Sonntag, 08.12.2019

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Bei Drogen-Razzia in Pegnitz zehn Objekte durchsucht

Szene hatte auf Jugendliche übergegriffen - Sieben Personen festgenommen - 03.12.2019 14:18 Uhr

Beliebter Treffpunkt der Szene war die neue Wiesweiherhalle, wo von den Jugendlichen auch die Fassade massiv beschädigt worden ist. © Reinl


In einer gemeinsamen Aktion mit den Kriminalpolizeiinspektionen Amberg und Bayreuth sowie den Operativen Ergänzungsdiensten Amberg, Bayreuth und Hof wurden am Dienstagmorgen insgesamt zehn Objekte in den Dienstbereichen Pegnitz und Auerbach durchsucht, sieben Personen vorläufig festgenommen und eine Vielzahl von Beweismitteln sichergestellt. Die Ergebnisse dieser Durchsuchungen werden voraussichtlich Eingang in verschiedene Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften Bayreuth, Amberg und Nürnberg-Fürth finden

Was war der Anlass für die Aktion? Im Herbst diesen Jahres stellten Beamte der Polizeiinspektion Pegnitz bei einer Kontrolle von Jugendlichen und Kindern im Bereich des Pegnitzer Wiesweiherparks erstmals wieder Rauschgift sicher, nachdem die letzte große Razzia aus dem Jahre 2014 datierte. Aufhorchen ließ die Polizei dabei die Tatsache, dass neuerdings schon mehrere Kinder im Alter von 14 Jahren beteiligt waren.

Da Rauschgiftkonsum bei Kindern und Jugendlichen mit der Gefahr schwerster gesundheitlicher Schäden verbunden ist und zu irreparablen Schäden führen kann, waren die Pegnitzer Polizisten sofort hellhörig und sensibilisiert. Erste verdeckte Überwachungsmaßnahmen und eine Vorbesprechung mit dem zuständigen Jugendamt in Bayreuth schienen zu bestätigen, dass es sich hierbei nicht um einen absoluten Einzelfall gehandelt hat.

Krisen-Gipfel im Landratsamt

Daher wurden vor einigen Wochen auf Initiative des Jugendamtes in Bayreuth alle Verantwortungsträger anderer Stellen und Behörden zu einem Krisengespräch ins Landratsamt eingeladen, um gemeinsam abzuklären, inwieweit tatsächlich eine Problemlage vorliegt und welches Ausmaß diese haben könnte. Dazu sollten alle Beteiligten sensibilisiert werden.

Das Bild, das sich daraus Anfang November ergeben hatt war allerdings eher diffus. Weder das Gesundheitsamt noch die Schulen konnten konkrete Fälle schildern. Dennoch wurde vereinbart, dass sich der bestehende Arbeitskreis „Unsere Stadt gemeinsam gegen Drogen“ unter der Leitung des kommunalen Jugendpflegers der Stadt Pegnitz intensiv der Problematik annimmt.

Während die Pegnitzer Polizisten ihre Überwachungsmaßnahmen intensivierten und bei gezielten Kontrollen von Kindern und Jugendlichen nunmehr immer häufiger auf Drogen stießen, suchten auch einige verantwortungsbewußte Eltern die Hilfe der Polizei, nachdem sie erkannt hatten, dass sich ihre Kinder in kurzer Zeit offenbar zum Nachteil verändert hatten. Weitere anonyme Mitteilungen angeblich besorgter Einzelpersonen bestätigten zwar grundsätzlich die offensichtliche Gefahr, waren aber mangels konkreter Aussagen weniger hilfreich.

Im Rahmen umfangreicher verdeckter Maßnahmen der Pegnitzer Polizei gelang es in den letzten Wochen und Tagen, ein Netzwerk von Personen zu identifizieren, die im Verdacht stehen, an Kinder und Jugendliche im Pegnitzer Raum Drogen zu liefern. Neben Marihuana sollen Ecstasy, verschreibungspflichtige Aufputschmittel und Kräutermischungen bis hin zu Crystal Meth verteilt werden.

Drogen teils an Kinder verschenkt

Durch die öffentliche Berichterstattung in den vergangenen Tagen ergab sich für die Polizei ein erheblicher zeitlicher Handlungsdruck, da schon beobachtet werden musste, dass die Dealer vorsichtiger geworden sind. Sie hatten bereits damit begonnen, Beweismittel zu vernichten und Zeugen zu beeinflussen. Zudem hielten sie offenbar kaum noch Drogen vorrätig, sondern verkauften nur noch auf konkrete Bestellungen.

Da die Pegnitzer Polizei Erkenntnisse dahingehend hat, dass offenbar auch einige Kinder aus intakten und verantwortungsbewussten Elternhäusern in Rauschgiftgeschäfte verstrickt sind, wird sie in nächster Zeit je nach Ermittlungsstand direkt mit den jeweiligen betroffenen Eltern in Kontakt treten und diese über ihre Erkenntnisse informieren. Zum Schutze der Kinder und um eine Stigmatisierung zu vermeiden, werden diese Daten mit größter Sensibilität behandelt.

Nach aktuellem Stand geht die Polizei aber davon aus, dass mehrere Dealer im jungen Erwachsenenalter zum Teil gezielt Kinder angesprochen und diese dazu überredet haben, selbst Drogen zu konsumieren und diese auch an ihre Schulfreunde weiter zu geben. Erste Marihuanaportionen sollen ihnen sogar geschenkt worden sein.

Zum Teil soll sich innerhalb weniger Wochen ein schwunghafter Handel ergeben haben, bei dem nicht nur das Taschengeld, sondern auch diverse Geldgeschenke in Drogen umgesetzt wurden und es sogar schon zu Diebstahlshandlungen gekommen ist, um den Drogenbedarf zu finanzieren, so die Polizei.


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