Baustellenarbeit bei Hitze: Wie Pegnitzer Dachdecker durch den heißen Arbeitstag kommen

17.6.2021, 11:55 Uhr
Nach einem kühlen Mai ist nun die erste Hitzewelle des Jahres da. 

Nach einem kühlen Mai ist nun die erste Hitzewelle des Jahres da.  © Frank Rumpenhorst/dpa

Bereits in der Vorwoche gab es erste Berichte über die bevorstehende Hitzewelle. Haben Sie darauf den Dienstplan für diese Woche verändert?

Lenk: Nein. Das geht so kurzfristig kaum. Wegen gesetzlicher Regelungen dürfen wir ja erst um 7 Uhr mit Arbeiten auf der Baustelle anfangen. Früher war das anders, da wurde der Arbeitsbeginn auf 4 oder 5 Uhr vorverlegt, aber heutzutage beschweren sich da sofort die Anwohner über den Lärm. Die aktuelle Materialknappheit nimmt uns zusätzlich Gestaltungsspielraum.


Dauerhitze in Franken: Sonne pur bei bis zu 34 Grad


Wie viele Ihrer Mitarbeiter müssen zurzeit im Freien arbeiten und wie kommen sie bei Hitze durch den Tag?

Lenk: 14 Mitarbeiter unseres insgesamt 20-köpfigen Teams sind auf Baustellen im Einsatz. Wir stellen diesen Mitarbeitern – wie jedes Jahr – Mineralwasser zur Verfügung und Strohhüte. Wir haben auch Pakete von der Bau-Berufsgenossenschaft (BG) für unsere Mitarbeiter bekommen. Da sind unter anderem Schweißbänder und Mützen mit einem Stück Stoff hinten als zusätzlichen Sonnenschutz auch für den Nacken drin. Dann haben wir in jedem Fahrzeug Sonnencreme. Und gerade bin ich dabei, noch Kühlwesten zu organisieren. Die werden mit Wasser aktiviert und kühlen dann ein paar Stunden lang – je nach Einsatzort und Temperatur. Trotz aller dieser Maßnahmen hatten wir in den vergangenen Jahren aber immer einen Mitarbeiter im Team mit einem Sonnenstich.

Dachdecker Martin Lenk

Dachdecker Martin Lenk © Foto: privat

Gerade ist das Heraufsetzen des Rentenalters wieder ein großes Thema. Wie blicken Sie als Handwerksbetrieb darauf?

Lenk: Ich bin jetzt 25 Jahre in dem Betrieb und seit 22 Jahren Geschäftsführer. In dieser Zeit habe ich noch keinen einzigen Mitarbeiter zum offiziellen Beginn in die Rente schicken dürfen. Und das liegt nicht etwa daran, dass ich so ein inhumaner Chef wäre (lacht). Mit dem Alter steigen einfach die gesundheitlichen Probleme, wie Rückenschmerzen und Kniebeschwerden, und dann kann man halt nicht mehr am Bau arbeiten. Oder es kommen Gleichgewichtsprobleme. Dann schafft man die Höhentauglichkeitsprüfung nicht mehr. Ich halte einen späteren Renteneintritt für nicht durchsetzbar.

Keine Kommentare