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Freitag, 18.10.2019

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Bahnhof Pegnitz soll Premium-Mobilitätsstation werden

Konzept des Landkreises sieht ferner ein E-Bürger-Taxi sowie ein E-Car-Sharing vor - 10.05.2019 23:35 Uhr

So konnte sich die Premium-Mobilitäts-Station am Pegnitzer Bahnhof in einigen Jahren präsentieren. © Arge Obrusnik / umarchitekt / Joma Landschaftsarchitekten


Christoph Gipp vom IGES-Institut in Berlin sparte bei der Vorstellung im Kreistag nicht mit Komplimenten für die bisherigen Anstrengungen im Öffentlichen Personen-Nahverkehr und nannte dabei vor allem die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Weidenberg, den 30-Minuten-Takt bei den Buslinien auf den Hauptachsen sowie die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte der Bürgerbusse. Jetzt gelte es aber, das Angebot mit kommunalen und betrieblichen Erfordernissen zu verknüpfen und bedarfsgerechter anzulegen. Das Ziel seien dabei gleichwertige Leistungsangebote und Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Der Bahnhof Pegnitz soll zu einer Premium-Mobilitäts-Station aufgewertet werden, mit einem überdachten Busbahnhof auf dem Vorplatz. © Richard Reinl


Empfohlen wird dabei die Aufwertung des Bürgerbus-Angebots auf der Jurahochfläche zum bedarfsgerechten E-Bürger-Taxi. Dabei gelte es, genügend ehrenamtliche Fahrer zu interessieren, das Angebot auf alle Wochentage auszudehnen sowie nach einer Testphase in Hollfeld und Waischenfeld weitere Korridore insbesondere im Umfeld von Pottenstein, Betzenstein, Plech und Pegnitz zu erschließen.

Ein Problem sei dabei, dass der Landkreis für dieses Angebot nur eine Sondergenehmigung bis zum Jahr 2023 hat. Danach müssten die Linienkonzessionen ausgeschrieben und an Dienstleister übergeben werden. Neue Fahrzeuge sollten mit Strom oder Brennstoffzellen-Technik betrieben werden, wobei diese wie etwa im Fall Waischenfeld im Bauhof aufgeladen werden könnten. 

Ein weiterer Schwerpunkt des Konzepts ist die Einführung eines E-Car-Sharing im Fichtelgebirge, wodurch auch der Tourismus gestärkt werden könnte. Zum einen würden Urlauber kein eigenes Fahrzeug mehr benötigen, zum andern könnte manche einheimische Familie auf die Anschaffung eines Zweitwagens verzichten. Von der Anschaffung eines Kleinbusses in einer ersten Testphase könnten auch Vereine für Ausflüge profitieren. 

Das vielleicht ehrgeizigste Vorhaben ist die Schaffung eines flächendeckenden Netzes von Mobilitätsstationen, an denen alle Fortbewegungsarten vom Fahrrad über den Bus bis hin zum Zug gebündelt werden. In der einfachsten Form soll dabei im ländlichen Raum nur eine Mindestausstattung vorgesehen werden. Urbane Stationen seien in Bayreuth und an ausgewiesenen Tourismus-Knotenpunkten wie Hollfeld denkbar. Die maximal sinnvolle Ausstattung solle schließlich an zwei Premium-Stationen in Pegnitz und Weidenberg umgesetzt werden. 

Busbahnhof und bewirtschaftete Tourist-Info

In Pegnitz laufe dabei nach dem ISEK-Prozess schon die Planungsphase für eine Neugestaltung und Aufwertung des Bahnhof-Umfeldes. Dort seien heute schon Bahn- und Buslinien sowie Taxis und Individualverkehr verknüpft. In einem Zeitkorridor von 45 Monaten soll der von der Stadt zwischenzeitlich erworbene Bahnhof zu einer möglicherweise sogar mit einem Cafe bewirtschafteten Tourist-Info umgestaltet und im Vorfeld ein überdachter Busbahnhof etabliert werden. 

Nötig seien weiter Fahrrad-Parkplätze mit E-Bike-Ladestationen, Schließfächer, eventuell ein Bankautomat, ein Parkleitsystem und nicht zuletzt die barrierefreie Erreichbarkeit aller Gleise. Alles ehrgeizige Pläne, für die sich der Verkehrsexperte des Landratsamts, Detlev Schmidt, sogar die Aufnahme in ein Sonder-Förderungsprogramm des Freistaats vorstellen könnte. 

Warnung vor "Wohlfühlwolken"

Dennoch warnte Stefan Frühbeißer (FWG) davor, ständig neue "Wohlfühlwolken" zu erzeugen. Man müsse dem Bürger vielmehr auch aufzeigen, wie das alles auf Dauer finanziert werden könne. Auf seine Anregung hin nahm der Kreistag das Konzept schließlich bei einer Gegenstimme des Aufseßer Bürgermeisters Ludwig Bäuerlein (CSU) lediglich zur Kenntnis, auf den Zusatz "zustimmend" wurde verzichtet. 

Manfred Neumeister (Die Grünen) appellierte an die Räte, neue Konzepte nicht zu zerreden, sondern als Botschafter dafür über die Lande zu ziehen, schließlich gehe es dabei auch Wohn- und Versorgungsqualität. Der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab (SPD) schließlich ließ im Protokoll ausdrücklich vermerken, dass er "zustimme", schließlich handle es sich um Projekte, die das Gremium seit langem fordere. 

RICHARD REINL

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