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Freitag, 03.07.2020

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BellandVision: Thomas Mehl gibt Geschäftsführung ab

Diana Uschkoreit wird Geschäftsführerin der BellandVision GmbH - 29.06.2020 12:55 Uhr

Thomas Mehl (li.) gibt die Geschäftsführung von BellandVision an Diana Uschkoreit ab. Die 47-Jährige steht ab 1. Juli an der Spitze der Firma, die mit ihrem dualen System inzwischen in Deutschland die Nummer eins ist. © Foto: Hans-Jochen Schauer


Thomas Mehl sagt: "Ich war 18 Jahre nicht zu Hause." In dieser Zeit hat er in einer 35 Quadratmeter großen Ferienwohnung in Kosbrunn gewohnt und mit Ehefrau Jutta eine Fernbeziehung geführt. Jetzt kann der 63-Jährige wieder nach Velbert (bei Essen) zurück – Mehl hört Ende des Monats als Geschäftsführer der BellandVision GmbH auf.

Seine Nachfolgerin wird ab Juli Diana Uschkoreit (47). Sie ist die langjährige Vertriebsleiterin und Prokuristin des Unternehmens, das seinen Sitz im ehemaligen Postamt an der Bahnhofstraße hat. Er freue sich sehr, dass sie bereit sei die große Verantwortung für die weitere Entwicklung im dynamischen Markt der dualen Systeme zu übernehmen, so der scheidende Chef. "Mit Berufung der in der Branche bekannten und fachkompetenten Persönlichkeit dokumentiert BellandVision nicht nur Kontinuität und Verlässlichkeit, sondern bestätigt auch ihre Solidität und Seriosität."

Mit weiblichem Charme

Er selbst kann sich nur schwer von BellandVision trennen. "Die Firma ist für mich wie ein eigenes Kind. Mein Tag begann um acht Uhr und endete in der Regel um 21 Uhr. Auch im Urlaub habe ich täglich drei bis vier Stunden gearbeitet", sagt er im Gespräch mit den Nordbayerischen Nachrichten.

Mehl, der Anfang Februar 2002 als Vertriebsdirektor begonnen hat, erklärt: "Arbeit war mein Leben." Der aus Karlsruhe stammende Diplom-Wirtschaftsingenieur war Denker und Lenker, Stratege und Antreiber und einer, der nicht nur am Schreibtisch als kreativer Kopf Entscheidungen traf, sondern auch in vorderster Linie die Interessen von BellandVision konsequent vertrat. "Ich bin ein knallharter Verhandler", sagt Mehl. Seine Nachfolgerin will ihm da in nichts nachstehen und erklärt: "Ich kann sogar noch härter verhandeln als er."

Uschkoreit war im März 2002 von der Steinbeis-Stiftung zu Belland gestoßen und zuerst Assistentin des Vertriebsdirektors. Sie wohnt mit ihrem Lebenspartner in Schnabelwaid. Mit Mehl habe sie 18 Jahre eng zusammengearbeitet. "Ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe", resümiert sie. "Die Ansprüche sind hoch, die Erwartungshaltung ist extern und intern sehr groß." Sie geht aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit für BellandVision von einem nahtlosen Übergang aus: "Das Wichtigste ist, dass viele froh waren, dass ich die Position übernehme. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass man ,als Frau im Vertriebʻ ein klein bisschen im Vorteil ist".

In der Entsorgungsbranche seien Frauen in der Minderheit und der Ton sei rauer. Aufs Team in Pegnitz hält Uschkoreit große Stücke: "Die meisten sind ziemlich gut. Ich verlasse mich auf sie; sie sollen auch ihre Freiheiten haben. Bei allen muss Unternehmergeist rauskommen." Das sei schon in den Anfangsjahren so gewesen, als 1999 der visionäre Unternehmer Roland Belz, der 2011 starb, BellandVision gegründet hat.

Mehl hatte Belz über das Mehrweg-Transportsystem kennengelernt. "Irgenwann haben wir uns wiedergetroffen, und Belz hat mir ein Angebot gemacht. Er hat gesehen, dass ich Dinge durchsetzen will. Das hat ihm gefallen." Der Beginn in dem vom Belz erworbenen Schloss Kühlenfels und der Ferienwohnung des Kühlenfelser Pfarrers war abenteuerlich. "Wir haben bei Null angefangen. Wir haben gemeinsam Briefe geklebt. Von Belz bis zur Putzfrau haben alle einkuvertiert", erzählt Mehl.

Eine Firma von Visionären

Die Belland-Pioniere starteten mit Zähigkeit, Willensstärke und angetrieben von der Idee, etwas Neues zu schaffen. Da damals noch keine Einnahmen erzielt wurden, mussten die Gesellschafter beim Lohn einspringen. "Hubertus Bahlsen, Roland Belz, Phil Collins und dessen Manager Tony Smith haben bezahlt", erinnert sich Mehl an die turbulente Zeit. "Das waren Visionäre, und der oberste Visionär war Roland Belz." Der war laut Mehl "ein absoluter Marketing-Mann, der schon damals an die Umwelt gedacht hat und seiner Zeit weit voraus war, etwa beim Kunststoff-Recycling. Aber er hat unterschätzt, welche Kräfte bestehen. Die haben ihn alle kaputtgemacht."

Ziel sei es gewesen, dem Dualen System Deutschland (DSD) Konkurrenz zu machen. Bis 2007 baute BellandVision Deutschlands größte Selbstentsorgungsgemeinschaft auf und nahm DSD Marktanteile ab. Mehl meinte, dass dies keine Zukunft habe und Belland ein eigenes duales System aufbauen sollte. "Wenn Sie überzeugt sind, dann bauen Sie es auf", sagte Belz. 2008 ging es los. "Wir haben elf, zwölf Jahre gebraucht, bis wir die Nummer eins sind", so Mehl. Doch es habe unendlich viel Arbeit dahinter gesteckt.

HANS-JOCHEN SCHAUER

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