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Automatenverkauf: Wissen, wo das Essen herkommt

Regionales, 24 Stunden verfügbares Angebot von Landwirten und Metzgern wird gut angenommen - 16.05.2018 12:55 Uhr

Schätzen die Lebensmittelautomaten auch, weil sie von festen Ladenöffnungszeiten unabhängig machen: Karina und Norbert Grellner vom Weidehof, die in der Lohesiedlung einen Direktverkauf anbieten.

15.05.2018 © Klaus Trenz


Spontan Lust zu grillen, aber kein Fleisch daheim? Unter anderem für diese Zielgruppe hat die Metzgerei Dörfler & Fiedler in Pegnitz einen Automaten aufgestellt, der beispielsweise eingeschweißte Bratwürste und Steaks verkauft, berichtet Chefin Heike Lindner-Fiedler und resümiert: "Das geht hervorragend am Wochenende. Seit das Wetter so schön ist, lohnt sich der Automat richtig." Dabei habe sich die Begeisterung in der Familie für "Dörfis Schlemmerbox", wie der im vergangenen Dezember neben dem Eingang platzierte Kasten heißt, im Vorfeld in Grenzen gehalten, erzählt Lindner-Fiedler.

Spontanität gefragt

"Vor allem die jungen Leute haben ein anderes Einkaufsverhalten", erklärt die Unternehmerin. "Die leben spontaner, erwarten mehr Flexibilität." Weil sie aber die Öffnungszeiten des Familienbetriebs mit 35 Mitarbeitern, der beispielsweise samstags um zwölf Uhr schließe, nicht ausweiten wollte, setzte sie auf eine technische Lösung und wurde schließlich bei der jüngsten Fleischermesse fündig.

Ein Selbstläufer sei das Angebot aber nicht, schließlich müssten alle Waren vorher eingeschweißt und etikettiert werden, was einige Arbeit mache, betont Lindner-Fiedler. Auch Vandalismus und Einbruchsversuche bereiteten mitunter Probleme. "Obwohl der Automat gut einsehbar an der B 2 steht, ist in der kurzen Zeit schon dreimal versucht worden, ihn aufzubrechen oder zu beschädigen", sagt die Stadträtin. Eine Videokamera, die demnächst installiert werde, soll nun Abhilfe schaffen.

Genutzt werde der Automat gerne von Pegnitzern, aber zum Beispiel auch von Auerbachern, Kirchenthumbachern und anderen Nachbargemeinden. Kunden schätzten, dass alle Fleisch- und Wurstwaren aus der Region stammten und selbst produziert worden seien, resümiert Lindner-Fiedler. Die Bestückung variiere im Laufe des Jahres. Seien im Winter vor allem Schaschlik- und Gyrospfannen sowie Wurstkonserven gut gegangen, stehe nun Grillgut im Vordergrund. Ganzjährig gefragt seien dagegen geräucherte Handwürste wie Pfefferbeißer und Gelbwurst, die besonders bei kleinen Kunden begehrt sei. So verlangten Kinder mitunter bei geöffnetem Laden: "Mami, ich will aber eine Gelbwurst aus dem Automaten", berichtet die Pegnitzerin.

Mit Gelbwurst kann der "Weidehof Shop" in der Lohesiedlung nicht dienen, bald aber mit Bauernhofeis, wie Karina Grellner berichtet. So werde demnächst das Produktspektrum von regionalen Erzeugern um Milcheis aus dem Landkreis Kronach erweitert, das es in Einmalportionen genauso wie in größeren Packungen in einem weiteren Automaten geben wird. "Die Leute schätzen in Zeiten von Lebensmittelskandalen sehr, dass sie wissen, woher die Produkte kommen", resümiert Grellner. "Dafür bekommen wir viel positives Feedback."

Das bestehende Angebot von Eiern, Fruchtaufstrichen, Honig, Grillfleisch und Wurstkonserven sei bei den Pegnitzern auch deshalb beliebt, weil es in der Siedlung keinen Laden mehr gebe. Aus benachbarten Orten kämen ebenfalls etliche Kunden. "Seit wir den ersten Automaten im vergangenen Herbst aufgestellt haben, ist der Zuspruch stetig mehr geworden", berichtet Grellner. In der Folge wurde ein zweiter Automat angeschafft und nun eben ein dritter fürs Eis.

Derzeit entstehe außerdem eine Hütte für die SB-Stationen, an denen – wie bei Dörfler & Fiedler auch – nur bar bezahlt werden kann. Ein Selbsttest zeigt: Viele Waren sind billiger als im Laden. Aber man braucht etwas Geduld und genug Münzen oder kleine Scheine bis zehn Euro, um an dem gebraucht gekauften Trommelautomaten mit sich drehenden Ausgabefächern einzukaufen. Neben den eigenen Erzeugnissen aus der Nebenerwerbslandwirtschaft gibt es in den Weidehofautomaten Produkte anderer regionaler Direktvermarkter.

"Wir schauen auf eine gute Erzeugung", erklärt Grellner, die mit ihrem Mann den Hof bewirtschaftet, ihre Philosophie. "Für uns kommt an erster Stelle regional, dann bio. Man darf sich nicht täuschen lassen: Wenn zum Beispiel Biohonig aus Spanien oder Argentinien kommt, ist er unserer Ansicht nach nicht mehr nachhaltig."

Ein Stück Unabhängigkeit

Alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse seien aber nicht für den Verkauf in Automaten geeignet: Kürbisse oder größere Mengen Kartoffeln seien beispielsweise zu schwer und zu sperrig. Der Weidehof setze da auf einen Verkauf auf Vertrauensbasis, erläutert die Tierheilpraktikerin, die mit den Automaten auch ein Stück Flexibilität auf Verkäuferseite gewinnen wollte: "Im Hofladen musste immer jemand da sein – egal, ob Kunden kamen oder nicht."

Jürgen Kalb von der "Milchtheke" in Bernheck hat indes ein anderes Motiv angetrieben: die Abhängigkeit von den Molkereien und den von ihnen gezahlten, schwankenden Milchpreisen zu reduzieren. In begrenztem Umfang sei das auch ganz gut gelungen, resümiert der Landwirt. Wenngleich von den 1000 Litern, die die 50 Kühe auf dem Hof jeden Tag geben, gerade mal 30 Liter in den Verkauf per Automat flössen.

"Wirtschaftlich rechnet er sich auf jeden Fall", blickt Kalb auf die vergangenen eindreiviertel Jahre seit der Aufstellung zurück. "Er hat sich sehr gut etabliert. Es gibt einen gewissen Stammkundenkreis und die Feriengäste merkt man noch zusätzlich." Für diese Selbstverpfleger aus den nahegelegenen Ferienwohnungen und vom Campingplatz ein Frühstücksangebot bereitzustellen, sei ein weiteres Argument für die Anschaffung gewesen.

Vor allem Milch und Eier würden stark nachgefragt und das insbesondere von Donnerstag bis Samstag, berichtet Kalb. Aber auch das Angebot von fränkischen Kürbissen und Kürbiskernen, Nudeln sowie Wurstwaren sei für manch’ einen so interessant, dass er eigens dafür zu dem etwas abseits gelegenen Automaten fahre. "Besonders schön ist es, wenn sich die Urlauber vor ihrer Abreise noch mal mit Marmelade, Ahornschinken oder anderen Produkten eindecken, weil sie ihnen im Urlaub so gut geschmeckt haben", findet Kalb.

ASTRID LÖFFLER

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