibt kein Platz für Raine mit Kräutern, Blumen und Gräsern übrig." Ein weiterer Nachteil sei die Verkleinerung der nutzbaren landwirtschaftlichen Fläche wegen der Schaffung von Ausgleichsflächen.

Und er ist besorgt, dass gewachsene Strukturen verschwinden. "Alles wird steril aussehen. Der mäandernde Weg soll zu einer geradlinigen Autobahn umgewandelt werden."

Für Heribert Sier ist es somit klar, dass der Ausbau des Weges überflüssig ist. Sinnvoller sei es, den jetzigen Zustand verkehrstechnisch wieder in Ordnung zu bringen. "Es reicht aus, den Weg zu sanieren und einen vernünftigen Straßengraben und ein ordentliches Bankett zu machen." Man müsse nicht alles hundert Prozent ummodeln. "Das Ganze wird zwei Nummern zu groß."

Besonders hinterfragt werden müsse, wie viele Fahrzeuge den Weg überhaupt nutzen. Er schätzt, dass es im Durchschnitt fünf Fahrzeuge am Tag seien. "Das ist keine Durchgangsstraße. Nach einem Kilometer ist am Wald Schluss." Die Bauern kämen nur zu bestimmten Zeiten; manchmal sei dort tagelang kein landwirtschaftliches Fahrzeug unterwegs.

Kontrolle notwendig

Deshalb steht für Sier fest: "Das Ganze ist für mich übertrieben. Man sollte den Weg vernünftig sanieren und dann auch kontrollieren, ob alles in Ordnung ist." Ansonsten sei Nachhaltigkeit nicht gewährleistet. "Der Mensch ist gierig und kriegt nicht genug", sagt Sier und fügt hinzu: "Manche, nicht alle."

HANS-JOCHEN SCHAUER

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