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Bedrohliche Felsbrocken eine latente Gefahr

"Gefahrenhinweiskarte Jura" soll Georisiken aufdecken — Felsberäumung im Oberen Pegnitztal - 06.04.2019 08:00 Uhr

Bauoberrat Ulrich Lang zeigt einen der lockeren Felsbrocken. Diese werden in der Regel gezielt aus dem Hang gelöst. © Foto: Siegfried Fuchs


Diesen Georisiken im Klimawandel begegnet das für die Staatsstraßen zuständige Staatliche Bauamt Nürnberg durch regelmäßige Kontrollen und neuerdings mit Hilfe einer "Gefahrenhinweiskarte Jura".

Die vom Bayerischen Landesamt für Umwelt erstellte Karte, wie Bauoberrat Ulrich Lang bei einer Dienstfahrt durchs Pegnitztal erläutert, enthält unter anderem potenzielle Gefahrenhinweise auf Steinschläge und Rutschungen, um einer Gefährdung des Straßenverkehrs entgegenzuwirken. Vornehmlich entstehen die Ablösungen an steilen, zerklüfteten und exponierten Felswänden durch strenge Fröste, aber auch durch Temperaturschwankungen, wenn sich warme und kalte Perioden im Winter mehrfach abwechseln. Entwurzelte Bäume können ebenfalls Felsstürze auslösen.

Osten ist gefährdet

Mit Blick in die Karte zeigt der Fachmann, dass die höchste Gefährdung durch Steinschläge und Felsbrocken im Osten des Nürnberger Landes gegeben ist, wo tiefe Täler durch sehr steile Hänge und Felswände aus Kalk- und Dolomitgestein eingefasst werden.

In dem Georisk-Kataster werden Gefahrenverdachtsflächen dargestellt. Im Pegnitztal entlang der Staatsstraße 2162 sind es aktuell 16 Stellen, im Albachtal, etwa im Bereich Regelsmühle, acht und im Sittenbachtal, zum Beispiel um Algersdorf, vier Stellen.

Von allen gehe zwar keine akute Gefahr aus, kein dringender Handlungsbedarf also, so die Beurteilung eines Geologen, doch an zwei neuen Stellen wolle man noch in diesem Spätherbst mit der Felsberäumung beginnen. Es handelt sich um Felsformationen zwischen Rupprechtstegen und Lungsdorf und aktuell um eine Felswand am Rande der Staatsstraße nach der Ortstafel Lungsdorf in Richtung Velden.

Rund 1,7 Millionen Euro

Der Diplom-Ingenieur und Leiter der Stabstelle Georisiken hat auch einige Zahlen parat: So wurden in den vergangenen zehn Jahren für die Felssicherungs- und Felsberäumungsmaßnahmen alleine entlang der Staatsstraßen im Nürnberger Land rund 1,7 Millionen Euro aufgewendet und dabei etwa 33 bekannte Risikostellen gesichert, unter anderem mit 44 Bauwerken wie Steinschlagzäunen, Netzen, massiven Felsankern und Holzpalisaden längs der Straße, so dass kein Geröll vom Hang auf die Fahrbahn gelangt.

Im Jahr 2012 wurden beispielsweise an der Staatsstraße Happurg – Alfeld an der Regelsmühle 30 Meter Steinschlagschutzzaun, 180 Quadratmeter Netze und drei Spannseile zum Zurückhängen eines Felsturms an der Hauptfelsformation verbaut. Im Folgejahr kamen an der Staatsstraße bei Enzendorf auf einer Gesamtlänge von 220 Metern rund 120 Meter Schutzzaun und 700 Quadratmeter Netze zur Verstärkung des Bestandes zum Einsatz – Kosten: rund 242 000 Euro. Und 2017 wurden zwischen Velden und Güntersthal – als Vorbereitung für den Straßenausbau – auf einer Länge von 150 Metern diverse Felsanker und massive Spritzbetonsicherungen gesetzt sowie mit mehreren Netzen verbunden. Baukosten: rund 300 000 Euro.

Für die zwei neuen Stellen zwischen Rupprechtstegen und Lungsdorf sind die Vorbereitungen unter Einschaltung eines Geologen angelaufen. Eine erste kurzfristig erforderliche Säuberung hatte die Straßenmeisterei Lauf bereits im März im Rahmen der jährlichen Frühjahrsbegehung und Untersuchung potenzieller Gefahrenstellen durchgeführt. Eine zusätzliche Felsberäumung am Seil durch eine Fachfirma ist aber erst im Spätherbst 2019 geplant. Hierbei kann es zu kurzzeitigen Verkehrssperrungen kommen.

Absolute Sicherheit könne es aber aufgrund des teilweise porösen Dolomits nicht geben, wie plötzliche Hindernisse auf den Staatsstraßen leider immer wieder zeigten, so der Bauoberrat. "Wenn im Fels eingedrungenes Wasser gefriert, werden enorme Kräfte entwickelt."

Jeder könne die Arbeit des Staatlichen Bauamts unterstützen, indem er Beobachtungen per E-Mail an georisiken@lfu.bayern.de meldet. Die Gefahrenhinweiskarten sind im Internet unter www.lfu.bayern.de/geologie/georisiken abrufbar.  

SIEGFRIED FUCHS

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