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Mittwoch, 16.10.2019

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Bayreuther Schlosskirche als göttlicher Fingerzeig

Bambergs Erzbischof Ludwig Schick zelebrierte die Wiedereröffnungsmesse für das Gotteshaus - 20.05.2019 21:26 Uhr

Erzbischof Ludwig Schick (links) zelebrierte den Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der Bayreuther Schlosskirche, die den Gläubigen nach über einem Jahr Sanierungszeit wieder zur Verfügung steht. © Foto: Rosi Thiem


Schick wies auf die erste Bitte im "Vater unser" hin: "Geheiligt werde dein Name", sei die wichtigste Bitte, sagte er. Sie verbinde die Menschen mit dem Namen Gottes und so untereinander. "Alle Menschen, die den einen und einzig wahren Gott heiligen, werden vereint im Band der Liebe und des Friedens", erklärte Schick. "Die Bitten des ,Vater unser‘ sind keine Magie, die uns Menschen von unserer Verantwortung in unserer Welt und Zeit entpflichten. Sie zeigen uns vielmehr, was wir mit der Hilfe Gottes tun sollen."

Und weiter: "Eine in Gott geeinte Menschheit kann Gerechtigkeit und Friede international bewirken und Populismus wie Nationalismus überwinden, identitären Bewegungen und Reichsbürgern widerstehen." Wenn viele Menschen sagten: "Geheiligt werde dein Name", könne die Menschheit eine gute Zukunft gestalten, führte er fort. "Das Wort Kultur kommt von ,cultus‘ und bedeutet Gottesdienst. Diesen Zusammenhang dürfen wir nie vergessen und müssen ihn pflegen, damit unsere Kulturdenkmäler bewahrt bleiben", so der Erzbischof.

Die Schlosskirche sei mit viel Geld des Erzbistums, der Pfarrei, des Freistaates, der Stadt und des Bezirks renoviert worden, betonte Schick. "Die Kirchen sollen uns vereinen", erklärte er, dann sei das Geld auch gut ausgegeben.

Die 90-minütige Feier wurde vom Chor der Schlosskirche, den Vokalsolisten und dem Orchester "collegium musicum" unter der Leitung von Christoph Krückl begleitet. Der Regionalkantor erhielt am Ende stehenden Applaus von den Gottesdienstbesuchern. Sie waren von der berührenden Darbietung der d-Moll-Messe von Johann Adolf Hasse beeindruckt. Die Besucher genossen zudem die wunderbare Akustik des sanierten Gotteshauses. Im Anschluss lud Pfarrer Christian Steger alle Gläubigen und Ehrengäste zu einem Stehempfang in den nahen Reichshof ein; vorher dankte er allen Verantwortlichen für die kameradschaftliche Zusammenarbeit.

Im Reichshof gab Kirchenpfleger Stefan Behrendt einen kurzen Rückblick: Die Gesamtkosten der Sanierung beliefen sich auf 2,5 Millionen Euro, der kirchliche Anteil über zwei Millionen Euro. Das Bistum schießt davon 1,25 Millionen Euro zu. Von den Gesamtkosten trägt der Freistaat fast eine halbe Million Euro. Der Pfarrei bleibt ein Eigenanteil von über 800 000 Euro. Der Kirchenmaler Franz Fersch, der für die Gestaltung des Deckengemäldes verantwortlich ist, konnte verdienten Applaus entgegennehmen. Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz verwies auf die besondere Stellung der Schlosskirche als einzige katholische Markgrafenkirche. Sie erinnerte an die Geschichte des Gotteshauses, das als Hofkirche ab 1753 vom Markgrafenpaar Wilhelmine und Friedrich gebaut wurde.

"Die Gottesdienste und das Gemeindeleben aufrechtzuerhalten, war sehr schwer", blickte Pfarrer Christian Karl Steger zurück. "Wir mussten ein Jahr lang in den engen Pfarrsaal ausweichen. Eine Herausforderung auch für unsere Gottesdienstbesucher. Der Jahrhundertsommer 2018 in der Enge des aufgeheizten Raumes stellte eine große Belastung dar. Ich bin stolz auf die Gemeinde, sie haben alle ausgehalten." Zu Stegers Seelsorgebereich zählt auch die Filialkirche Sankt Benedikt, insgesamt 6000 Gläubige. "Vor drei Jahren hatten wir angefangen zu planen, das Gotteshaus war seit April 2018 geschlossen." Dies war nötig, um die umfangreiche Generalsanierung in einem Jahr durchzuziehen.

Handwerklich vollendet

Die Schlosskirche steht nun majestätisch, kunstvoll und handwerklich vollendet in Bayreuths Zentrum. Die Feinabstimmung der Orgel durch die Berliner Orgelbaufirma Karl Schuke wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Der Staub der letzten 30 Jahre wurde entfernt und zur mechanischen Steuerung kam eine elektronische dazu, so die Orgelbauer. Sie konnten erst spät anfangen, weil sich die Bauzeiten verzögerten. Jetzt wird fein nachintoniert.

Am Sonntagvormittag war Bewunderung und Dankbarkeit zu spüren. Die Gottesdienstbesucher zollten Respekt vor der Arbeit der Gewerke und dankten mit anerkennendem Applaus. "Die Spendenbereitschaft der Bayreuther für die Sanierung ihrer Schlosskirche war bis jetzt unglaublich hoch", so Pfarrer Steger. Weitere Spenden werden benötigt. Der Empfang nach dem Gottesdienst fand regen Zuspruch. Hier konnten sich alle Gottesdienstbesucher, Gönner, Bauverantwortliche und Freunde der Schlosskirche stärken und das eigens gebraute "Himmelsbier" zugunsten der Generalsanierung probieren.

ROSI THIEM

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